Elzevier oder Elsevir, lat. Elzevirius, eine hervorragende Buchhändler⸗ und Buchdruckerfamilie, welche vorzüglich zu Leiden und zu Amsterdam von 1592 bis 1681 eine Menge schöner Ausgaben besorgte. Ludwig CE., um 1540 zu Löwen geboren, war Buchbinder und arbeitete in Antwerpen, wahrscheinlich bei Plantin, als Albas Ankunft in den Niederlanden die meisten Protestanten zur Flucht ins Ausland veranlaßte. Mit Plantin ging C. nach Wesel, kehrte dann nach Douai zurück und ließ sich schließlich 1580 in Leiden nieder, wo er 1586 die Stelle eines Universitätspedells erhielt und 1594 das Bürgerrecht erwarb. Mit seiner Buchbinderei verband E. den Buchhandel, anfangs mit wenig Glück, denn im J. 1583 mußte er vor Gericht erklären, dem Plantin 1270 Fl. schuldig zu sein, wofür er ihm seine beiden Häuser verpfändete. Das in diesem Jahre erschienene Werk „Drusii Ebraicarum quaestionum ac responsionum libri duo nennt ihn zwar als Verleger, doch besorgte er nur den Verkauf dieses auf Kosten des Verfassers gedruckten Werks. Sein erster Verlagsartikel ist der 1592 von P. Merula herausgegebene „Eutropv. Von jetzt an war ihm das Glück günstig, und bis zu seinem am 4. Febr. 1617 erfolgten Tode verlegte er noch hundert Werke. Im S. 1595 verwendete er zum ersten mal die Insignie: ein Adler auf einer Säule, in den Klauen ein Bündel mit sieben Pfeilen haltend und mit der Umschrift: Concordia res parvae crescunt (die Devise der holländ. Republik). Von dieser Zeit an besuchte er regelmäßig die frankfurter Messe, wo er nicht bloß seine eigenen Verlagswerke, sondern auch die Bücher anderer Verleger feilbot und dadurch den wissenschaftlichen Verkehr zwischen Holland und Deutschland vermittelte; auch mit Paris unterhielt er regelmäßige Verbindungen. Von seinen sieben Söhnen wendeten sich fünf dem Buchhändlergewerbe zu: 1) Matthias, geb. 1564, der das väterliche Geschäft fortführte und ebenfalls Pedell der Universität wurde; er trat sein Geschäft 1622 an seinen Sohn Abraham ab und starb 1640. 2) Ludwig II., geb. 1566, errichtete 1590 eine Buchhandlung im Haag und starb dort 1621; sein Geschäft wurde von seinem Bruder Bonaventura übernommen und in eine Filiale des leidener Geschäfts verwandelt. 3) Agidius, welcher seinen Bruder Ludwig unterstützt zu haben scheint, denn er erscheint 1598 — 99 als Leiter der Buchhandlung im Haag und starb 1651. 4) Jodocus (Joost) wurde Bürger und Universitätsbuchhändler in Utrecht, wo er 1617 starb; von seinen vier Kindern wurde das älteste, Ludwig III., der Gründer des amsterdamer Hauses; ein Enkel von ihm, Peter, trieb kurze Zeit die Buchhandlung in Utrecht bis 1675. 5) Bonaventura, geb. 1583, übernahm mit Matthias das väterliche Geschäft und führte es, als Matthias zurücktrat, mit dessen Sohne Abraham, geb. 4. April 1592, fort. Die Buchdruckerei, welche den Ruhm der Familie E. wesentlich erhöhte, wurde von Matthias'“ zweitem Sohne Isaak (geb. 11. März 1596) gefelbnanigen durch seine Verheiratung zu einem elbständigen Vermögen gekommen war; er erhielt 1620 die Stelle eines akademischen Buchdruckers in Leiden, welche bis 1712 bei seiner Familie verblieb, und erwarb 1624 die orient. Typen des an der Pest gestorbenen Professors Thomas van Erpen (Erpenius), zu denen der berühmte Saulecque die Stempel geliefert hatte; auch die Antiqua⸗ und Kursivschriften der leidener Druckerei sollen von diesem franz. Stempelschneider herrühren. Das Druckzeichen Isaaks war die Ulme, die von einem Rebstocke voll Trauben umschlungen wird und neben welcher ein Einsiedler steht; die Devise lautet: Non solus; ein anderes von ihm angewandtes Druckzeichen, ein Palmbaum mit der Umschrift: Assurgo pressa, war die Insignie des Erpenius. Im F. 1625 verkaufte er seine Druckerei an Bonaventura und Abraham für 9000 Fl. und trat in den Marinedienst. Er starb 8. Okt. 1651. Im Besitze dieser Druckerei, begannen Bonaventura und Abraham E. ihre berühmten Musterausgaben: im J. 1625 die Sammlung der kleinen 4Republiken o5, 1629 die Duodezausgabe der lat. Klassiker, 1641 die Ausgabe der modernen Schriftsteller. Die Handlichkeit und Billigkeit dieser Duodezausgaben, von denen ein Band mit etwa 500 Seiten für einen Gulden geliefert wurde, fand mit Ausnahme weniger Gelehrtenkreise, welche die Wissenschaft nur in Folianten würdig vertreten glaubte, allgemeinen Beifall, zumal der feine Schnitt der Lettern, der gleichmäßige reine Druck und das schöne Papier seinesgleichen nicht hatte; doch gingen auch Werke in größerm Format aus der leidener Offizin hervor; die schönsten Erzeugnisse derselben sind die Ausgaben des Livius, Tacitus, Plinius, Cäsar (1634—36). Die