FeedEhrfurcht
GeschichteBrockhaus 1882

Ehrfurcht, der höchste Grad der Ehrerbietung, ist das Gefühl der Hingabe an das, was man größer empfindet als sich selbst, sei es eine Person oder eine geistige Macht, welche über den Personen steht, wie Vaterland, Wissenschaft, Kirche, Staat, Menschheit, Gottheit. Das Kind empfindet E. gegen die Eltern als die Personen, welche für sein Heil sorgen und denen es sich daher zur Führung und Leitung ganz zu überlassen hat als seinen Schutzmächten, welche ihm in jeder Hinsicht das ersetzen, was ihm an eigener Kraft noch abgeht und es erst durch ihren Beistand gewinnen soll. Andere Fälle, wo einzelne Personen, und zwar ohne notwendigerweise an geistiger Macht die übrigen zu überragen, dennoch deren C. in Anspruch nehmen, sind die, wo diese Personen als Träger und Repräsentanten ehrfurchterweckender Ideen erscheinen. In solchen Fällen bezeichnet man das Ehrfurchterweckende als erhaben, groß oder majestätisch, wie man z. B. den Regenten der Staaten Majestät zuschreibt als den Repräsentanten der im Staate sich vollziehenden Gerechtigkeit. Die tiefste und vollkommenste E. ist die sich auf die höchste und lebendigste Macht in und über allen Personen beziehende religiöse E. Bei ihr ist der Gegenstand der höchste, die Hingabe die vollkommenste.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 795Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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