FeedIsabella L. von Castilien
GeschichteBrockhaus 1882

Isabella L. von Castilien, Tochter Johanns II. von Castilien-Leon, geb. 22. April 1451, bestieg, nachdem sie 1469 den Thronerben von Aragonien Ferdinand (s. d.) den Katholischen geheiratet hatte, 1474 den durch den Tod ihres Stiefbruders Heinrich IV. erledigten Thron Castiliens. Schon ihre Heirat war ein Akt der Feindschaft gegen ihren Bruder und die ihn beherrschende Partei gewesen, welche, auf Portugal gestützt, die Tochter des Königs, Johanna, als die Thronerbin durchsetzen und J. nach Portugal hin hatte vermählen wollen: der Tod Heinrichs brach gabe. oah Einfluß völlig, sie ward unter der Angabe, daß ihre Mutter, eine portug. Prinzessin, sie im Chebruch mit Beltran de la Cueva (daher Juana ausgechto genannt) geboren habe, vom Throne ausgesch ossen, und J. erhielt mit Ferdinand die Herrschaft in Castilien, nach dem Tode von dessen Vater (1476) auch in Aragonien. Die Bedeutung dieser Doppelregierung liegt in der Vereinigung der hispanischen ein di zu einem nationalen, dem span. Großstaate, ein Ziel, dem die innere und äußere Politik des eng verbündeten Herrscherpaars gleichmäßig zustrebte. Nach außen durch den Krieg gegen Portugal, das für Juana Beltraneja eintrat, und die nach zehnjährigem Kampfe erfolgte Eroberung Granadas (1492); nach innen durch die Zusammenfassung der feudalen Institutionen in der starken Hand der Monarchie: Organisierung der städtischen Hermandad, Verbindung der großen Ritterorden mit der Krone, Schöpfung des religiös-polit. Instituts der Inquisition zur Vernichtung der Mauren, Juden und aller politischen wie kirchlichen Widersacher, Einfluß auf die Kirche besonders durch das Besetzungsrecht der Bischofsstühle. Die geeinte Macht brach sich auswärts Bahn, besonders durch die Eroberung Neapels (1501—3), und von unermeßlichen Folgen wurden die Entdeckungsfahrten des Columbus. Nicht lange nach der Gewinnung Neapels starb J. zu Meding del Campo, 26. Nov. 1504. Ihr Denkmal zu Madrid wurde 30. Nov. 1883 enthüllt. Vgl. Prescott, «Geschichte Ferdinands und J.so (deutsch, 2 Bde., Lpz. 1843); Nervo, XI. Ia Catholique, reine d'Espagne, sa vie, son temps, son règne 1451 — 1504 (Par. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 677Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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