FeedEnnastéris (grch.)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Ennastéris (grch.), d. i. ein mit jedem neunten Jahr beginnender Cyklus, hieß bei den Griechen nach einer Zählung ähnlich der, wie wir mit Einschluß des neuen Anfangstages acht Tage für eine oche oder die Fran osen quinze jours für zwei Wochen sagen, eine Periode von acht Jahren, in der durch Einschaltungen acht Mondjahre zur Dauer von acht Sonnenjahren ergänzt wurden. Doch war neben E. auch der Ausdruck Oktaêtêris für die achtjährige Periode im Gebrauch. Ein Zeitraum von acht Jahren, ein sog. großes Jahr, galt als der Zeitraum, den die Sühne für eine Tötung erforderte. So ward in Delphi die Befleckung und Suhnung des Gottes selbst nach der Erlegung des Drachen Python alle acht Jahre (je im neunten Jahre) Mordes begangen und mußte Herakles wegen des ordes der ihm von Megara geborenen Kinder ein sog. großes Jahr dem Eurystheus dienen. Aber auch in anderm Sinne erscheint dieser Zeitraum in den Sagen. Schon nach der Odyssee regiert Minos als Vertrauter des Zeus in neunjährigen Perioden über Kreta, nach spätern Autoren pflegte er alle acht Jahre Umgang mit dem Gott.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 186Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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