Dragomanow (Michagel), ukrain. und russ. Schriftsteller und polit. Agitator, geb. 1841 zu Hadjatschim Gouvernement Poltawa in der Ukraine, stammt aus einer kleinadeligen Familie, die ihren Ursprung von den kleinruss. Kosaken herleitet. Schon als Student in Kiew (1859—63) nahm er eifrig an den sog. ukrainischen Bestrebungen teil (Herausgabe von Büchern in der kleinruss. Volkssprache, Gründung von Sonntagsschulen u. s. w.), die 1862 von der Regierung unterdrückt wurden. Im J. 1865 habilitierte er sich als Docent der alten Geschichte an der Universität Kiew, ward 1870 zum Professor erwählt, aber erst 1873 von der Regierung bestätigt. Von ihm verfaßte kritische Artikel über das System des damaligen Unterrichtsministers Grafen Tolstoj führten deine Absetzung herbei, worauf er sich 1876 ins Ausland begab und in Genf niederließ. Hier fuhr er fort, eine umfängliche litterarische Thätigkeit zu entwickeln, zunächst für seine Landsleute, die Kleinrussen oder Ukrainer, durch Herausgabe populärer Schriften in kleinruss. Sprache und seit 1877 einer ukrain. Revue Hromada (Die Gemeinder). Zugleich wirkt er in liberalem Sinne für eine Reorganisierung und föderative Gestaltung Rußlands mit voller Gleichberechtigung aller Völkerschaften, tritt ebenso gegen den doktrinären Sozialismus wie gegen den Absolutismus auf, findet bei dem gegenwärtigen Regierungssystem in Rußland den polit. Mord für unvermeidlich, ist aber im Prinzip gegen Anreizung zu demselben, und fordert die Gebildeten auf, beiden Terrorismen, dem von unten und dem von oben, ein Ende zu machen. Dahin gehörende Schriften D.s sind: Les Tures extérieurs et intérieurso (Genf 1876), Le tyrannicide en Russies (1881), Der kleinruss. Internationalismusy (in Jahrbuch für Sozialwissenschaft und Sozialpolitikꝰ), Die osteurop. Völker und die Propaganda des Sozialismus in der Volksspracher (russisch, 1880), La Pologne historique et la démocratie moscovite) (1881) und viele andere. Als Gelehrter hat sich D. sehr verdient gemacht durch vergleichende Forschungen über die Volkslitteraturen, insbesondere über die Ethnographie, Geschichte und Litteratur der Kleinrussen. Mit M. Antonowitsch gab er die erste kritische Sammlung kleinruss. Volkslieder heraus (Bd. 1, Kiew 1874), der weitere Volksliedersammlungen in Genf folgten. Auch verfaßte er einige Werke allgemeingeschichtlichen Inhalts, wie über den Kaiser Tiberius (russisch, Kiew 1864) u. s. w.