FeedFillmore (Millard)
GeschichteBrockhaus 1882

Fillmore (Millard), der 13. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, geb. in Summer-Hill im DerSonn enn im Staate Neuyork 7. Jan. 1800 als der Sohn eines kleinen Farmers, wuchs in den ärmlichsten Verhältnissen als Schneider- und Wollkämmerlehrling auf, widmete sich später der Advokatur und praktizierte von 1823 an zuerst in Aurora, dann in Buffalo. Im J. 1828 zum Mitglied der Staatslegislatur gewählt, trat er 1833 in den Vereinigten Staaten-Kongreß, welchem er als Whig bis 1843 angehörte. Bei der Wahl von 1848 wurde er von seiner Partei zum Vizeräsidenten, General Zachary Taylor (s. d.) zum Präsidenten gewählt. Der plötzliche Tod des letztern berief ihn aber, gemäß der Unionsverfassung, 9. Juli 1850 auf den Präsidentenstuhl. Die Republik schwebte zu jener Zeit in einer höchst gefährlichen Krise. Es handelte sich in dem damals zuerst offen ausbrechenden Kampfe zwischen Norden und Süden um die Verfügung über die im mexik. Kriege erworbenen Gebiete. Der Süden wollte diese für die Sklaverei gewinnen, der Norden dagegen der Freiheit erhalten. Jener hatte in Calhoun und dessen Anhängern entschlossene Führer, dieser entbehrte jeder Leitung, seitdem Daniel Webster seinen alten überzeugungen untreu geworden war. F., der Webster zum Premierminister ernannt hatte und seiner Natur nach zu unentschiedenen Maßregeln geneigt war, ließ sich für die von Henry Clay vorgeschlagenen Kompromißmaßregeln gewinnen und half so durch seinen Einfluß den Keim zum spätern Bürgerkriege legen. Das verhängnisvolle Kompromiß vom 18. Sept. 1850 nahm Californien als Freistaat auf, ließ aber Neumexiko und Utah als Territorien zu, ohne eine Bestimmung über die Sklaverei zu treffen, deren Einführung oder Ausschließung vielmehr der spätern Staatsverfassung überlassen bleiben sollte. Außerdem sanktionierte das Kompromiß das berüchtigte Auslieferungs⸗ und Jagdgesetz gegen flüchtige Sklaven. Die Verwaltung Fis zeichnete sich, wie dieser selbst, durch äußere Würde aus, ihr Geist aber ging nicht über die Mittelmäßigkeit hinaus und wurde in allen entscheidenden Fragen von den in Washington den Ton angebenden Sklavenhaltern bestimmt. Diese gönnten jedoch F., nachdem sie ihn zu ihren Zwecken ausgenutzt, im Herbste 1852 nicht die Ehre einer Wiederwahl, sodaß er 4. März 1853 den Präsidentenstuhl verlassen mußte. Von einer länern europ. Reise zurückgekehrt, trat er 1856 als räsidentschaftskandidat der nativistischen Partei auf, als welcher er es jedoch nur zu den acht Stimmen des Staates Maryland brachte. Seitdem lebte er in Buffalo, ohne offenen Anteil an der Politik zu nehmen, und starb dort 8. März 1874.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 806Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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