FeedDoppeltier
TierreichBrockhaus 1882

Doppeltier (Diplozoon paradoxum) nannte der Entdecker A. von Nordmann einen höchst seltsamen Wurm, den er an den Kiemen verschiedener Weißfische (Bley, Elritze u. s. w.) fand und der aus wei vollkommen gleichen, am Anfange des letzten Drittels zusammengewachsenen Hälften bestand. Jede Hälfte 453, durchaus einem vielmundigen Saugwurm (I. d.), trug vorn zwei kleine, hinten acht große, in zwei Reihen gestellte hornige Saugnäpfe mit Klammerhaken, hatte einen gabelförmigen, verästelten Darmkanal und männliche und weibliche Fortpflanzungsorgane, in welchen man meist ein großes, langliches Ei mit einem langen, aufgewundenen Rollfaden sah. Die Bildung dieses merkwürdigen D. wurde durch von Siebold und später durch Zeller in ausgezeichneter Weise aufgeklärt. Aus dem Ei kriecht ein einfacher Wurm, der noch keine Fortpflanzungsorgane besitzt, sonst aber der Hälfte eines D. vollkommen gleich ist und von Siebold Diporpa genannt wurde. Jede Diporpa trägt auf der Bauchfläche einen kleinen Saugnapf, auf dem Rücken einen kleinen Zapfen. Die Tierchen wissen sich so zu winden und zu drehen, daß n gegenseitig ihre Rückenzäpfchen mit den Bauchnäpfen fassen. Sobald die Vereinigung geschehen ist, verwachsen die Teile untrennbar und die Forlpslanzungsorgane entwickeln sich. C. Vogt hat an verschiedenen Fischen des Neuenburgersees mehrere Arten von D. nachgewiesen. Mit Ausnahme der Infusorien, wo der Vorgang doch ein anderer ist, kennt man in der ganzen Tierwelt kein zweites Beispiel einer solchen Verschmelzung zweier, vollkommen gleicher Tiere zu einem.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 480Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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