FeedEböli (Anna de Mendoza, Fürstin von)
GeschichteBrockhaus 1882

Eböli (Anna de Mendoza, Fürstin von), war die Tochter des Vizekönigs von Peru, Don Diego Hurtado de Mendoza, und als dessen einzige Erbin Herzogin von Francavilla und Fürstin von Melito. Im Juni 1540 geboren, hatte sie sich 1559 mit dem bereits in höherm Alter stehenden Rui Gomez de Sylva vermählt, der als Günstling König Philipps II. vonSpanien zum Fürsten von E. im Neapolitanischen erhoben worden war. Die junge Fürstin, schön, wiewohl einäugig, voll Sucht nach Genuß und Herrschaft, spielte am Hofe eine einflußreiche Rolle und war ohne Zweifel der Mittelpunkt vieler Intriguen. Gewiß ist, daß Don Carlos sie haßte und verachtete, daß Don Juan dAustria, der natürliche Sohn Karls V., nicht zu ihr, sondern zu Maria endoza in einem Liebesverhältnis stand, und daß sie selbst gleichzeitig zu dem Könige und ohne dessen Wissen zu dem Staatssekretär ntonio Perez in intimen Beziehungen stand. Mignet (Ant. Perez et Philippe IIv, Par. 1845) hat es on W. Hrana⸗ gemacht, daß der nachherige Herzog von Pastrana ein Sohn Philipps II. von der C. war. Der Tod der Königin Elisabeth steigerte ihren Einfluß. Nach dem Tode Past Gemahls 1573 zog sie sich auf einige Zeit nach astrana zurück, kam aber auf Verlangen hilipps II. wieder an den Hof. Eine polit. Intrigue führte endlich 1579 ihren Sturz herbei. Als Don Juan von den Niederlanden aus seinen Geheimsekretär Escovedo an den Hof sendete, um seine ehrgeizigen Pläne zu verfolgen, und hier Perez den Absichten Escovedos entgegentrat, verriet dieser dem Könige das Verhältnis des Perez mit der C. Philipp beschloß, sich ihrer aller zu entledigen. Er ließ den ihm politisch verdächtigen Escovedo durch den wegen Verrats besorgten Perez 31. März 1578 töten und die Verwandten des erstern dann Klage gegen den letztern als Mörder erheben. Perez entzog sich der Verfolgung durch die Flucht; die Fürstin aber, die ihn zu dem Morde aus Stolz und Furcht angetrieben und in den Prozeß verwickelt ward, wurde auf das Schloß Pinto verbannt und durfte erst 1581 ihren Palast Pastrana beziehen. Hier starb sie 2. Febr. 1592. Die idealisierte Glut der Leidenschaft und die tragische Reue, womit Schiller im Don Carlosy die C. ausstattet, ist nur in der Dichtung gerechtfertigt. Vgl. Lauser, «Die histor. Fürstin E.» (in „Unsere Zeito, Lpz. 1879, II).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 714Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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