FeedCementprüfung
Handwerk & GewerbeBau-Lexikon 1881

Cementprüfung, bezügl. Cementnormen. Die Cementnormen stellen ein in Deutschland, Oesterreich, Dänemark, Schweden, England etc. ziemlich einheitlich theils bereits angenommenes, theils noch beabsichtigtes Verfahren dar, Portlandeement auf seine Güte zu prüfen. Außer der Festigkeitsprüfung, die ein gewisses Ergebnis liefern muß (10kg. absolute Festigkeit pro qem. in Deutschland, 12 kg. in Oesterreich bei Zusatz von 3 Th. Sand und nach 1 Monat Erhärtung, dabei die Probekörper aufs intensivste mit wenig Wasser eingeschlagen), wenn der Cement als gut bezeichnet werden soll, wird auch eine bestimmte Feinmahlung verlangt, da grober Cement bei Sandzusatz weniger leistet als feiner, s. Punkt IV. Ferner soll als Treibensprobe das in Punkt III Vorgeschriebene gelten. Zur Festigkeitsprüfung dient der in Fig. 1073 in / nat. Größe abgebildete Apparat. Die Hebelübersetzung ist fünfzigfach. (Pr. inel. Zubehör, Messingformen, Siebe etc., ca. 300 Mk.) Die achtförmige Probe wird in die Klauen geschoben und reißt an der verengten Stelle in der Mitte. Diese Abreißfläche mißt 5 gem., die also das 50fache Gew. tragen müssen, mithin 1 om. das 10fache Gewicht. Man hängt den Topf rechts an den Bügel und läßt Schrot oder Wasser bis zum Bruch einlaufen. Darauf wiegt man den Topf inel. Inhalt aufeiner Federwäge u. giebt nach Obigem das 10fache des abgelesenen Gewichts die absolute Festigekeit pro qem. an. Auch kann man bei Wasserzufluß das auslaufende oder aufnehmende Gefäß kalibriren u— dann unmittelbar das Zerreißungsgewicht pro gem. ablesen. Wie bereits oben bemerkt, werden die Probekörper aus t 1 Th. Cement, 3 Th. Sand und 10 Th. Wasser auf 100 Th. trockener Mischung hergestellt. Näheres s. in den Cementnormen, die vom Deutschen Cementfabrikantenverein (bei t E. Töche in Berlin) herausgegeben werden u. auch meist schon behördliche Geltung in Deutschland haben. Nachstehend geben wir deren Hauptpunkte, ohne die für ein ILexikon zu platzraubenden Erläuterungen und Motive. J. Das Gewicht der Tonnen oder Säcke, in welchem Portlandcement in den Handel gebracht wird, soll ein „einheitliches sein. Es sollen nur Normaltonnen v. 180 kg. rbrutto, 170 Kg. netto, halbe Tonnen von 90 kg. brutto u. 83 kg. netto, sowie Säcke von 60 Kg. Bruttogewicht in den eFabriken gepackt werden. Stäubverlust sowie etwaige e Schwankungen im Einzelgewicht können bis zu 2% nicht beanstandet werden. Die Tonnen u. Säcke sollen die Firma .der betr. Fabrik u. die Bezeichnung des Bruttogew. tragen. II. Je nach der Art der Berwendung ist Portlandcement langsam oder rasch bindend zu verlangen. Für die meisten 3Zwecke kann langsam bindender Cement angewandt werden u. es ist diesem dann wegen der leichteren u. zuverlässigeren othek Heidelberg Verarbeitung u. wegen seiner höheren Bindekraft der Vorzug zu geben. Als langsam bindend ist solcher C. zu bezeichnen, welcher in / Stunde od. in längerer Zeit erst abbindet. III. Portlandcement soll volumbeständig sein. Als entscheidende Probe soll gelten, daß ein dünner, auf Glas od. Dachziegel ausgegossener Kuchen von reinem Cement, unter Wasser gelegt, auch nach längerer Beobachtungszeit durchaus keine Verkrümmungen oder Kantenrisse zeigen darf. IV. Portlandeement soll so fein gemahlen sein, daß eine