Farbenspektrum besteht nur aus einem gelben (nach dem roten Ende hin) und einem blauen (nach dem violetten Ende hin) Teile, die in der Gegend des Grün zusammenstoßen. Man kann die Rotgrünblindheit in zwei Formen zerlegen: 1) die Grünblindheit (Rotgrünblindheit mit unverkürztem Spektrum), bei welcher der rote Teil des Spektrums farblos hell oder gelb erscheint, zwischen gelb und blau meistens ein neutraler grauer Streifen liegt, hellgrün mit dunkelm Rot verwechselt wird; 2) die Rotblindheit (Rotgrünblindheit mit verkürztem Spektrum), bei welcher der rote Teil des Spektrums dunkel erscheint, helles Rot mit dunkelm Grün verwechselt wird. Selten ist die Violettblindheit elb und blau werden nicht erkannt, das Spektrum besteht nur aus Grün und Rot, der violette (blaue) Teil erscheint dunkel. Die Erscheinungen der F. lassen sich aus den bis jetzt geltenden Farbentheorien (s. unter Farbensinn und Farbenlehre) nicht 1 un ohne Zwang erklären. Während Helmholtz für die partielle F. das Fehlen einer oder zweier Faserarten in der Netzhaut supponiert, bei der totalen F. überhaupt nur eine Faserart annimmt, erklären Hering und Preyer die partielle F. aus dem Fehlen der rotgrünen oder blaugelben Sehsubstanz, beziehentlich Doppelzapfen, die totale F. aus dem Fehlen jeder farbenempfindenden Substanz. Im J. 1777 zuerst von Huddart erwähnt, wurde die F. zuerst von dem selbst rotblinden engl. Chemiker Dalton 1794 beschrieben und seitdem von Prevost mit dem Namen Daltonismus belegt. Nachdem 1837 Seebeck methodische Untersuchungen Farbenblinder vorgenommen, gaben zuerst Helmholtz und Maxwell Erklärungen der 2 Die Untersuchungen wurden in der neuesten Zeit von vielen Seiten fortgesetzt, namentlich seitdem der Schwede Holmgreen die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Gefährlichkeit der F. wegen der beim Eisenbahn- und Marinedienste gebräuchlichen farbigen Signale gerichtet hatte, und ergaben, daß auf 1000 Männer ungefähr 30 Farbenblinde, auf 1000 Frauen nur 3 Farbenblinde kommen. Man erklärte dies dadurch, daß vom Beginn des Menschengeschlechts an die Beschäftigung mit farbigen Objekten hauptsächlich den Frauen zufiel und einige Forscher (Gladstone u. a.) zogen hieraus und aus der Armut der homerischen Sprache, sowie der meisten heutigen Naturvölker an Farbenbezeichnungen den von anderer Seite vielfach angefochtenen Schluß auf eine Weiterentwickelung des Farbensinns von Generation zu Generation. Man glaubte daher nicht nur durch Erziehung des Farbensinns der F. späterer Generationen vorbeugen, sondern sogar die bestehende F. heilen zu können. In letzterer Beziehung hat sich nun ergeben, daß Farbenblinde beim Sehen durch Fuchsingläser allerdings Farben, welche ihnen sonst völlig gleich erscheinen, zu unterscheiden vermögen. ohne indessen den richtigen Farbenton zu empfinden. Die F., wenigstens die Rotgrünblindheit, ist erblich, häufig in der Art, daß sie von dem Großvater auf den Sohn der farbenkräftigen Tochter übergeht. Eine vorübergehende künstliche F. stellt sich nach dem Genusse von Santonin ein, indem helle Gegenstände gelb, dunkle violett erscheinen, der violette Teil des Spektrums dunkel. ö Gewöhnlich tritt die F. in der Form der Rotgrünblindheit als ein konstantes und frühzeitiges Symptom bei Leiden des nervösen Sehapparats, namentlich dem progressiven Sehnervenschwunde (Schwarzem Star) auf, während eine erworbene F. ohne sonstige Störungen des Sehvermögens zu den größten Seltenheiten gehört. Litteratur. Unter den zahlreichen Schriften über F. sind hervorzuheben: Magnus, „Die F., ihr Wesen und ihre Bedeutung » (Bresl. 1878); Kalischer, «Die F. Eine allgemein verständliche Darstellung ihrer Bedeutung, der Theorien, ihres Vorkommens und ihrer Prüfungsmethoden v (Berl. 1879); Holmgreen, «Die F. in ihren Beziehungen zu den Eisenbahnen und der Marine (deutsche autorisierte Ausgabe, Lpz. 1878).