FeedEnglischer Schweiß
HeilkundeBrockhaus 1882

Englischer Schweiß, Schweißfieber (febris miliaris), wurde eine ansteckende Krankheit genannt, die 1486 in England nach der Schlacht von Bosworth ausbrach, neben andern bösartigen Symptomen 1 Abspannung und Beklemmung, Schüttelfrost und Zittern, Herzklopfen, rheumatischen Nackenschmerzen u. s. w.) mit einem starken, die Kräfte raubenden Schweiße begann und rasch in rasende Fieberdelirien oder tiese Schlafsucht überging, aus der ein großer Teil der Kranken nicht wieder erwachte. Die Krankheit entschied sich meist in einem bis zwei Tagen, ergriff hauptsächlich junge, starke Individuen und raffte eine große Zahl Menschen hin (in einzelnen Epidemien 80—90 Proz. der Erkrankten); 1507 und 1517 kehrte eine solche Epidemie wieder, blieb aber beide male auf die Grenzen Englands beschränkt, indem sie nicht einmal Irland und Schottland ergriff. Mit erneuerter Heftigkeit trat sie in England 1528 auf und ging dann im folgenden Jahre nach Deutschland, Holland, Skandinavien und Polen über, wo sie ebenfalls überall viele Menschen hinraffte. Zum letzten mal brach sie 1551 in England aus, ohne jedoch die frühere Ausbreitung und Heftigkeit wieder zu erreichen. Als beste Behandlungsweise bewährte sich gelinde Dafrend alle des Schweißes und stärkende Mittel, während alle entziehenden und schwächenden Kuren sich äußerst nachteilig erwiesen. Auch in neuerer Zeit hat man Schweißfieberepidemien beobachtet, welche indes immer nur auf enge Grenzen beschränkt waren und sich vorherrschend häufig bei einer warmen feuchten oder stark wechselnden Witterung entwickelten. Sie kamen besonders oft in Italien und Frankreich vor, wo sie Suette miliaire, Schweißfrieselfieber, auch picardischer Schweiß genannt werden, da in der Regel Frieselausbrüche auf der Haut folche der tige Fieberschweiße begleiten. Vgl. Hecker, Der Englische Schweiß » (Berl. 1834); Türck, De la suette miliaires (Par. 1841); Hirsch, «Handbuch der histor.⸗geogr. Pathologied (2. Aufl., Bd. 1, Stuttg. 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 161Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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