FeedEnzio
GeschichteBrockhaus 1882

Enzio wurde bei den Italienern Heinrich, König von Sardinien, genannt, ein unehelicher Sohn Kaiser Friedrichs II. von unbekannter Herlunst, der thätigste, tapferste und treueste Teilnehmer an den Kämpfen des Vaters und ausgezeichnet durch Anlagen, besonders durch seine körperliche Schönheit. Im J. 1238 durch seinen Vater mit Adelasia, der verwitweten Beherrscherin eines Teils von Sardinien, vermählt, nahm er den Titel eines Königs von Torre und Gallura an, welchen er später mit dem stolzern von Sardinien vertauschte. Doch ließ sich Adelasia auf Betrieb des Papstes bald wieder scheiden. Sein Vater bestellte ihn, als 1239 der Kampf mit Gregor IX. ausbrach, zu seinem Generallegaten oder Statthalter in ganz Italien, und E. eroberte in dieser Eigenschaft einen Teil des Kirchenstaats. Den größten Ruhm erwarb er sich durch einen Sieg über die genues. Flotte. Der Papst hatte nämlich eine Kirchenversammlung nach Rom berufen, und die Prälaten eilten trotz des Kaisers Verbot auf der Flotte der mit dem Papste verbündeten Genuesen herbei. In der Nähe von Elba, bei der kleinen Insel Monte-Christo, traf E. mit der sicilisch-pisanischen Flotte 3. Mai 1241 die Feinde, schlug sie, nahm 3 päpstl. Legaten und über 100 Erzbischöfe und Bischöfe gefangen und machte eine unermeßliche Beute. An der Spitze der Modeneser in der Schlacht bei Fossalta 26. Mai 1249 gegen die Bologneser geriet E. in Gefangenschaft, in welcher er bis an seinen Tod festgehalten wurde. Vergebens schrieb der Kaiser abwechselnd bittende und drohende Briefe um die Freiheit seines Lieblingssohnes; die Bürger machten ein Gesetz, kraft dessen sie die 914 Märt E.s für immer untersagten. Er starb 14. März 1272 als der letzte männliche Sproß der Hohenstaufen. Mit königl. Pracht bestatteten die Bologneser seine Leiche in der Kirche des heil. Dominikus, wo eine gekrönte Bildsäule von Marmor und eine Inschrift seine Grabstätte bezeichnen. E.s Geschichte legte Raupach seinem Trauerspiele König E.» zum Grunde. Einem Liebesverhältnis E.s soll die Familie der Bentivoglio ihren Ursprung verdanken. Vgl. Münch, «König E.y (Ludwigsb. 1827); Schirrmacher, «Die letzten Hohenstaufen (Gött. 1871).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 208Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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