FeedEger
VerkehrBrockhaus 1882

Eger, Stadt im Königreich Böhmen, an der Eger und dem Fuße des Fichtelgebirges, zählt (1880) 11781, mit den Vorstädten 17148 E. und ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, einer Handels⸗ und Gewerbekammer, einer Finanzbezirksdirektion, eines Hauptzollamts, eines Kreis⸗ und eines Bezirksgerichts. Außer dem Obergymnasium bestehen in der Stadt noch eine deutsche Lehrerbildungsanstalt, zwei Bürger⸗ und zwei + die in dem neuen Centralschulhaus Rudolphinump untergebracht sind. Unter den Erzeugnissen der städtischen Cewerde stehen die Webe⸗ und Wirkwaren obenan. ewerbe und Handel haben sich in jüngster Zeit sehr ehoben, besonders seitdem E. der Knotenpunkt für sechs Eisenbahnen geworden: die Bayrische Staatsbahn von Weiden nach E., die Bayrische Staatsbahn von Hof nach E., die Sächsische Staatsbahn Reichenbach⸗-E., die Buschtiehrader Bahn Prag-E., die Franz-Joseph-Bahn Wien-E. und die Bayrische Fichtelgebirgsbahn Wunsiedel-E. E. hat seit dem Brande von 1809 nur noch vier Kirchen, unter denen sich die Dekanatskirche (1111 — 1272 erbaut, 1863 renoviert und 1865 wieder mit einem zweiten Turm versehen) zum heil. Nikolaus durch Größe und Pracht auszeichnet, ein Dominikaner⸗ und Hreuchertenordens eine Kommende des ritterlichen Kreuzherrenordens mit dem roten Sterne, eine evang. Kirche und einen israel. Tempel, sowie ein Versorgungshaus für arme Bürger (Bruderhaus) und andere Wohlthätigkeitsanstalten. Die Festungswerke wurden 1808 geschleift. Im Stadthause (früher Kommandantenhaus genannt) wurde am 25. Febr. 1634 Wallenstein ermordet, in der alten Burg (ietzt fast ganz Ruine mit einer architektonisch merkwürdigen Doppelkapelle) am Abend vorher die kaiserl. Generale Illo, Terzky, Kinsky und Neumann. (Vgl. Grueber, «Die Kaiserburg zu E.v, Prag 1864.) Im stattlichen, 1711 erbauten Rathause erinnern mehrere Gemälde an jene Ereignisse. Im Stadthause befindet sich jetzt das w1872 gegründete städtische Museum mit einer reichen Sammlung von Erinnerungen an Wallenstein und Altertümern aus E. und Umgegend. Die Stadt war früher Sitz der Markgrafen von E. und kam dann an Kaiser Friedrich I., der sie 1179 zur Reichsstadt machte. Nach dem Untergang der Hohenstaufen nahm sie Ottokar II. von Böhmen in Besitz, doch kam sie unter Rudolf von Habsburg wieder an das ig Jahann Seit Ludwig der Bayer sie 1315 an König Johann von Böhmen verpfändet hatte, blieb sie bei Böhmen. In den Hussitenkriegen hatten Stadt und Umgegend viel zu leiden, ebenso wie 1631 durch die Schweden und 1742 und 1745 durch die Franzosen, welche beide sie eroberten. Eist die Hauptstadt des Egerbezirks, dessen 35000 Bewohner, Egerländer genannt, sich durch Lebensweise, Sprache, Sitten und Trachten von ihren Nachbarn unterscheiden. Der Bezirk war früher ein unmittelbarer Teil des Deutschen Reichs, wurde aber später nach langen Streitigkeiten über den Besitz desselben zwischen Bayern und Böhmen lich immer mit letzterm amenahaf Nur 5 km nördli der Stadt C. liegt Franzensbad (s. d.). Vgl. Drivok, „Altere Geschichte der deutschen Reichsstadt E. und des Reichsgebietes Egerlando (Lpz. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 772Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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