Probe desselben auf einem Sieb von 900 Maschen pro dem. höchstens 25% Rückstand hinterläßt. V. Die Bindekraft von Portlandcement soll durch Prüfung einer Mischung von Cement und Sand ermittelt werden. Die Prüfung soll auf Zugfestigkeit nach einheitlicher Methode geschehen, an Probekörpern von gleicher Gestaltu. gleichem Querschnitt u. mit gleichen Zerreißungsapparaten. Die Zerreißungsproben sind an Probekörpern von 5 gem. Ouerschnitt der Bruchfläche vorzunehmen. Diese sind in den von Frühling, Michaẽlis u. Co. in Berlin konstruirten Formen anzufertigen und auf dem von der gleichen Firma konstruirten Zerreißungsapparat mit Doppelhebel und 50facher Uebersetzung zu prüfen. VI. Guter Portlandeement soll bei der Probe mit 3 Th. reinem scharfen Sand auf 1 Th. Cement nach 28 Tagen Erhärtung (1Tag an der Luft und 27 Tage unter Wasser) eine Minimalzugfestigkeit von 8 kg. pro qem. haben. Für besondere Zwecke kann eine höhere Zugfestigkeit verlangt werden. Der zu dieser Probe zu verwendende Normalsand von bestimmter Korngröße wird dadurch gewonnen, daß man den Natursand durch ein Sieb von 60 Maschen pro gem. siebt, dadurch die gröbsten Theile ausscheidet und aus dem so erhaltenen Sand mittels eines Siebes von 120 Maschen pro dem. noch die feinsten Theilchen entfernt. Die Probekörper müssen sofort nach der Entnahme aus dem Wa sser geprüft werden. Bei schnell bindenden Cementen kann die Zugfestigkeit von 8 kEg. nach 28 Tagen nicht beansprucht werden. Anfertigung der Proben zu Ermittelung der Bindekraft. Man legt auf eine Metall-od. Marmorplatte 5 mit Wasser getränkteBlättchen Fließpapier u.setzt hierauf 5vorher gut gereinigte u. mit Wasser angenetzte Formen. Man wiegt 250 g. Cement u. 750 g. trockenen Normalsand ab, mischt beides in einer Schale gut durch einander, bringt 1000 kem. = 100 g. Wasser hinzu u. arbeitet die ganze Masse mit einem Spatel so lange durch, bis dieselbe einen sehr steifen Mörtel giebt, welcher das Aussehen von frisch gegrabener, feuchter Erde hat und sich in der Hand gerade noch ballen läßt. Mit diesem Mörtel werden die Formen auf einmal so hoch angefüllt, daß sie stark gewölbt voll werden. Man schlägt nun mittels eines eisernen Anmachspatels (im Gewicht von ca. 150 — 200 g.) anfangs schwach, dann stärker den überstehenden Mörtel in die Formen unbedingt so lange ein, bis derselbe elastisch wird u. an seiner Oberfläche sich Wasser zeigt. Nachträgliches Ausbringen und Einschlagen von Mörtel ist nicht statthaft, weil Probekörper von gleicher Dichtigkeit hergestellt werden sollen. — Man streicht nun das die Form Ueberragende mit einem Messer ab und glättet mit demselben die Oberfläche. Nachdem die Proben hinreichend erhärtet sind, löst man durch Oeffnen der Schrauben die Formen abu befreit die Proben Mathes, Illustr. Bau-Lexikon. 4. Aufl. II. HEIDELBERG O Universitäts von dem anhaftenden Fließpapier. Um richtige Durchschnittszahlen zu erhalten, sind für jede Prüfung mindestens 10 Probekörper anzufertigen. Nachdem die Probekörper 24 Stunden an der Luft gelegen haben, werden sie unter Wasser gebracht u. müssen während der ganzen Erhärtungsdauer stets vom Wasser bedeckt bleiben. — Sie werden unmittelbar vor der Prüfung aus dem Wasser genommen u. auf dem Apparat sofortzerrissen. Das Mittel aus sämtlichen 10 Bruchgewichten ergiebt