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ReligionBrockhaus 1882

Evangelische Allianz (Evangelical Alliance) heißt eine Vereinigung evang. Christen aller Kirchen und Sekten, welche zuerst in Schottland und England zu dem Zwecke ins Leben gerufen wurde, den Übergriffen des Papsttums und romanisierenden Bestrebungen im eigenen Schoße des Protestantismus entgegenzutreten, bald aber zugleich die Förderung der prot. Sache überhaupt, namentlich auch den Schutz bedrängter Glaubensgenossen in kath. Ländern und die Pflege des evang. Gemeinschaftsbewußtseins in den getrennten Kirchenparteien sich zur Aufgabe stellte. Auf Grund eines von Männern verschiedener Kirchen am 5. Aug. 1845 erlassenen Aufrufs trat vom 1. bis 3. Okt. desselben Jahres eine vorbereitende Versammlung zu Liverpool und vom 19. Aug. bis 2. Sept. 1846 die erste, von 921 Teilnehmern namentlich aus England, Schottland und Amerika, aber auch aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz besuchte Generalversammlung in London zusammen. Zum Präsidenten ward Sir Culling Cardley gewählt. Der Bund erklärte, keinen KKirchenbund»,‚ sondern einen Christenbund » — keine Union der getrennten Kirchen, sondern eine brüderliche Vereinigung christl. Individuen erstreben zu wollen, welche in den Grundlehren des Evangeliums miteinander übereinstimmten. Als solche Grundlehren wurden folgende neun Artikel anerkannt: die göttliche Eingebung, Autorität und eWiicht der Heiligen Schrift; das Recht und die Pflicht jedes einzelnen Christen zu einem eigenen Urteile bei Auslegung der Schrift; die göttliche Einheit und Dreipersönlichkeit (Trinität); die gänzliche Verderbnis der menschlichen Natur durch den Sündenfall; die Menschwerdung des Sohnes Gottes, sein Versöhnungswerk, sein Mittleramt und Königtum; die Rechtfertigung des Sünders allein aus dem Glauben; das Werk des Heiligen Geistes in der Bekehrung und Heiligung des Sünders; die Unsterblichkeit der Seele, die Auferstehung des Leibes, das Weltgericht durch Christus, die ewige Seligkeit der Gerechten und die ewige Strafe der Gottlosen; die göttliche Einsetzung des christl. Predigtamts und die eine dauernde Verbindlichkeit begründende göttliche Einsetzung von Taufe und Abendmahl. Der Bund teilte sich gleich bei seiner Gründung in sieben „Zweigev: 1) Großbritannien und Irland, 2) Vereinigte Staaten von Amerika, 3) Frankreich, Belgien, franz. Schweiz, 4) Norddeutschland, 5) Süddeutschland, deutsche Schweiz, 6) Britisch-Nordamerika, 7) Westindien. Der Bund, welcher seinen engl. Ursprung schon in der Theologie nicht verleugnen konnte, fand vorzugsweise in England, Schottland und Amerika bei den verschiedensten Denominationen, namentlich auch bei Baptisten und Methodisten eifrige Förderung. In Deutschland standen ihm die Lutheraner, denen er zu weitherzig schien, feindselig gegenüber, während um-Autie die einseitig orthodoxre Fassung der neun rtikel die freier gerichteten Elemente fern hielt. Nach den beiden Generalversammlungen zu London 1851 und zu Paris 1855 tagte der Bund 1857 zum ersten mal auf deutschem Boden, in Berlin, wohin König Friedrich Wilhelm IV. ihn eingeladen hatte. Auf der berliner Generalversammlung, bei welcher 1254 Mitglieder anwesend waren, kam es offen zu Tage, daß die im Bunde herrschende engherzige Gläubigkeit auch für Männer wie Bunsen keinen Raum ließ. Der genfer Versammlung 1861 war noch bestimmter der pietistisch-methodistische Geist aufgeprägt. In ähnlichen, wenn auch nicht spezifisch methodistischen, doch orthodox-pietistischen Gleisen haben sich die folgenden Generalversammlungen (1869 zu Amsterdam, 1873 zu Neuyork, 1879 zu Basel) bewegt. lleute.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 454Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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