FeedEphralm
GeschichteBrockhaus 1882

Ephralm heißt einer der 12 Stämme des israel. Volks. Die hebr. lüberlieferung leitet denselben von dem zweiten Sohne des Joseph ab, den Jakob zugleich mit seinen eigenen Söhnen zum Erben eingesetzt habe. In der Zeit der Einwanderung der Israeliten in Kanaan und bis zur letzten Richterzeit ward E. unter allen Stämmen der mächtigste und übte, in der Mitte des Landes ansässig, eine unbestrittene Hegemonie über die übrigen aus, wie denn auch das Nationalheiligtum vor David lange Zeit in seinem Gebiete zu Bethel und Silo) stand. Gleichwohl ging der erste König der Jsraeliten, Saul, nicht aus E., sondern aus dem kriegerischen Stamme Benjamin hervor. Nach Sauls Tode erkannte E. mit allen nördl. Stämmen seinen Sohn Isboseth als rechtmäßigen König an, während der allmählich zur Macht emporgewachsene Stamm Juda vom Reiche Israele abfiel und sich dem David unterwarf. Die Rivalitätbeider Stämme ward seitdem die Hauptursache heftiger innerer Unruhen. Nach Ermordung Isboseths ließen sich allerdings die Ephraimiten die Davidische Regierung und die Hegemonie Judas gefallen, aber schon gegen Ende von Davids Leben kam es zu wiederholten Aufständen, die sich auch unter seinem Sohne Salomo wiederholten und nach Salomos Tode zur definitiven Trennung Israels in zwei Reiche, das Reich Juda und das Reich E., führten (975 v. Chr.). Der Begründer des letztern wurde der Ephraimite Jerobeam, welcher von den 12 Stämmen 10 für seine Herrschaft gewann. Die Trennung in zwei Staaten, deren jeder von nun an seine eigene Entwickelung durchlief, wurde besonders für das Reich C. verhängnisvoll. Das Reich E., mit den Hauptstädten Sichem, dann Tirza und später Samaria, betrachtete sich zwar als die legitime Fortsetzung des von Saul gegründeten israel. Reichs und eignete sich daher den Namen Israel ausschließlich an. Allein, losgerissen von der Erbmonarchie und ihren Segnungen, von 90 Dus. 80 und dem Centralheiligtum, entfaltete sich das Volksleben in E. politisch und religiös in ungebundener Freiheit. Anarchie und Bürgerkrieg waren im freien Wahlreiche an der Tagesordnung. Infolge des Abfalls von der rein geistigen Verehrung Jahves durch Jerobeams Stierdienst drang immer mehr heidnisches Wesen (s. Baal) ein, gegen welches die Propheten Israels oft erfolglos ankämpften. Die eigentümlichen religiösen Ideen des Hebraismus entwickelten sich und erstarkten je länger je mehr im Reiche Juda, während das Reich E. schon infolge seiner tiefern Verwickelung in die polit. Händel der Nachbarvölker einem religiösen Synkretismus anheimfiel. Nach der Zerstörung des nördl. Reichs durch die Assyrer wurde die ganze Aristokratie ins Exil geführt (722 v. Chr.); das zurückgebliebene niedere Volk vermischte sich national und religißs mit den assyr. Kolonisten. Aus dieser Vermischung ging späterhin das Volk der Samaritaner hervor. — Von E. ist das Gebirge Ephraim benannt, ein Bergzug im mittlern Palästina, welcher im Norden von der Ebene Jesreel (Esdrelom) begrenzt wird und südlich bis in die Nähe Jerusalems sich erstreckt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 217Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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