FeedFaidherbe
GeschichteBrockhaus 1882

Faidherbe (Louis Léon Césars, franz. General, geb. 3. Juni 1818 zu Lille, besuchte die Polytechnische Schule, trat 1840 in die Artillerie- und Genieschule von Metz, diente als Genieoffizier in Algerien 1844 —45, als Kapitän auf Guadeloupe 1848 -49 und wiederum in Algier 1849—52, wo er an mehrern Expeditionen, namentlich 1851 unter St.⸗Arnaud an der gegen Kabylien, teilnahm. F. wurde 1852 als Unterdirektor des Geniewesens nach dem Senegal gesandt, wo er 1854 zum Bataillonskommandanten und Gouverneur der Kolonie ernannt wurde. Er unterwarf 1855 mehrere Tribus, welche sich unter dem Propheten Alaghi ls al hatten, und organisierte die Länder der Ualo als franz. Provinz. Eine Expedition in die Länder der Trarzas 1856, ein Feldzug gegen den Propheten Al-Hadji und die Ennahme er Festung Somson 14. Aug. 1857, ferner die völlige Unterwerfung der mächtigen maurischen Stämme der Trarzas 1858, sowie endlich ein gegen den König von Cayor (Jan. 1861) unternommener Feldzug, der mit Unterwerfung von dessen Küstenländern und der t Bathal des rechten Ufers des Senegal bis jenseit Bathel de Medina endigte, waren, neben kräftiger innerer Verwaltung der olonie, die hervorragenden Epochen der Amtsperiode F.s in Senegambien bis Juni 1861, wo er wegen Kränklichkeit nach Frankreich zurückkehrte. Hierauf ging er wiederum nach Algerien, wo er 1863 Brigadegeneral wurde und das Kommando über die Subdivision von Sidi-bel-Abbes in der Provinz Oran erhielt. Die Verwaltung Senegambiens nahm unter F.s Nachfolger einen so ungünsien Charakter an, daß sich die Regierung genötigt sah, F. aufs neue an die Spitze derselben zu stellen. Hier verblieb er bis Juli 1865, wo ihm auf wiederholtes Ansuchen das Kommando über die Subdivision Bona in der alger. Provinz Konstantine übertragen wurde. Anfang 1870 erhielt er die Division in Konstantine und wurde Ende November von Gambetta nach Frankreich berufen und mit dem Rangeines Divisionsgenerals an Stelle des 27. Nov. 1870 bei Amiens (s. d.) geschlagenen Generals Farre mit dem Kommando der Nordarmee betraut. F. traf 5. Dez. in Lille ein und beschäftigte sich zuvörderst damit, seine Armee zu reorganisieren. Nachdem dieselbe eine ungefähre Stärke von 50000 Mann erreicht hatte, schritt er 8. Dez. zur Offensive und nahm 9. Dez. durch UÜberfall das Schloß Ham. Mit dem Kern seiner Armee, gegen 40000 Mann, war er auf seinem Vormarsch ungehindert bis 11km nordöstlich von Amiens gekommen, wo er an der Hallue (s. d.) eine sehr 970f0e Stellung einnahm, jedoch 23. und 24. Dez. 1870 vom General von Manteuffel mit zwei preuß. Divisionen ntNrissen und zum Rückzuge bis nördlich hinter Arras in die feste Position von La Scarpe genbtigt wurde. Die deutsche Armee kam in ihrer Verfolgung 26. Dez. bis Bapaume und entsendete einen bedeutenden Teil ihrer Streitkräfte von hier aus zur Einschließung der Festung Peronne. . riff deshalb 2. Jan. 1871 die 30. preuß. Brigade 0 trubberg) an, wurde jedoch abgewiesen. Am nächsten Tage erneuerte er mit zwei Armeekorps den 10˙4⁷ bei Bapaume (s d.), wo General Goeben mit der 15. Division (Kummer) und einem Detachement unter Prinz Albrecht (Sohn) sich in neunstündiger Schlacht behauptete und ihn unter großen Verlusten zum Rückuge nach Arras und Douai zwang. Wenige Tage später (9. Jan.) kapitulierte Peronne. F. versuchte nach einigen Tagen wieder südlich vorzudringen, wurde jedoch 17. Jan, vom General von Goeben bei Beauvois angegriffen, auf St.⸗Quentin zurückdaß die und hier 19. Jan. entscheidend geschlagen, sodaß ie Trümmer seines Heeres hinter den Wällen von Lille Schutz suchen mußten. Im Febr. 1871 wurde er in Paris als eifriger Republikaner und Anhänger Gambettas in die Nationalversammlung gewählt, legte aber schon am 19. Febr. sein Mandat nieder. Nach erfolgtem Friedensschluß erhielt er 18. März 1871 von der Regierung den Befehl, sein Armeekorps aufzulösen, und wurde 27. April desselben Jahres in den Bonalverf versetzt. Bei den Ersatzwahlen zur Nationalversammlung im Juni 1871 in drei Aentedas M. erwählt, nahm er die Wahl in Lille an, legte das Mandat jedoch bald nieder. F. hat si —— um die Geographie, Ethnographie und Sprachkunde hervorragende Verdienste erworben. Im Auftrage der franz. Regierung bereiste er 1871 Oberägypten, um die dortigen Denkmäler und Pan zu untersuchen, und kehrte im Febr. 1872 nach Frankreich zurück. Außer verschiedenen Beiträgen zu dem Bulletino der pariser Geographischen Gesellschaft gab er seit 1860 zu St.⸗Louis am Senegal das Annnaire du Sêné-Beit heraus, für welches er unter anderm schätzbare eiträge zur Kenntnis der dortigen Völker und Sprachen veröffentlichte. Ferner erschien von ihm „Chapitre de géographie sur le Nord-Ouest de PAfriqued (St.⸗Louis 1864) und Essai sur la langue Poub (Par. 1875). Während seines letzten Aufenthalts in Algier machte er sich durch eine „Collection complète des inscriptions numidiqueso (Par. 1870) bekannt. Nach dem Friedensschlusse mit Deutschland suchte er seine Kriegführung in der Schrift Campagne de l'armée du Nord en 1870/71⁷ (Par. 1871) zu rechtfertigen. Die unrichtigen Angaben dieser Schrift widerlegte General von Goeben in der Allgemeinen Militär-Zeitunge (Darmstadt), ebenso Seton in Notes on the operations of the North-German woops in Lorraine and Piccardy (Lond. 1872). F. hat als Feldherr große Zähigkeit und Kühnheit bewiesen; doch waren seine Entwürfe nicht reisich durchdacht und mehr nach den in Algerien von den Franzosen befolgten und dort auch den Verhältnissen angemessenen Grundsätzen geplant. Dagegen leistete er Tüchtiges als Organisator, sowie in der Ausbildung seiner jungen Truppen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 528Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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