FeedGelüste
HeilkundeBrockhaus 1882

Gelüste (Picae) nennt man das zuweilen bei Frauen auftretende Verlangen nach dem Genuß von Dingen, die ihnen früher gleichgültig waren, und selbst nach ungenießbaren und schadlichen Substanzen. Man pflegt dieses Verlangen als eine krankhafte Verstimmung der Hungernerven (des ehnten Hirnnervenpaars und seiner Ursprungssellen im Gehirn) zu betrachten. (S. Allotriophagie.) Diese Erscheinung hängt mit den Störungen des körperlichen und geistigen Gesundheitszustandes zusammen, die sich oft bei den Gchts in den Zeiten zeigen, in welchen ihr Geschlechtsleben bedeutende Anderungen erleidet (bei Eintritt der Geschlechtsreife, in der Schwangerschaft, beim Aufhören der Menstruation im höhern Alter u. s. w.), und sich von der bloßen Verstimmung bis zur wirklichen Geisteskrankheit steigern können. Zu solchen Graden von geistiger Störung kann man auch das Diebsgelüste (Kleptomanie), die Mordsucht, zum Teil auch den Brandstiftungstrieb (Pyromanie) rechnen. Mit dem Aufhören der geschlechtlichen Störungen fallen auch diese Erscheinungen weg. Den G. nach ungenießbaren und schädlichen Substanzen während der Schwangerschaft muß energisch entgegengetreten werden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 725Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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