FeedFingerähre
PflanzenreichBrockhaus 1882

Fingerähre nannte man früher in der Botanik eine besondere Form von fingerartig verzweigten Blütenständen bei einigen Gräsern; jetzt ist der Ausdruck nicht mehr gebräuchlich. Zingerentzuud s. unter Beuteltiere. ingerentzündung (Fingerwurm, Umlauf, böser Finger, Panaritium), eine mit Eiterung und großer Schmerzhaftigkeit einhergehende Entzündung der Finger, welche vorzugsweise das Nagelglied des Fingers betrifft, sich aber auch über den ganzen Finger bis in den Handteller hinein erstrecken, ja bei ungünstigem Verlauf den ganzen Arm in Mitleidenschaft ziehen kann. Derartige F. ent⸗ + am häufigsten bei Personen'der dienenden und arbeitenden Klassen (Dienstmädchen, Fleischern, Köchinnen, Schlossern u. dgl.), indem bei ihnen geringfügige Verletzungen der Finger, die oft übersehen oder mißachtet werden, wie Nadelstiche, eingestochene Splitter, abgerissene Niet- oder Neidnägel, sehr leicht durch Schmutz oder faulige Stoffe infiziert und so zum Ausgangspunkt einer heftigen Conversations-Lexikon. 13. Aufl. VI. Entzündung werden; besonders häufig geschieht dies bei jugendlichen Personen, da deren Haut noch leicht verletzlich und ihre Lymphgefäße besonders leicht empfänglich sind. Bisweilen kommt der Fingerwurm zu gewissen Jahreszeiten aber auch fast epidemisch vor und nicht selten werden Kranke ohne bekannte Veranlassung zu der gleichen Zeit an verschiedenen Fingern vom umlauf befallen. Der Verlauf der F. ist je nach Sitz, Tiefe und Ausbreitung der Entzündung sehr verschieden, und es zeichnen sich namentlich alle tiefer, unter der sehnigen Aponeurose des Fingers gelegenen Entzündungen durch viel rößere durc) ihreroße durch langwierigern Verauf und durch ihre große Neigung, auf benachbarte Gewebe überzugreifen, vor den oberflächlicher gelegenen Entzündungen aus. Die oberflächliche Fingerentzündung (Panaritium subeutaneum) hat ihren Sitz in dem fettreichen Unterhautzellgewebe und entwickelt sich am häufigsten am vordersten Fingergliede, wobei dieses mehr oder minder anschwillt, sich rötet und von heftig klopfenden, den Schlaf raubenden Schmerzen befallen wird, bis sich schließlich auf der geröteten, entzündlich erweichten Haut eine weiche weiße Stelle bildet, welche endlich aufbricht und dem angesammelten Eiter einen Ausweg nach außen verschafft, worauf gewöhnlich bald Heilung erfolgt. War bei der Entzündung gleichzeitig das Nagelbett mit ergriffen, so wird gewöhnlich der Nagel durch die eintretende Eiterung gelockert, schließlich abgestoßen und ein neuer Rageibet der nur allmählich und langsam auf dem Nagelbett vorrückt. Die tiefere Fingerentzündung (Panaritium periostei) nimmt ihren Ausgangspunkt gewöhnlich von der Knochenhaut des betreffenden Fingergliedes, ist in der Regel von viel heftigern Schmer en begleitet, weil der entstehende Eiter in den straffern und sehnigern Gelenken einen weit größern Widerstand findet und weit größere Spannung verursacht, und kann sehr leicht noch bedenklichere Erscheinungen zur Folge haben, indem die Entzündung entweder längs der Sehnenscheiden sich weiter verbreiten, oder das Absterben des betreffenden Fingerknochens herbeiführen, oder eine ausgedehnte Lymphgefäßentzündung der Hand und des ganzen Arms nach sich ziehen kann. Bei gleichzeitiger Entzündung der Sehnenscheiden (Panaritium tendinosum) geschieht es. gewöhnlich, daß die entzündete Sehne abstirbt und schließlich als mehr oder minder langer, wurmähnlicher Gewebsfetzen (daher der Name Fingerwurm) nach außen entleert wird, worauf dauernde Steifigkeit des erkrankten Fingers zurückbleibt. Wenn im Verlauf einer derartigen tiefern F. infolge mangelhaften Abflusses des angesammelten Eiters brandiges Absterben des betreffenden Fingerknochens erfolgt ist, so bleibt eine dauernde Verkürzung und Verkrüppelung des erkrankten er Beh zurück, ja bei Vernachlässigung und fehlerhafter Behandlung lann der ganze Finger, selbst die Hand brandig zerstört und das Leben auf das ernstlichste gefährdet werden. Aber auch bei schließlichem günstigen Ausgange werden in solchen verschleppten Fällen die Kräfte des Kranken durch die langwierige, nicht selten monatelange Eiterung und die mit ihr verbundenen Säfteverluste oft genug auf das äußerste erschöpft. Aus dem oben Angeführten erhellt zur Genüge, daß jede F. als eine ernste Krankheit zu betrachten und dem entsprechend sorgsam und zweckmäßig zu behandeln ist. Durch unverständiges Quacksalbern mit unnützen Pflastern, Salben und andern Volksmitteln ist schon mancher Finger verloren gegangen, der durch rechtzeitige sachverständige Behandlung sicher erhalten worden wäre, weshalb man bei jeder, auch anscheinend leichten F. gut thut, sich womöglich schon im Beginn an einen tüchtigen Arzt zu wenden. Im Anfang kann man versuchen, durch Entfernung eines etwa eingedrungenen fremden Körpers und durch eiskalte Umschläge die entstandene Entzündung zu unterdrücken; haben sich aber einmal erheblichere Schwellung und heftige klopfende Schmerzen eingestellt, so suche man durch warme Handbäder und warme Breiumschläge die eintretende Eiterung zu befördern und so den Verlauf der F. möglichst zu beschleunigen. Sowie sich auf der roten Haut eine weiche weiße Stelle gebildet hat, so ist in diese einzustechen oder einzuschneiden, um den angesammelten Eiter zu entleeren, wodurch nicht nur die große Schmerzhaftigkeit in der Regel wie mit Einem Schlage behoben, sondern auch das Weiterschreiten der Entzündung auf tiefer gelegene Organe und damit deren brandiges Absterben am sichersten verhütet wird. Bei vorhandener Nageleiterung ist der gelockerte Nagel sobald als möglich zu entfernen. Im übrigen sind nach der Eröffnung des Eiterherdes öfters zu wechselnde Verbände mit schwachem Carbolsäurewasser oder milden Salben, ruhige und möglichst hohe Lagerung des erkrankten Gliedes und behufs Reinigung öftere warme Handbäder bis zur vollendeten Heilung anzuwenden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 817Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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