Erhaben im ästhetischen Sinne heißt das Große, insofern es nicht überwältigend und niederdrückend, sondern erhebend wirkt. Das Erhabene erscheint für den Auffassenden dadurch als ein Unendliches, daß die anschauende Phantasie mit seiner Ausmessung durch gegebene anschauliche Maßstäbe nicht zu Ende kommt. Sind diese Maßstäbe die der Ausdehnung, so entsteht das mathematisch Erhabene; sind sie die der Kraft, so entsteht das dynamisch Erhabene. Das Erhabene liegt daher nicht im Gegenstande, sondern im Verhältnisse des anschauenden Subjekts zu demselben. Der höchste Gegenstand des Erhabenen ist die moralische Kraft des Geistes in ihrem siegreichen Kampfe gegen die sinnlichen Gewalten, einerseits gegen die innern der Leidenschaft, andererseits gegen die äußern des Schicksals. Unter den Alten schrieb über das Erhabene Longinus. Unter den Neuern hat sich um die Aufhellung dieses Begriffs nach dem Vorgange Burkes in seiner berühmten Schrift: Philosophical inquiry into the origin of our ideas of the sublimè and beautifule (Lond. 1757; deutsch, Lpz. 1773), ganz besonders Kant verdient — in seinen „Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen (Königsb. 1764) und namentlich in der «Kritik der Urteilskraft² (Königsb. 1790). Nach Kant beruht der Eindruck des Erhabenen darin, daß wir uns eines Vermögens unsers Gemüts bewußt werden, welches jeden Maßstab der Sinnlichkeit übersteigt. Wesentlich auf Kantscher Grundlage hat Schiller den Begriff des Erhabenen weiter entwickelt und ihn auf ästhetische und ethische Gegenstände angewandt, und zwar in den Aufsätzen «über das Erhabenen, «alüber das Pathetisches u. s. w. Vgl. Vischer, Kliber das Erhabene und Komischen (Stuttg. 1837).