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ErdkundeBrockhaus 1882

Epirus (grch. Epeiros, im dor. Dialekt Apeiros), eigentlich das Festlando überhaupt, wurde etwa seit dem 5. Irieche v. Chr. speziell die westl. Hälfte des nördl. Griechenland benannt, welche im N. und NO. an Illyrien und Macedonien, im O. an Thessalien, im S. an Atolien, Akarnanien und den Ambralischen Meerbusen, im W. an das Jonische Meer grenzt und in ihrer größten Ausdehnung, mit Einrechnung der Gebiete der Athamanen, Ambrakioten und Amphilocher, einen Flächeninhalt von ungefähr 11000 akmenthält. Die ganze Landschaft wird, mit Ausnahme des Uufen-de Teils zunächst dem Ambralischen Meerbusen, der flach und teilweise von Lagunen eingenommen ist, von rauhen und schwer zugänglichen Gebirgen durchzogen, deren Knotenpunkt der gegen 2200 mhohe Lakmon (jetzt Berg von Metzovo) bildet, ein Teil der großen Pindoskette, welche E. von Thessalien scheidet. An demselben entspringen die fünf bedeutendsten Flüsse des nördl. Griechenland: der illyr. Ados (jetzt Viosa), der macedon. Haliakmon (jetzt Vistritza), der thessal. Peneios (jetzt Salamvria), der Arachthos (jetzt Fluß von Arta), der Hauptfluß des eigentlichen E., und der Acheloos (jetzt Aspropotamos), der das Gebiet der Athamanen durchfließt und dann die Landschaften Akarnanien und Atolien scheidet. Andere Flüsse von C. sind der Thyamis (jetzt Kalama), der Acheron (jetzt Mavropotamos) mit dem Nebenflusse Kokytos (jetzt Vuvos) und der Oropos (ietzt Luro). Von Gebirgen sind neben dem Lakmon die Tymphe (jetzt Zagori), die Keraunien, welche in einem mächtigen Vorgebirge, den durch zahlreiche Schiffbrüche berüchtigten Akrokeraunien (jetzt Kap Glossa oder Linguetta) endigen, und der Tomaros in der Nähe von Dodona (s. d.) zu erwähnen. Geschichtliches. Bewohnt wurde die Landschaft in der ältern Zeit von 14 einzelnen, teils den illyr. Völkern (den spätern Albanesen) verwandten, teils Chaur oder urgriech. Stämmen, unter denen die Chaoner (im Nordwesten), die Molotter (im Nordosten) und die Thesproter (im Süden) die mächtigsten waren. Die seit den ältesten Zeiten von Königen aus hellenischem Geschlecht bech deomm Molotter dehnten ihre Herrschaft allmähich besonders —. τ zu aus, unterwarfen sich das Gebiet von Dodona, das der Kassopäer und das der hellenischen Pflanzstadt Ambrakia; ja der bedeutendste unter diesen Königen, Pyrrhus (. d.), hatte sogar seit 295 v. Chr. die ganze Landschaft zu einem Einheitsstaate unter seinem Scepter vereinigt. Nach revolutionärer Beseitigung seiner Dynastie (238—235 v. Chr.) entstand ein „Bundo der epirot. Völkerschaften, welcher zur Zeit der Kriege zwischen Macedoniern und Römern von nicht geringer polit. Bedeutung war, aber am Ende des dritten macedon. Kriegs nach der Besiegung des Königs Perseus 167 v. Chr. durch Amilius Paullus (der damals 70 epeirot. Ortschaften zerstörte und 150000 Menschen zu Sklaven machte) aufgelöst wurde. Octavian gründete im südlichsten Teile der (seit 27 v. Chr. mit der röm. Provinz Achaja verbundenen) Landschaft die Stadt Nikopolis zur Erinnerung an den Sieg bei Actium. Seit dem 2. Jahrh. erscheint E. in Verbindung mit Akarnanien gewöhnlich als eigene kleine Provinz, mit welcher in der byzant. Zeit später auch wohl Naupaktos verbunden wurde. Seit 1204 von dem unmittelbaren Zusammenhange mit Konstantinopel losgerissen, war E. seit dieser Katastrophe des Byzantinischen Reichs fast zwei und ein halbes Jahrhundert lang ein Zankapfel zwischen griech., neapolit., franz., serb., ital. und albanes. Machthabern. Seit der Mitte des 14. Jahrh. gewannen in der westl. und nördl. Hälfte des Landes das lübergewicht die Stämme der Südalbanesen (Tosken), sodaß nur der Anlen Teil der griech. Bevölkerung blieb. Die Türken eroberten E. 1430 und blieben im Besitz (abgesehen von der Gewaltherrschaft des Ali-Pascha von Janina 1788—1821). Nur ein kleiner Landstrich im Südosten kam 1881 an Griechenland. E. bildet jetzt den westl. Teil des Vilajets Janina mit der gleichnamigen Hauptstadt und Preveza im Süden. Berühmt ist der wilde und schwer zugängliche Bergdistrikt Suli (oberhalb der Westküste) durch die heroische Verteidigung seiner Bewohner (Sulioten) gegen Ali-Pascha, namentlich 1800—3. Vgl. Merleker, «Das Land und die Bewohner von E. (Königsb. 1841); Bursian, «Geographie von Griechenland » (Bd. 1, Lpz. 1862).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 231Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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