FeedEdomiter
GeschichteBrockhaus 1882

Edomiter ist der Name eines in der israel. Volkssage von Esau, dem Bruder Jakobs, abgeleiteten, weil den Israeliten nahe verwandten, aber durch Nationalhaß entfremdeten semit. Volksstamms, welcher, ursprünglich wohl aus dem südl. Arabien (Jemen, wo ein Volks⸗, vielleicht auch Gottesname Adhüm nachgewiesen ist) gekommen, auf dem waldigen und klüftereichen Gebirge Seir, östlich und westlich von der langen Einsenkung (Wadi el-Araba) im Süden des Toten Meeres sch festsetzte und bis zum Alanitischen Meerbusen sich ausdehnte, die dortigen Horiter, d. i. Höhlenbewohner, verdrängend oder vielmehr sich mit ihnen vermischend. Die Hauptbeschäftigungen des wilden und kriegerischen Volks waren Naßd⸗ Viehzucht, Acker⸗, auch Weinbau und Handel. Seine Re igion war Polytheismus, wahrscheinlich arab. Gestirndienst; wenigstens scheint die von Josephus (Altertümervo, XV., 9, 7) erwähnte Gottheit der Idumäer, Kozé, identisch zu sein mit Jozah, dem vorislamischen Gewitterdämon der Araber, der, ein bewaffneter Krieger, vom Himmel her seine Pfeile (die Blitze) gegen die Erde entsendet und nach beendigtem Kampfe (Gewitter) seinen Bogen (den Regenbogen) am Himmelszelte als Friedensurch festen Zusammenschluß ihrer 12 Stämme waren die E. schon zur 5 Moses lange vor dem Volke Israel zu polit. Selbständigkeit und Macht gelangt und hatten eine Reihe von Wahlkönigen aus verschiedenen Geschlechtern; doch wurden sie später durch David auf fast zwei Derbatnisen dem israel. Reiche unterthan: polit. Verhältnisse zweier Brudervölker, die sich in der israel. Patriarchensage über die Zwillingsbrüder Esau-Edom und Jakob-Israel widerspiegeln. Spätere Erfolge der Könige von Juda und von Syrien über die E. waren ohne Dauer; wohl aber mußten diese sich bald den Assyrern und mit Juda dem Nebukadnezar unterwerfen, unterstützten auch voll Schadenfreude diesen Chaldäerkönig bei der Eroberung und Zerstörung Jerusalems (588 v. Chr.) und nahmen während des babylonischen Exils der Judäer die südl. Teile des Landes Juda ein, wo sie noch zur Zeit der Makkabäer und später saßen, von dem jüd. Fürsten und Hohepriester Johannes Hyrkanus besiegt, zur Beschneidung gezwungen, dem jüd. Staate einverleibt und unter Präfekten gestellt wurden (um 126 v. Chr.). Einer dieser Präfekten, der kluge Idumäer Antipater wußte sich von Julius Cäsar die Prokuratur über ganz Judäa (47 v. Chr.) und seinen Nachkommen, den Herodäern (s. Herodes), die Herrschaft über Juden und C. zu verschaffen. Schon in den letzten vorchristl. Jahrhunderten hatten das südl. Palästina und die südlich angrenzenden Gegenden die Bezeichnung Edom, Idumäa (s. d.) erhalten, an deren Stelle seit 70 n. Chr. bei griech. und röm. Schriftstellern Arabia Petraea für das Mutterland trat, wo bereits um 300 v. Chr. die arab. Nabathäer Volk und Namen der E. verdrängt hatten. Zuletzt, 105 n. Chr., wurde das Land dem eiche einverleibt. Den verhaßten Namen Edomyv legten die Juden den Römern, später den Christen bei.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 763Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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