FeedEntomologie
TierreichBrockhaus 1882

Entomologie heißt die Wissenschaft von den Insekten (s. d.) oder Kerfen. Da gerade diese Tierklasse die reichste ist, so erlangt das Gebiet jener Wissenschaft einen sehr großen Umfang. Denn wenn annahernd allein die Anzahl der Arten auf 200000 angegeben wird, erreicht doch diese Angabe die Wahrscheinlichkeit noch bei weitem nicht. Vermöge der genetischen „Iund Botautt vor die gegenwärtig in der Zoologie und Botanik vorherrscht, wird auch in der E. das Studium mit genauer Untersuchung des innern und äußern Baues der Kerfe beginnen und dieser die Physiologie der Kerfe, als die Kenntnis von den Verrichtungen der Organe und sonach von den Lebensthätigkeiten, so- wie von der Entwickelungsgeschichte durch die Zustände im Ei, als Larve Duppe und vollkommenes Insekt folgen müssen. Auf diesen Grundlagen der allgemeinen E. beruht die besondere E.: die systematische Aufzählung der Kerfe oder ihre Anordnung in größere oder kleinere Gruppen. Untergeordnet steht diesem rein wissenschaftlichen Teile die angewandte E., die sich mit spezieller Erörterung über Schaden, Nutzen, Zucht der Kerfe beschäftigt und als orstinsektenkunde, als Naturgeschichte schädlicher Insekten, als Abhandlung über Bienenzucht u. s. w. auftreten kann. Bei dem Reichtum an Formen und der nicht selten großen Schönheit derselben, bei der Mannigfaltigkeit, der Eigentümlichkeit und dem Wunderbaren der Lebensäußerung der Insektenwelt hat die E. ungemein viel Anziehendes und zwar in so verschiedenen Richtungen, daß für jedes speziellere ach der 1 schung Befriedigung geboten wird. Die Verehrer dieser Wissenschaft sind daher, soweit sie sich mit der Systematik beschäftigen, zahlreicher als die eines andern Zweigs der Naturgeschichte der Tierwelt, während im Gegenteil die Studien uber Entwickelungsgeschichte und Anatomie weit weniger Bearbeiter gefunden haben. ö Der erste Naturforscher, welcher richtige und oft überraschend tiefe Kenntnisse in der E. besaß, war Aristoteles (330 v. Chr.). Bei dem Wiederaufleben der Wissenschaften im Mittelalter kam die C. zuletzt an die Reihe. Auf Konr. Geßners (1516 —58) unvollendete Arbeiten folgten nach langer Unterbrechung die Untersuchungen von Malpighi 1664), Redi (1686), Swammerdam (1670—85), oh. Ray (1705), Linne (1735), Régumur (1737), de Geer (1752) und Huber (1792). Begründer der neuen systematischen E. ist Joh. Christian Fabricius (1748—1808). Ihm sind sehr viele tüchtige Forscher gefolgt, deren Zahl in stetem Zunehmen begriffen ist, und unter denen Latreille, Dumeril, Mac Ley, Kirby und Gerstäcker als Begründer neuer Systeme uhertedbar u sind. Die Litteratur der C. ist unübersehbar zu nennen, da sie fragmentarisch in Sammelwerken verstreut ward oder in Monographien sich auflöst. Kein Entomolog hat es bisher versucht, das . Pooul Material zu einem Ganzen zu verarbeiten. Populäre Bearbeitungen der E. in engern Grenzen sind in sehr großer Zahl vorhanden. Von allgemein verständlichen, aber wissenschaftlichen Werken ist das vollständigste Kirbys und Spences Introduction to entomologyr (4 Bde., Lond. 1818; 3. Aufl. 1832; deutsch von Oken, 4 Bde., Stuttg. 1823—33). Unter den eigentlichen Lehrbüchern zeichnen ˙0 Burmeisters «Handbuch der E.y (3 Bde., Berl. 1832—42), sowie Lacordaires Introduction à Pentomologier (2 Bde., Par. 1834—38). Als Bearbeiter der Anatomie sind namentlich Leon Dufour, in der Entwickelungsgeschichte früher Herold, in der neuesten Zeit Weißmann, Mecznikoff zu nennen. Hagen stellte in der &Bibliotheca entomologicav Bde., Lpz. 1862—63) die gesamte Litteratur der E. alphabetisch nach den Namen der Verfasser und systematisch nach den einzelnen Zweigen zusammen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 197Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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