FeedEtschmiadzin
ReligionBrockhaus 1882

Etschmiadzin, Etschmiadsin (d. h. er stieg herab), berühmtes festes Kloster in Russisch-Armenien oder dem Gouvernement Eriwan, 22 km westlich von Eriwan, im Norden des Aras und 52 km nördlich vom Ararat, in einer öden, fast baumlosen Ebene, 910 m über dem Meere gelegen, ist der Mittelpunkt der nichtunierten armen. Kirche und seit 1441 beständiger Sitz ihres Katholikos oder Oberhauptes, sowie jetzt auch der von Rußland für alle seine Armenier errichteten Heiligen Synode. Das Kloster wird gleich einer 88 Scießsch 9m hohen Mauern mit Türmen und Schießscharten umschlossen. Die Kirche ist ein Kreuzgebäude, mit kugelförmiger Kuppel im byzant. Stil erbaut, im Innern dunkel und überladen mit Gold, Silber, Perlen, Edelsteinen und im pers. Blumenstil ausgeführten Wandmalereien. Das dem Apostel Greor gewidmete Tabernakel steht angeblich an der Stelle eines ehemaligen Altars der Artemis, der samt dem Götzenbilde in die Tiefe versunken sein soll, als hier der Heiland zu Gregor in einem Lichtstrahl herabstieg. Daher der Name E. Den Hauptschatz des Klosters bilden die hier aufbewahrten Reliquien, welche jährlich nur einmal während eines feierlichen Gottesdienstes den zahlreichen Pilgern gezeigt werden. Wenn das Kloster E. mit dem tatar. Namen Utsch-Kilissi, d. h. Dreikirchen, bezeichnet wird, so sind zwei andere Klöster und Kirchen mit hinzugerechnet, Sta.⸗Gajane (Kajane), 2 km im SO., und Sta.⸗Hripsime, 0,5 km im NO. Die Bibliothek wurde früher überschätzt und als eine reiche Fundgrube der armen. Litteratur angesehen, hat sich aber als solche nicht erwiesen. Nach Brossets Catalogue de la bibliothèque d'E. v (Petersb. 1840) enthält sie nur 635 Nummern, teils geschichtliche Werke, größtenteils Erbauungsschriften. Die 1629 Eriwan für armen. Studien errichtete Hochschule wurde schon 1631 hierher verlegt. Die Druckerei des Klosters versorgt die armen. Christenheit mit den nötigen litterarischen Hilfsmitteln für Schule und Haus. Die Zahl der Mönche und Seminaristen soll sich auf 100 belaufen. Dem Kloster gehören fünf Dörfer und mehrere bis nach Georgien hinein zerstreute Besitzungen. Das Hauptdorf, ganz nahe im N. gelegen und 360 Gehöfte zählend, ist Wagharschabad, an dessen Stelle die alte berühmte Stadt gleiches Namens (Valarsapata) lag, die angeblich im 6. sein v. Chr. vom König Erovant J. gegründet sein soll, im 2. Jahrh. n. Chr. als Residenz und Hauptort der Provinz Godaik von König Wagharsch (Vologheses) befestigt wurde. Als die Pforte und die Perser das Ansehen des Katholikos zum Druck seiner Glaubensgenossen mißbrauchten, floh derselbe mit den Mönchen, Archiven und Heiligtümern in das Gebiet der Russen. Der pers. Hof verlangte hierauf die Auslieferung desselben, und die Verweigerung dieser Forderung galt als eine der Ursachen des Kriegs der Perser mit den Russen, der von Paskewitsch durch die Eroberung von C. 27. April 1827 eröffnet wurde. In dem Frieden von Turkmantschai (22. Febr. 1828) ward CE. mit andern Gebieten von Persien an Rußland abgetreten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 403Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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