FeedFalckenstein
GeschichteBrockhaus 1882

Falckenstein (Ernst Friedr. Eduard Vogel von), preuß. General der Infanterie, geb. 5. Jan. 1797 zu Breslau, war auf den Wunsch seines Oheims, des Fürstbischofs von Breslau, zum geistlichen Stande bestimmt, trat aber 1813 als freiwilliger Jäger in die Armee, wurde noch in demselben Jahre zum Offizier befördert und zeichnete sich namentlich 1814 bei Montmirail aus. Nach dem Frieden stieg er langsam zu höhern Graden auf und wurde 1841 Major. Außer mit militärischen Studien beschäftigte er sich auch mit Zeichnen und Malerei, wodurch er dem Kronprinzen, spätern König Friedrich Wilhelm IV. bekannt und von diesem mit Gründung einer Werkstatt für Glasmalerei betraut wurde. Nachdem er 1848 im Straßenkampfe zu Berlin verwundet und in Schleswig gefochten, wurde er Kommandeur des Gardeschützenbataillons und 1850 Chef des Generalstabes des 3. Armeekorps, im folgenden Jahre Oberst, 1855 Generalmajor. Vom April 1856 bis zum Juli 1858 war F., zuletzt als Direktor des Militärökonomiedepartements, im Kriegsministerium thätig, wurde 1858 Generallieutenant und im Dez. 1863 Chef des Generalstabes beim Feldmarschall Wrangel. Als Prinz Friedrich Karl den Oberbefehl übernahm, erhielt F. 30. April 1864 als Gouverneur von Jütland das Kommando der beiden preuß. Divisionen, welche Jütland besetzten. Nach dem Frieden erhielt er das Generalkommando des 7. Armeekorps und stieg 1865 zum General der Infanterie auf. Als der Deutsche Krieg von 1866 eröffnet wurde, besetzte er Mitte Juni Hannover und zwang die hannov. Armee, welche bei Langensalza 27. Juni gegen seinen Befehl mit ungenügenden Kräften angegriffen worden, 28. Juni zur Kapitulation. Als kommandierender General der Mainarmee (f. Deutscher Krieg von 1866) Zal w bewie F. die Operationen gegen die an Zahl mehr wie doppelt überlegenen süddeutschen Streitkräfte, zu denen auch eine österr. Division gestoßen war. Er zog seine Truppen 1. Juli bei Eisenach zusammen, um sich zwischen die bayr. Armee im Fuldathale und das d. Bundeskorps, das bei Herford stand, 1 werfen. Nach dem Gefecht bei Dermbach 4. Juli besetzte er Abon überschritt 9. Juli die bayr. Grenze und das Rhöngebirge und schlug die Bayern 10. bei Kissingen und Hammelburg. Von hier wandte sich F. unerwartet gegen Aschaffenburg, das eiligst von einer österr. Division besetzt wurde. Am 13. Juli wurde die hess. Division bei Fronhofen und Laufach geschlagen, ebenso am 14. die Osterreicher bei Aschaffenburg. Infolge eines Telegramms aus dem königl. Hauptquartier, das die Wichtigkeit einer Occupation der Länder nördlich des Mains betonte, wandte sich F. nach Frankfurt, das die Bundestruppen geräumt hatten, und zog 16. Juli dort ein. Mitten in seinem Siegeslauf wurde er aber zum Generalgouverneur von Böhmen ernannt und mußte sein Kommando an den General von Manteuffel abtreten. Nach dem Frieden erhielt er das Generalkommando des 1. Armeekorps (Königsberg i. Pr.), sowie eine reiche Dotation und kaufte von dem Erbprinzen von Augustenburg die Herrschaft Dolzig bei Sommerfeld in der Niederlausitz. Im J. 1867 wurde er vom Wahlkreis Königsberg als Abgeordneter zum Konstituierenden und zum ersten Reichstage des Norddeutschen Bundes gewählt. Nachdem F. 1868 zu den Offizieren von der Armee versetzt worden war, rief im Sommer 1870 der Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs den 73jährigen General noch einmal in den aktiven Dienst zurück. F. wurde zum Generalgouverneur der deutschen Küstenlande (Bezirke des 1., 2., 9., 10. Armeekorps) ernannt, eine enadlede zu der man einen der thatkräftigsten Generale berufen zu müssen glaubte, da man auf eine schnelle Landung des Feindes gefaßt sein mußte. F. schlug seinen Sitz in der Stadt Hannover auf, organisierte schnell die Küstenverteidigung, sperrte die Flußmündungen und Hafeneingänge völlig ab, schuf eine freiwillige Seewehr und ordnete die Verbindungen längs der ganzen Ost- und Nordseegestade so vorzüglich, daß seitens der feindlichen Admirale auch nicht der Versuch einer Landung zur Ausführung gelangte. Seine Enthebung von diesem Posten erfolgte nach dem Frieden von 1871, worauf er 27. Dez. 1873 in Ruhestand trat. Er lebt seitdem auf seinem Gute Dolzig in stiller Zurückgezogenheit.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 535Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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