die Festigkeit des geprüften Cementmörtels. Befinden sich jedoch unter den erhaltenen Zahlen abnorm niedrige, so sind diese, als durch Fehler in der Darstellung der Probekörper verursacht, von der Berechnung auszuschließen. Will man schon nach 7 Tagen eine Kontrole der abgelieferten Wäre vornehmen, so kann dies durch zweierlei Vorproben geschehen: a) mit Sandmischung; jedoch muß dann die Verhältniszahl der 7-Tagsfestigkeitzur 28-Tagsfestigkeit am betreffenden Cement erst ermittelt werden, da die Festigkeitsresultate verschiedener Cemente bei der 28-Tagsprobe einander gleich sein können, während sich bei der 7-Tagsprobe noch wesentliche Unterschiede zeigen. b) mit reinem Cement, indem man auch hier das Verhältnis der 7-Tagsfestigkeit des reinen Cements zur 28-Tags-Fig. 1073. Cementprüfungsapparat. festigkeit bei3 Theilen Sand an dem betr. Cementermittelt. Die 7-Tagsprobe mit Sand ist einfach dadurch auszuführen, daß man nach obiger Vorschrift 10 Probekörper mehr anfertigt u. diese nach 7 Tagen schon prüft. Für die 7-Tagsprobe mit reinem Cement können die Probekörper hergestellt werden entweder nur auf undurchlässigen Unterlagen (Metall- od. undurchlässigen Steinplatten) od. ö auf absaugenden Unterlagen (Gips⸗ oder schwachgebrannten Ziegelplatten), wobei man bedeutend höhere Zugfestigkeitenerreicht; daher ist bei Vergleichung v. Zugfestigkeiten der reinen Cemente sowohl als mit Sandmischung stets darauf Rücksicht zu nehmen, ob die betr. Probekörper auf die eine od. andere Weise gefertigt sind. Bei der Probe auf undurchlässiger Unterlage nimmt man auf 1000 Gew.⸗ Th. Cement 200— 275Gew.⸗Th. Wasser, je nach der Bindezeit des betr. Cements, arbeitet die Masse gut durch einander, füllt dieselbe in die Formen, welche von der Unterlage durch Blättchen Löschpapier getrennt sind, und rüttelt die Masse durch Schläge mit dem Spatel gegen die Form derartig zusammen, daß ein zusammenhängender Körper ohne Hohlräume sich bildet. Man streicht hierauf denüberschüssigen Mörtel u. zieht die Form vorsichtig ab. Proben mit dem gleichen Cement müssen hinsichtlich des Wasserzusatzes sowie beim Guß stets gleich behandelt werden, da jede Vergrößerung od. Verringerung der Verdichtung der Masse auch die Festigkeit verändert. Zur Probe auf absaugender Unterlage nehme man auf 1000 Gew.⸗Th. Cement 330 Gew.⸗Th. Wasser; der Ueberschuß von Wasser wird hier von der Unterlage aufgesaugt u. dadurch eine bedeutende Verdichtung der ganzen Masse herbeigeführt. Selbstverständlich müssen die Unterlagen, um absaugend zu bleiben, öfter gewechselt u getrocknet werden. Nachdem die Masse in die Form gegossen ist, werden durch Anklopfen an die Form die Luftblasen entfernt. Ist die Oberfläche abgestrichen u. eine leichte Erstarrung eingetreten, kehrt man die Form um, damit nun auch die andere Seite abgesaugt wird. Die Masse sinkt infolge der Verdichtung in der Form. Man füllt dann von neuem Cement auf, streicht bei beginnender Erstarrung ab u. zieht die Form vorsichtig vom Probekörper. Haftet hierbei der Cement zu fest, so klopft man die Form von allen Seiten leise an, wodurch Lösung von den Wandungen bewirkt wird.

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 24Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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