FeedDuveyrier (Henri)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Duveyrier (Henri), einer der verdientesten Afrikareisenden neuerer Zeit, geb. 28. Febr. 1840 zu Paris, genoß den ersten Unterricht in Privatinstituten zu Vaugirard und Auteuil und kam dann zur weitern Ausbildung nach Deutschland, zuerst nach Lautrach in Bayern und später auf die Handelsschule nach Leipzig, wo er von Prof. Fleischer im Arabischen unterrichtet wurde. Er hatte schon damals den festen Entschluß gefaßt, wissenschaftliche Reisen in Afrika zu unternehmen, und konzentrierte seine Studien in dieser Richtung. Er setzte sich daher mit der Perthesschen Anstalt zu Gotha in Verbindung und genoß eine Zeit lang den Umgang von Heinr. Barkh in London, welcher damals sein roßes Reisewerk ausarbeitete. Nach Paris zurückgekehrt, widmete er sich eifrig dem Studium der Mineralogie, Botanik und Zoologie und setzte das Studium des Arabischen unter Perron, Reinaud und Caussin de Perceval fort. Eine Versuchsreise machte er im März und April 1857 nach Laghuat in der algerischen Sahara, als deren Frucht er Motizen über die vier berber. Völkerschafteno mit Vokabularien in der (Zeitschrift der Deutschen morgenländ. Gesellschafto (1858) veröffentlichte. Zwei Jahre darauf, 8. Mai 1859, begann er seine große Forschungsreise in die Sahara, die sich dann mit Hilfe der franz. Regierung bis zum Okt. 1861 ausdehnte. Die algerische Sahara südlich bis El-Goléa und Wargla, das südl. Tunesien mit dem Schott-el-Dscherid, Tripolitanien und Fessan mit Ghadames, Dschebel Nefüssa und Mursuk, endlich das Gebiet der Tuareg-Asdscher mit Ghat bildeten den Schauplatz seiner Thätigkeit, und 9790 Verknüpfung seiner eigenen vielseitigen Beobachtungen mit den Arbeiten früherer Reisenden und zahlreichen, bei den Eingeborenen eingezogenen Erkundigungen gelang es ihm, in Text und Karte eine zusammenhängende Darstellung der Centralsahara zu geben. Obwohl D. seinen christl. Glauben nicht verleugnete, ernannte ihn Sidi Mohammed el Aid zum Mitglied seines Ordens. In großer Gunst stand er auch beim Tuaregfürsten Ichenuchen. So war es ihm möglich, das innere und äußere Leben der mohammed. Bewohner der Sahara genau zu studieren und den Vertrag von Ghadames zwischen der at. Regierung und dem jung aufgetretenen Macht⸗ und Ordnungselement unter den nördl. Tuareg vorzubereiten; auch veranlaßte er einen Tuareghäuptking Scheich Othman ben el Hadi-el-Bekri, zu einem Besuche in Paris. Auf der Rückreise erkrankte D. in Algier sehr schwer und brauchte mehrere Jahre zu seiner Erholung. Dadurch verzögerte sich die Herausgabe seiner Reiseberichte, doch kamen namentlich seine wertvollen Karten schon früh zur Publikation. D.s Arbeiten sind großenteils in Zeitschriften, wie in dem „Bulletino der pariser Geographischen Gesellschaft, den Annales des voyagesv, «Petermanns Mitteilungeno, der Revue algérienne et colonialen u. s. w., enthalten. Sein eigentliches Hauptwerk ist die ExXploration du Sabara (Bd. 1: (Les Tuareg du Nordo, mit Karte, Par. 1864), das wahre Muster eines Reisewerks. In der Ausarbeitung des zweiten Bandes seiner Exploration du Saharap, welcher die kommerziellen Verhältnisse behandeln wird, und in den Vorhereitungen zu einem Werke, worin er seine Studien über den Einfluß der verschiedenen mohammed. Sekten und Brüderschaften auf die Moral des Volks niederlegen will, unterbrach ihn der Deutsch⸗-Französische Krieg. Später hat D. in der Algérie francaisen (April 1871) Betrachtungen über den gegenwärtigen Aufstand der Eingeborenen in Algier und im (Bulletino der pariser Geographischen Gesellschaft eine Reihe wertvoller Aufsätze über neueste a rik. dam er aufe veröffentlicht. In dem Kriege von 1870 am er auf einige Zeit als Gefangener auf die Feder Neisse. Er ist Herausgeber der Jahresberich er Société géographiquen, in Verbindung mit Maunoir der «Année géographiquey und Mitredacteur des Dictionnaire de géographie uni-

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 682Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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