Leitung der Buchdruckerei lag besonders in den Händen Abrahams, während Bonaventura die Buchhandlung leitete, die mit vielen auswärtigen Städten in Verbindung stand und selbst in Kopenhagen eine Filiale besaß; als ihr litterarischer Beirat fungierte der Gelehrte Daniel Heinsius, der auch die lat. Einleitungen und Dedikationen ihrer Werke schrieb. Bonaventura und Abraham starben kurz nacheinander, ersterer 17. Sept., letzterer 14. Aug. 1652. Ihre Nachfolger wurden Johann E. (geb. 22. Febr. 1622), Abrahams Sohn, der schon fünf Jahre in dem Geschäft gewirkt hatte, und Daniel (geb. im Aug. 1626), Bonaventuras Sohn, welche die Buchdruckerei und die Buchhandlung in gleicher Blüte erhielten. Ihre schönsten Werke sind die Imitationo ohne Datum und der Pfalterd von 1653. Im J. 1654 trat Daniel aus und übersiedelte nach Amsterdam; Johann führte das Geschäft bis zu seinem Tode 8. Juni 1661 allein fort, wo dasselbe seine Witwe Eva, geborene van Alphen, bernahm. Auch unter ihrer Leitung, welche bis zu ihrem Tode 1681 währte, blieb der künstlerische Geist waltend, und der 1675 erschienene „St.⸗Augustin» ist ein Meisterwerk, welches den obenerwähnten würdig an die Seite gestellt werden kann. Dieser künstlerische Ehrgeiz belebte aber nicht ihren Sohn Abraham, geb. 5. April 1653. Dieser war Schöffe der Stadt und vernachlässigte die Druckerei, welche so herabkam, daß sie nach seinem am 30. Juli 1712 erfolgten Tode um den geringen Preis von 2000 Fl. verkauft wurde. Das amsterdamer Geschäft wurde durch Lu dwig III., ältesten Sohn des Joost, gegründet. Derselbe war 1604 in Utrecht geboren, kam nach seines Vaters Tode zu seinen Verwandten nach Leiden, wo er studierte und sich sowohl im Buchhandel wie in der Typographie praktische Kenntnisse erwarb. Nachdem er für das leidener Haus viele Geschäftsreisen unternommen hatte, ließ er sich 1638 in Amsterdam nieder, wo er eine eigene Buchhandlung und Buchdruckerei errichtete. Während die leidener Buchhandlung bei ihrem Verlage stets genötigt war, Rücksicht auf die leipziger Orthodoxen zu nehmen, hatte Ludwig in der Wahl seiner Verlagswerke vollkommene Freiheit; er trat mit dem berühmten Hugo Grotius in Verbindung, druckte seit 1642 alle Werke des Cartesius und verlegte sowohl Schriften der Katholiken wie der Protestanten. Im J. 1655 vereinigte sich mit ihm der erwähnte Daniel, Bonaventuras Sohn, der zugleich eine Menge leidener Verlagsartikel mit in das Geschäft brachte. Seit dieser Zeit erschienen auch in Amsterdam die Duodezausgaben, welche bis dahin als ein Monopol des leidener Hauses gegolten hatten. In Beziehung auf typoraphische Ausstattung wetteiferte die amsterdamer Buchdruckerei, welche die trefflichen, von Christoph van Dyk geschnittenen Schriften besaß, mit der leidener. Ihre Meisterwerke sind: das 4Corpus juriso in Folio (1663) und die franz. Bibel (1669). Das Druckzeichen war eine Minerva mit der Agide, dem Olzweige und der Eule und die Devise: Ne extra oleas. Ludwig zog sich 1664 auf sein Landgut zurück, doch nahm er noch an der Herausgabe der 1669 er Bibel Anteil; er starb 1670 zu Leiden infolge eines Beinbruchs. Daniel war der letzte E., welchen der typographische Ehrgeiz des Hauses beseelte, er war bereits genötigt, fremde Kräfte zur Leitung des Geschäfts zu berufen. Die Leitung der Buchhandlung übergab er Zetter; mit Unterstützung des später berühmt gewordenen Heinrich Wetstein, der sich in seinem Geschäft ausgebildet hatte, gab er 1674 einen großen Lagerkatalog heraus, der über 20000 Werke enthielt. Daniel starb 13. Okt. 1680, das Geschäft wurde noch ein Jahr lang von seiner Witwe Anna, geborenen Beerninck, bis zu ihrem Tode 1681 fort-Leil de⸗ worauf es verkauft wurde. Ein großer eil des Geschäfts gelangte an den Drucker und Buchhändler Adrian Moetjens im Haag, die Schriftgießerei kaufte Joseph Athyas. Die Liquidation des on Morf ergab eine Summe von einer Viertelmillion Mark. Die Zahl der E.schen Verlagswerke beläuft sich auf 2000; 21 Kataloge enthalten die Verzeichnisse derselben. Die Drucke von E. sind vielfach Gegenstand des Sammeleifers geworden, und die seltenen, wie z. B. der (Pätissier françaisp (Amsterd. 1655) und Ausgaben der franz. Dichter (Moliere, Corneille u. s. w.), werden mit enormen Preisen bezahlt. Vgl. (Bérard.) &Essai bibliographique sur les éditions des Elzevirs o (Par. 1822); de Reume, «Recherches historiques, généalogiques et bibliographiques sur les Elzéviero (Brüss. 1847); Pieter, Annales de 'imprimerie Elsévirenney (2. Aufl., Gent 1858); Minzloff, «Les Elzeviro (Petersb. 1862); Willems, (Les Eizevirs, histoire et annales typographiquesv (Brüss. 1880).