FeedFalloux
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Falloux (Alfred Frederic Pierre, Comte de), franz. Schriftsteller und Politiker, geb. 7. Mai 1811 zu Angers, widmete sich den Wissenschaften und machte sich zuerst durch zwei Werke bekannt, die eine konservativ-ultramontane Richtung aussprachen, nämlich die 4istoire de Louis XVIy (Par. 1840; 2. Aufl. 1843) und die Histoire de Pie Vy (2 Bde., Par. 1844; 3. Aufl. 1859). Durch seine legitimistischen Tendenzen und Verbindungen empfohlen, wurde er 1846 vom Depart. Maine-Loire in die Deputiertenkammer gewählt, wo er ich zur Opposition der rechten Seite hielt und die Freiheit des Unterrichts eifrig verteidigte. Nach der Februarrevolution von 1848 gehörte F. zu den ersten, welche die aus dem Aufstande hervorae, gangene Staatsgewalt anerkannten, und erließ auch an seine Landsleute in Anjou eine Art Rund7.——— um diesen sein Beispiel anzuraten. Als Mitglied der Konstituierenden Versammlung entwickelte er auf der äußersten Rechten eine ungemeine Thätigkeit im Ankämpfen gegen alle demokratischen Prinzipien. Nach der Wahl Ludwig Napoleons zur Präsidentschaft wurde er ins Ministerium des öffentlichen Unterrichts berufen, in welcher Stellung er seine zehnmonatliche Amtsführung mit der Ausarbeitung eines organischen Gesetzentwurfs über das Schulwesen bezeichnete, der zwar erst unter seinem Nachfolger zur Durchführung gelangte, aber den Namen seines Urhebers behielt und durch Zersplittern der Staatsaufsichtsbehörde dem kath. Klerus einen überwiegenden Einfluß auf die Schule sicherte. Vom Depart. Maine-Loire wieder in die Legislative Versammlung gewählt, Imne er in den wichtigen Debatten dieser Versammung stets mit Montalembert zusammen. Beim . voner des Staatsstreichs trennte sich jedoch von der Politik Ludwig Napoleons gänzlich, und nach den Ereignissen vom 2. Dez. 1851 zog er sich auf seine Güter in Anjou zurück, wo er sich fortan mit Landwirtschaft beschäftigte.Am 26. März 1857 wurde er als Na folger des Grafen Mols in die Französische Akademie aufgenommen. Noch in demselben Jahre nahm er an dem kath. Kongreß in Mecheln teil und 111 daselbst, mit Dupanloup, die Lehre des Syllabus und 1868 veröffentlichte er in der Zeitschrift Correspondantv einen später auch als Broschüre erschienenen Artikel „La politique et Pagriculture, worin er die schlechte Ernte dieses Jahres den großen Gefahren, welche die zeitliche Macht des Papstes bedrohten, zuschrieb. Im J. 1871 lehnte er ab in die Nationalversammlung zu treten, beteiligte sich aber eifrig an den Fusionsversuchen, welche die Mehrheit der Versammlung damals machte. In einer bei Herrn von Meaur gehaltenen Zusammenkunft (4. Jan. 1872) schlug F. vor, man solle den Grafen von Chambord darum bitten, die dreifarbige Fahne als die Fahne Frankreichs erkennen und den Grafen von ris, in Ermange Kindesstatt anzunehmen. Dies entzweite ihn mit der legitimistischen Presse und führte zu einem völligen Bruch zwischen ihm und seiner Partei, besonders nachdem er im landschaftlichen Verein zu Segré für das Septennat und die Verlängerung der Gewalten des Marschalls Mac-Mahon sich erklärt hatte (Sept. 1873). Seitdem ist F. von der Politil gänzlich zurückgetreten. Von seinen Schriften sind zu erwähnen: „Le parti catholique, ce qu'il a été, ce qu'il est devenun (1856), 4Souvenirs de charité (1857), „Madame Swetchine, sa vie et ses uvreso (2 Bde., 1859; deutsch von Hahn, Regensb. griculturen (1863), La convention du 15 Septembre„ (1864), KItinéraire de Turin à Rome (1865), 4Questions monarchiques, lettre à M. Laurentiep (1873), Augustin Cochino (1875); außerdem veröffentlichte er eine Sammlung von Lettres inédites de Me Swetchine (1866).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 551Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 6

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6