FeedCarpeaux (Jean Baptiste)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Carpeaux (Jean Baptiste), franz. Bildhauer, geb. zu Valenciennes 14. Mai 1827, kam nach Paris in die Schule von Duret, und erhielt 1854 den ersten Airde für die Figur eines Hektor, der seinen Sohn Astyanax der Obhut Jupiters anempfiehlt. Er studierte dann fünf Jahre auf der franz. Akademie in Rom und arbeitete hier namentlich eine Bronzestatue, einen jungen Fischer, der eine Muschel an sein Ohr hält. Riele Statue 70 in der pariser Ausstellung 1859 vielen Beifall, obschon sie an zwei sehr bekannte moderne Bildhauerwerke, nämlich an den Tarantellatänzer von Duret und an den Fischerknaben mit der Schildkröte, von Rude, n erinnerte. Sein Ruf steigerte sich bedeutend urch die 1863 ausgestellte Bronzegruppe, Ugolino und seine Kinder; sie wurde von der Regierung an-Seiten und im Tuileriengarten angebracht als eitenstück zu einer Kopie des Laokoon mit seinen Kindern, welche Gruppe offenbar der Phantasie des Künftlers vorgeschwebt hatte. Das Giebelfeld des Pavillons der Flora in den Tuilerien schmückte C. mit einem Hautrelief, welches das Kunst und Ackerbau beschützende Frankreich darstellt, und im Erdgeschoß des östl. Eckpavillons der Hauptfagade des neuen pariser Opernhauses findet sich von ihm eine äußerst realistische Darstellung des Tanzes, welche eine heftige Polemik hervorrief. Unter C.“ letzten Werken ist hervorzuheben⸗ eine Bronzegruppe im Luxembourggarten, bestehend aus vier eflügelten Seepferden und ebenso viel weiblichen en C. starb 11. Okt. 1875 im Schlosse Becon ei Asnieres. Seine große Fertigkeit in der Behandlung des Marmors gab ihm die Basis zu seiner durchaus malerischen Richtung. Schwung in der Erfindung, Treue in der Nachahmung individueller Gesichtsbildungen (man hat von ihm Büsten der Prinzessin Mathilde, des züngern Alex. Dumas, des Malers Geröme, des Architekten Garnier u. a.) und eine vortreffliche Behandlung des Marmors sind C. Vorzüge neben unverkennbaren Schwächen, die seine malerische Richtung mit sich brachte. Vgl. Chesneau, Le statuaire C.v (Par. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 13Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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