FeedErfahrung
AllerleiBrockhaus 1882

Erfahrung nennt man den Inbegriff derjenigen Erkenntnisse, welche sich auf Wahrnehmung von Thatsachen gründen. Der gesamte Erfahrungskreis zerfällt in den der äußern oder mittelbaren und der innern oder unmittelbaren E. Die äußere E. ist die der Natur durch die menschlichen Sinne. Sie ist darum eine mittelbare, weil alles, was wir von der Außenwelt wissen, nur dadurch erfahren wird, daß es als Empfindung und Vorstellung in unfer Bewußtsein tritt. Die innere CE. ist die unserer eigenen psychischen Thätigkeiten und Zustände. Sie ist darum eine unmittelbare, weil sie durch nichts anderes vermittelt wird als durch sich selbst, d. h. durch das auf seine eigenen Funktionen reflektierende Selbstbewußtsein, während die äußere E. zugleich durch sie mit vermittelt wird. Man kann daher sagen, daß die sog. äußere E. nur ein besonderes Gebiet der sog. innern ist, insofern sie die Wahrnehmung derjenigen innern Zustände umfaßt, welche wir uns nur durch die Beziehung dieser Empfindungen auf eine Außenwelt zu erklären vermögen. Weder die äußern noch die innern E. geben für sich allein schon Erkenntnisse. Damit sie zu diesen werden, muß eine Verarbeitung durch das Denken hinzutreten, durch welche allein wir erst zum Bewußtsein über die Gegenstände der E. gelangen. Daher auch die im Leben gemachten E. nur dem nützen, welcher die moralischen oder physischen Lebensgesetze, von denen sie die Kennzeichen sind, durch richtige überlegung aus ihren Zusammenhängen herauszulesen versteht. Die absichtliche E. ist die Beobachtung (s. d.), der höchste Grad derselben und damit der Gipfel aller C. ist das Experiment (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 279Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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