FeedBilderreime
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Bilderreime nennt man gereimte Gedichte, bei welchen die Worte in den einzelnen Zeilen oder Versen so abgemessen und gewählt sind, daß dadurch in Druck oder Schrift irgendein Bild (Altar, Säule, Pyramide, sogar Wappenfiguren u. s. w.) entsteht, und die Poesie also im eigentlichen Sinne dem Auge dienen muß. Zur Poe des gesunkenen Geschmacks in der deutschen Poesie wurde diese Spielerei namentlich gern bei Gelegenheitsgedi ten angewendet. Übrigens enthält schon die griech. Anthologie mehrere derartige Produkte aus der Zeit des Verfalls der griech. Poesie, durch welche *. B. eine Hirtenpfeife, ein Beil, eine Mit den d. Flügel des Amor vorgestellt werden. it den B. ist nicht das sog. Bildergedicht zu verwechseln, welches man erhält, indem man diejenigen Wörter und Silben eines Gedichts, welche ein Bild vorstellen oder bei denen man ein solches denken kann, auch bildlich darstellt, die übrigen Buchstaben aber davor⸗ und danebensetzt. Der sog., in neuerer Rait wieder aufgekommene Rebus (s. d.) ist eine achahmung davon, unterscheidet sich aber von dem Bildergedicht vorzugsweise dadurch, daß er gewöhnlich in Prosa He ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 3, S. 46Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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