FeedFerdinand II.
GeschichteBrockhaus 1882

Ferdinand II., König beider Sicilien, Sohn König Franz' I. aus dessen zweiter Che mit der Infantin Isabella Maria von Spanien, wurde 12. Jan. 1810 geboren und folgte 1830 seinem Vater auf dem Throne. Er schien anfangs als Reformator auftreten zu wollen, wandte sich aber unter dem Einflusse der österr. Politik bald dem frühern Regierungssystem zu. So gestaltete sich F.s Regierung zu einer Kette von Verschwörungen und Empörungen, denen der König nichts entgegenzusetzen wußte als Polizei, Prozesse, Hinrichtungen, Druck jeder Art. Mit Ausnahme der Finanzen, die er in Ordnung, ja in Bluüte brachte, verfielen unter solcher Regierung Justiz, Unterricht, der Wohlstand, die Bildung und die Sitten des Volks, während der Charakter des Königs, bei aller äußerlichen Freundlichkeit, mißtrauisch, grausam und rachsüchtig wurde. Als Anfang 1848 die Bewegung in Italien ausbrach, erhob sich trotz blutiger Strenge die Insel Sicilien. F. sah sich zur Entlassung seiner verhaßten Minister genötigt, verlieh für beide Teile des Reichs die auch von ihm beschworene Konstitution vom 10. Febr., ließ sogar seine Truppen in den Kampf gegen Osterreich ziehen. Die Volkskammer wurde gewählt, aber die Deputierten, vom höchsten Mißtrauen erfüllt, weigerten sich, den vom Könige vorgeschriebenen Eid zu leisten; die demokratische Partei erklärte sich gegen die Einführung einer Pairskammer. Am Morgen des 15. Mai 1848 ließ der König von den Forts aus seine Hauptstadt Neapel bombardieren (daher Re Bombay), während zugleich die vier Schweizerregimenter, begleitet von entschlossenen hebtemo Konfui in den Straßen das olk niedermetzelten. onstitution, Eid, Reform, alles blieb mit diesem blutigen Schlage beseitigt, und der Verlauf der Revolution im übrigen Italien begünstigte die radikale Reaktion. Die iederunterwerfung Siciliens konnte nur durch verwüstende Kämpfe gegen die Städte der Insel bewirkt werden. Einkerkerungen, Monstreprozesse, Verurteilungen, Verbannungen, polit. Spionage waren an der Tagesordnung. Im J. 1850 befanden sich nach Gladstones Bericht 15—20000 politisch Komprimittierte in den Gefängnissen des Königreichs. Statt auf eine Versöhnung der Gemüter hinzuwirken, wußte der König den Gefahren, welche ihn umgaben, nur seine Sbirren und Schweizertruppen entgegenzustellen, während er sich nach außen auf Osterreich stützte. Als Piemont auf dem Pariser Kongreß 1856 die Verhältnisse in Italien zur Sprache brachte, erfolgten von seiten Frankreichs und Englands Vorstellungen an F., er möge die Quelle der Revolution und der Attentate durch innere Reformen abschneiden. Der König wies diesen Rat als eine Verletzung seiner souveränen Würde zurück und ließ es, im Vertrauen auf Osterreich, selbst geschehen, daß England und Frankreich ihre Gesandten aus Neapel abriefen. Bei einer Truppenparade zu Ehren der unbefleckten Empfängnis Mariä wurde 8. Dez. 1858 auf F. von einem Soldaten Namens Milano ein Mordversuch gemacht. Das Ereignis steigerte nur den Argwohn und die Furcht F.s, der sich nun mit seiner Familie nach Caserta zurückzog, wo er einsiedlerisch lebte. Auf einer Reise nach Apulien, die er im Jan. 1859 unternahm, verfiel er in eine leidensvolle Krankheit, der er 22. Mai 1859 zu Caserta erlag, nachdem er zuvor noch den Krieg, die Revolution und den Zusammenbruch der alten Verhältnisse in Italien erlebt. (S. Sicilien, Königreich beider.). F. hatte sich 1832 zum ersten mal mit der sardin. Prinzessin Maria Christina (geb. 14. Nov. 1812) vermählt, die aber bereits 31. Prin 1836 starb. Aus dieser Ehe entsprang der rinz, der dem Vater als Franz II. (s. d.) auf dem zusammenbrechenden Throne folgte. In zweiter Ehe war F. seit 1837 vermählt mit Marie Therese (geb. 31. Juli 1816, gest. 8. Aug. 1867), der geistvollen, aber starr legitimistischen Tochter des verstorbenen Erzherzogs Karl von Osterreich, die ihm fünf Töchter und vier Söhne gebar, von denen der älteste, Prinz Ludwig Maria (geb. 1. Aug. 1838), Graf von Trani ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 684Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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