Feuerbach (Anselm von), hervorragender Historienmaler, Sohn des Archäologen Anselm F., geb. in Speier 12. Sept. 1829, erhielt seit 1836 seine wissenschaftliche Vorbildung auf dem Lyceum zu Freiburg und m der dann 1846 unter Schadow seine Studien an der düsseldorfer Akademie, deren Richtung ihm indes nicht zusagte. Weit größern Gewinn gewährte ihm der 1848 Aulwukte⸗ Auf-Ianzuo in München, wo damals Rahl wirkte, dessen kraftvolle Natur F. erfolgreicher anregte als Cornelius. Nach kurzem Aufenthalt in Antwerpen besuchte er 1850 Paris, wo Couture großen Einfluß auf ihn hatte, ihn aber auch Ingres' Werke lebhaft interessierten. Im J. 1852 trat er zuerst mit dem Gemälde Hafis in der Schenke hervor, wählte 1853 Karlsruhe zu seinem Aufenthalte und malte daselbst den Tod des Aretino, ein Werk, welches sowohl Coutures als der Venetianer Einfluß aufweist, aber auch schon Neigung für kalte, trockene und graue Töne verrät. Während eines Aufenthalts in Venedig kopierte er 1854 Tizians Assunta meisterhaft, ferner entstand seine Figur der Poesie. Seit 1855 lebte F. längere Zeit in Rom, wo er die großen Einquecentisten mit Begeisterung studierte. Sein erstes Werk in dieser neuen Richtung ist das 1857 vollendete Bild: Dante mit edeln Frauen zu Ravenna lustwandelnd, ein Werk von tiefem Ernst und scharfer Charakteristik, aber so eigenartig in seinem Geiste wie in der Erscheinung, daß die karlsruher Galeriedirektion gegen seine Aufstellung protestierte. Erst später, nachdem es zunächst der Großherzog in seine Privatsammlung aufgenommen hatte, fand es dort Eingang. Anfang der sechziger Jahre trat F. zu dem kunstsinnigen Freiherrn von Schack in München in nähere Beziehungen, als deren Ergebnis eine Reihe wertvoller, in dessen Galerie bewahrter Schöpfungen zu betrachten sind. In erster Linie sind hier zu nennen seine großartig ergreifende Pietà von großer Feierlichkeit und Würde (1862); dann: Ariost mit vornehmen Damen im Park zu Ferrara, eine fein charakterisierende Schöpfung, welche nur unter dem sehr bunten und dabei doch frostigen Kolorit leidet; endlich das 1861 vollendete Bild: Francesca da Rimini. Das Gastmahl des Plato, ein Stoff, der den Künstler lebhaft fesselte, entwarf er 1869 in seiner ersten Gestalt. Die zweite Darstellung des Sujets in großen Verhältnissen erfolgte mehrere Jahre später. Von 1870 bis 1871 entstanden unter andern Medeas Abschied, die schlafende Bacchantin, die Wopienit der stuttgarter Galerie. In diesen Werken hat sich die Umwandlung bereits deutlich vollzogen. F. beginnt hier mit seltsamer Originalitätssucht alle Vorbilder und die herkömmliche Weise in Stil, Vortrag, Farbe und Form zu „Hrrnr. Im Gedanken antike Größe und Tiefe anstrebend, kann er sich dabei eines Realismus nicht erwehren, der überall vordringt und mit jener Auffassung seiner stets bedeutenden Stoffe nicht in Einklang zu bringen ist. Im J. 1873 wurde F. als Professor an die wiener Akademie berufen, deren neues Gebäude er zum Teil dekorieren sollte. Diese Berufung sagte indeß weder dem Künstler zu, noch förderte sie das wiener Kunstleben. F. starb in Kenerd 4. Jan. 1880.