Edda, d. h. Urgroßmutter, ist der Name zweier verschiedener Werke der altnordischen Litteratur, der ältern oder poetischen oder Seemunds Edda und der jüngern oder prosaischen oder Snorres Edda; nur die letztere führt diesen Namen im Altertum, während die erstere ihn erst im 17. Jahrh. durch isländ. Gelehrte erhielt. Die ältere Edda, als deren Verfasser oder Sammler man den alten Soemund Sigfusson (gest. 1133) betrachtete, ist eine Sammlung von einigen 30 Liedern, deren Inhalt teils der nordischen Mythologie, teils der deutschen und nordischen Heldensage angehört (wie sie denn unter anderm die mythische Vorgeschichte unsers Nibelungenliedes enthalten). Sie gehören, einige wenigstens, zu den ältesten Erzeugnissen german. Dichtung, so namentlich die Völu-spä (Der Seherin Weissagungo) von der Entstehung der Welt und ihrem Untergange, ferner r die Havä-mäl («Sprüche des Hoheno, d. i. Odins), eine Sammlung ältester Denksprüche, u. a., alle im Stabreim und in strophischer Form nn doch Zeit und Ort der Entstehung sind verschieden, doch kaum eins — in der uns vorliegenden Gestalt — vor dem 9. Jahrh. und keins außerhalb des norweg.⸗isländ. Sprachgebiets verfaßt. Diese Liedersammlung, etwa in der Mitte des 13. Jahrh. zu Stande gekommen, ist uns wesentlich nur in einer, überdies lückenhaften Handschrift vom Ende dieses Jahrhunderts (dem Codex regius auf der königl. Bibliothek zu Kopenhagen) erhalten; neuere Ausgaben sind die kritischen von Sophus Bugge (1867) und Hildebrand (1876), die erklärenden von Lüning (1859) und Bergmann (1871 — 79), eine deutsche Übersetzung von Simrock (1851; 8. Aufl. 1882). Die jüngere oder Snorra-Edda oder Edday schlechtweg ist ein Lehrbuch für junge Skalden, die daraus teils die poetischen Ausdrücke, namentlich die Umschreibungen (Kenningar), teils die verschiedenen Versarten lernen sollen. Da jene Umschreibungen, die ja den wesentlichsten Teil der skaldischen Dichtung bilden, vielfach der nordischen Mythologie (und Heldensage) entnommen sind, beginnt diese CE. mit zwei Darstellungen der nordischen Mythologie, der Gylfaginning (König Gylfes Täuschungo) und den Bragarœdur (4Reden des Dichtergottes Brage v), beide in dialogischer Form; es folgt Skäldskaparmäl (4Sprache der Dichtkunst o), eine nach sachlichen Gesichtspunkten geordnete Aufzählung der Umschreibungen und poetischen Ausdrücke, reich an Beispielen und Belegen aus den klassischen Skalden des 9. bis 12. Jahrh.; den Schluß bildet ein enkomiastisches Gedicht Snorre Sturlusons (s. d.) auf zwei norweg. Fürsten, das Hättatal («Aufzählung der Versarteno), welches in 102 Strophen von je einer besondern Versart verfaßt und mit einem metrischen Kommentar begleitet ist Ausg. von Th. Möbius, 2 Hefte, Halle 1879—81). Wie weit sich der Anteil Snorres — jenes Gedichtausgenommen — an der Abfassung der E. erstreckt, ist unsicher. Sicher aus späterer Zeit und nicht von Snorre ist jene (durch Schlözers Kritik bekannte) euhemeristische Einleitungo zur E. und die beiden Nachwortev. — In einer der Handschriften dieser E.,, dem Codex Wormianus, finden sich vier kleine Schriften, zwei über das isländ. Alphabet und zwei avon den Redefigureno, wesentlich zwar auf Grund lat. Grammatiker, doch wertvoll durch die mancherlei aus isländ. Skalden aufgenommenen Beispiele; sie gelten in der Regel als Bestandteile der E. — Eine Gesamtausgabe der E. mit kritischem Apparat und lat. übersetzung liegt vor in der noch unvollendeten Arna-Magnaanischen (Bd. IIII, 1, Kopenh. 1848—81); die Litteratur beider Edden in Th. Möbius' Cataloguso (1856) und Verzeichnis» (1880).