Dünger, Düngung, nennt die neuere Landwirtschaftswissenschaft den Ersatz, welcher dem n Boden für die ihm durch den Anbau entzogenen U Pflanzennahrungsstoffe geboten wird. Benutzt man f einen Acker fortwährend zur Hervorbringung von Kulturgewächsen, so zeigt sich allmählich eine Ver⸗(z minderung der Erträge oder der Fruchtbarkeit, bis r der Boden endlich völlig unfruchtbar wird. Der Grund hiervon ist, daß die Pflanze einer bestimmten Quantität von Stickstoff und gewissen Mineralbestandteilen zu ihrer vollständigen Entwickelung bedarf und nicht zu vegetieren vermag, wo einer d dieser Stoffe fehlt. Die wichtigsten und notwendig⸗( sten Mineralien sind aber gerade in minder nutzbarer Menge im Boden vorhanden, werden daher durch fortgesetzte Ernten nach und nach demselben ö ganz entzogen, wenn nicht mittlerweile von irgend einer Seite dafür Ersatz geleistet wird. Ebenso be-1 darf die Pflanze zur Bildung ihrer dem Menschen wertvollsten Bestandteile ein Auantum an Stickstoff, das beständig neu zugeführt werden muß, was aber die Atmosphäre allein bei weitem nicht zu thun vermag. Die Leistung nun dieses Ersatzes zur richmtigen Zeit, in genügendem Maße und in Stoffen, welche geringern Wert haben als die durch die Produkte dem Boden entzogenen, bedingt das Wesen der Düngung. ö Die Theorie der Düngung war lange Zeit völlig planlos und hypothetisch. Die Alten betrachteten [ zunächst die Brache, die Ruhe des Bodens, als eine Erneuerung seiner Kräfte und sodann den tierischen Mist als direkte Nahrung der Pflanzen. Im Mittelalter lehrte Bernard Palissy, der berühmte Erfinder der Fayence, daß die Salze Lebensmittel der Vegetabilien seien. Im 17. Jahrh. hielt Helmont das Wasser, Jethro Tull fein zerteilte Erde, Zink, Ole und Fette, Home den Wärmestoff, im 18. Jahrh. Münchhausen die Gase, Wallerius Salpeter, Ol und Erde für die wahre und alleinige Pflanzennahrung. Thaer vereinigte in seiner Lehre alle frühern Ansichten, verlegte aber den Schwerpunkt in den Kohlenstoff und erklärte den Humus als das Prinzip der Fruchtbarkeit. Diesem Satze stimmte die ganze rationelle Schule sofort bei; heute ist derselbe wohl bei keinem gebildeten Landwirte mehr gültig. Liebig war es vorbehalten, dies künstliche Lehrgebäude umzustoßen (1840) und an seine Stelle ein anderes zu setzen, welches zwar erst nach langen Kämpfen allgemeinere Anerkennung fand, aber doch gegenwärtig so gut wie völlig in sich gefestigt und fertig erscheint. Das Wesentliche der neuen Düngerlehre lautet: Die ersten Quellen der Pflanzennahrung liefert ausschließlich die anorganische Natur. Der Kohlenstoff der Pflanzen stammt aus der Atmosphäre. Der Humus ist keine direkte Pflanzennahrung, sondern nur eine andauernde Quelle von Kohlensäure, wie derselbe auch indirekt zur Löslichmachung der im Boden vorhandenen mineralischen Nährstoffe wesentlich beiträgt; die zu seiner Bildung notwendige Zersetzung organischer Reste, sowie die Atmosphäre versehen die Gewächse mit dem unentbehrlichen Stickstoff, wenn diese Menge auch nicht ausreicht, die höchsten Erträge dem Boden abzugewinnen. Die völlige Entwickelung der Pflanzen ist abhängig vom Vorhandensein bestimmter Mineralien. Die für die Pflanze notwendigen Nahrungsstoffe sind gleichwertig; wenn einer davon fehlt oder in ungenügender Menge vorhanden ist, so kann sie nicht gedeihen. Wenn der Boden seine Fruchtbarkeit dauernd bewahren soll, so müssen ihm die entzogenen Bodenbestandteile wieder ersetzt, d. h. die ursprüngliche, seine Fruchtbarkeit bedingende Zusammensetzung des Bodens muß wiederhergestellt werden. Alle Pflanzen bedürfen dieselben mineralischen Nahrungsmittel, aber in ungleichen Mengen oder in ungleichen Zeiten. Die zur vollständigen Entwickelung einer Pflanze nötigen Nahrungsstoffe müssen in einer ge-Stofe Zeit zusammenwirken. Es sind alle die toffe als D. zu bezeichnen, welche, wenn sie auf das Feld gebracht werden, die Hervorbringung von Pflanzenmasse bewirken und die Erträge erhöhen. Die Dungmittel wirken teils direkt als Nahrungsmittel, teils dadurch, daß sie, wie Kohlensäure, Kochsalz, die Lösung der im Boden vorhandenen Nährstoffe fördern, die Wirkung der mechan. Bearbeitung verstärken und demgemäß einen günstigen Einfluß auf Vermehrung der löslichen Nährstoffe ausüben. In einem fruchtbaren Boden steht die mechan. Bearbeitung und Düngung in einer bestimmten Beziehung zueinander; beide ergänzen sich in gewissem Sinne. Man unterscheidet im landwirtschaftlichen Betrieb natürliche und künstliche D. Die Grenze wischen beiden ist schwer zu ziehen, gewöhnlich versteht man unter erstern die in der Wirtschaft selbst zem Weir oder erzeugbaren, unter letztern die nicht dem Betrieb entstammenden, von außen bezogenen, käuflichen Düngmittel. Besser werden die letztern konzentrierte D. oder auch Beidünger, die erstern Hauptdünger genannt. Ebenso unterscheidet man: feste und flüssige, mineralische und organische D., unter letztern wieder zwischen pflanzlichen, tierischen und gemischten D. Zu den letztern gehört der aus den Erkreten der Haustiere und vegetabilischen Auffangmitteln (Einstreu) gebildete Stallmist, der als der Normaldünger gilt, weil er sämtliche Nährstoffe enthält und den Pflanzen in einer für ihre Assimilation höchst geeigneten Form darbietet. Heiden unterscheidet in seiner Düngerlehrer folgende Arten von D.: A. Absolute Düngemittel. J. Die Erkremente der Haussäugetiere: 1) Pferdemist, 2) Rindviehmist, 3) Schweinemist, 4) Schafmist, 5) Jauche. II. Die menschlichen Erkremente. III. Der Kompost (Kadaver, Knochen, Blut, Maikäfer, Würmer). B. Hauptsächlich direkt wirkende Düngemittel. IV. Die Erkremente der Vögel: 1) Guano, 2) Fischguano, 3) Exkremente des Hausgeflügels. V. Die phosphorsäurereichen Düngstoffe: 1) Apatite, 2) Koprolithen und Osteolithen, 3) Guano, 4) Knochen. VI. Die stickstoffreichen