Feldsberg, Städtchen im nordöstl. Teile von Niederösterreich, Bezirkshauptmannschaft Mistelbach, am Rande des Hügellandes gegen die Thaya- und Marchniederung, mit (1881) 2837 CE., die neben den städtischen Gewerben sich mit Feldwirtschaft und teilweise auch mit Weinbau befassen, ist Sitz eines Bezirksgerichts und hat eine teils aus Landes⸗, teils aus Privatmitteln gegründete Acker⸗, Obst⸗ und Weinbauschule. Eine Zweigbahn der Kaiser Ferdinand-Nordbahn verbindet den Ort einerseits mit Lundenburg (Nordbahn), andererseits mit Zellerndorf (Nordwestbahn). Seine Geschichte läßt sich urkundlich bis ins 12. Jahrh. zurückführen, wo der Ort mit dem Schlosse Eigentum des in Ssterreich reich begüterten Domstifts zu Passau war. Ihre materielle Entwickelung aber dankt die Stadt zunächst dem fürstl. Hause Liechtenstein, von dem sie als Sommersitz und Centralpunkt eines waldreichen Güterkomplexes (Eisgrub, Lundenburg, Rabensburg) mit besonderer Vorliebe gehegt und durch zahlreiche Kunstbauten in der Umgebung bemerkenswert ausgestattet wurde. Von der letzten Hälfte des 18. bis in die vierziger Jahre des 19. Jahrh. war das Schloß zu F. der Sammelpunkt des höchsten Adels, um der Jagdlust in allen Abstufungen des Weidwerks zu genügen. Die Hetzjagden auf den Jagdgründen zu F. und Eisgrub waren eine europ. Berühmtheit. Das Schloß in seiner jetzigen Form entstand 1640, größtenteils durch Umbau des ältern, und wurde 1718 den gesteigerten Bedürfnissen entsprechend eingerichtet und erweitert. Die Schloßkirche, das Theater und die Reitschule sind Bauten aus jener Zeit und knüpfen sich, wie auch die Pfarrkirche und die Stiftung des Barmherzigenklosters mit einem Spital, an den Namen des edelsinnigen Fürsten Karl Euseb von Liechtenstein. Der Theinwald bei F. (Tiergarten) ist ein künstlich gezogener Wald von 2300 ha Flächeninhalt, den der genannte Fürst 1660 auf einer Hochfläche von Weide und Ackerland anlegen und mit einer aus besonders zubereiteten Backsteinen gebauten Mauer umfassen ließ. Jetzt einer der schönsten Wälder des Landes, zeigt er, an einem Teiche angebaut, einen Jagdsalon in Form eines Triumphbogens. Die Kunstbauten in und um F. sind meist von dem Architekten Joseph Hardtmuth ausgeführt, der später der Begründer der in Thonwaren und Bleistiften bekannten Firma wurde.