FeedDesinfektion
HeilkundeBau-Lexikon 1881

Desinfektion, k., Reinigung der Luft von solchen Stoffen, welche schädlich auf das Athmen der Menschen u. Thiere wirken; auch Zerstörung von Miasmen u. solchen Stoffen der Luft, welche als Ursachen der ansteckenden Krankheiten angenommen werden. Hat sich in geschlossenen Räumen schlechte Luft angehäuft, so kann man vor allem dafür sorgen, daß man durch künstliche Ventilation frische Luft in die Räume pumpt. Sind es schädliche Gase, die sich z. B. in Kellerräumen re. befinden, so lassen sich diese gewöhnlich durch Absorption entfernen. Gegen Kohlensäure wende man Kalkhydrat oder Lösungen von Kali in Wasser an. Diese Stoffe haben die Eigenschaft, die Kohlensäure aufzusaugen und an ihre Stelle frische Luft treten zu lassen. 1. Für Krankenzimmer benutzt man häufig Räucherungen, um die Luft von schädlichen, riechenden Stoffen zu reinigen. Chlorräucherungen müssen sehr vorsichtig angestellt werden. Man nimmt am besten Chlorkalk und setzt diesen in flachen Gefäßen der Luft aus, oder man stellt Chlorwasser (s. d.) in flachen Gefäßen auf. — 2.Zum Desinfiziren von Crinkwasser wendet man am besten Kohlenpulver an, durch welches man das riechende, gefärbte oder faule Wasser filtrirt. — 3. Zu Desinfizirung von Abtritten wurde in den letzten Jahren bes. a) Eisenvitriollösung vielfach empfohlen. Das aufgetauchte Bedenken, daß dieselbe den hölzernen Schlotten nachtheilig sein könnte, wurde mit der Entgegnung bekämpft, daß man ja zu Imprägnirung des Bauholzes auch Eisenvitriollösung anwende; nun ist dies allerdings bei der einen Methode, der sog. Paynisirung, der Fall, wobei man aber der Einbringung von Eisenvitriollösung eine Einpumpung von Chlorkaliumlösung folgen läßt, worauf sich im Innern des Holzes schwefelsaurer Kalk (Gips) und Eisenchlorid bilden, od. wobei zur ersten Tränkung eine Auflösung von Schwefelcalcium od. Schwefelbarium, zur zweiten Eisenvitriol verwendet wird, wodurch Gips, schwefelsaurer Baryt und Schwefeleisen gebildet werden. Nach anderen Methoden geschieht die Imprägnirung mit Kreosot, Zinkchlorid, konzentrirter Kochsalzlösung, Alaun, Kupfervitriol, holzessigsaurem Eisen, Theeröl, Wasserglas re. Alle diese Tränkungen nun, sowie andere Konservirungsmethoden, wirken theils auf Austreibung der die Zwischenräume der Holzfasern füllenden wässerigen Lösungen von Pflanzeneiweiß, Pflanzenleim, Gummi, verschied. mineralischen Substanzen etc., theils auf chemische Veränderung dieser gährungsfähigen Saftstoffe durch Hitze oder Tränkung, theils endlich auf Einbringung von in Wasser unlöslichen, also fäulniswidrigen Stoffen in die von jenen stickstoffhaltigen Substanzen entleerten Poren. Eine andere Methode, das Holz vor Fäulnis zu schützen, besteht in Verkohlung der Oberfläche auf trockenem Weg durch Brennen, auf nassem Weg durch Anstrich mit verdünnter Schwefelsäure; eine noch andere in dem Aufbringen eines Anstrichs oder Ueberzugs mit Oelfarbe, Firniß od. Pech. Die Abtrittsschlotten nun, wo sie von Holz gefertigt werden, erhalten letzteren Ueberzug. Das dabei verwendete Pech, ein Gemenge von Theer, Theeröl u. Harz, wird nun durch die bei Eingießung der Eisenvitriollösung und deren Einwirkung auf die Exkremente sich bildenden Säuren theilweis zerstört, bes. spröde gemacht. Infolge dessen springt ein Theil des Ueberzugs vom Holz ab u. es liegt also dennoch die Gefahr nahe, daß, ehe von einer zweiten Eingießung von Eisenvitriol so viel auf den entblösten Holztheilkommen kann, als zu dessen wirksamer, fäulniswidriger Imprägnirung nothwendig wäre, dieser entblöste Holztheil bereits mehrfach von den größtentheils aus harnsaurem Ammoniak bestehenden flüssigen Exkrementen getroffen wird, welche das Holz sehr schnell zerstören. Sowohl diese Betrachtung als auch zahlreiche Beobachtungen lassen daher die Behauptung ganz gerechtfertigt erscheinen, daß die Einschüttung von Eisenvitriollösung allerdings den hölzernen Schlotten schädlich ist, während sie den thönernen wegen deren verglaster Oberfläche nicht wohl etwas anhaben kann. b) Die Einschüttung flüssiger od. pulverförmiger Karbolsäure und ähnlicher Stoffe übt auf die Schlotten keinen schädlichen Einfluß. Ohne das von den Chemikern und Aerzten noch vielfach für und wider besprochene Thema hier erschöpfen zu können, wollen wir noch c) das Süvernsche Desinfektionsmittel erwähnen, das als Brei in den Handel kommt. Dieser Brei wird in ein entsprechend großes Gefäß gethan u. allmählich unter Zusatz der 6⸗ bis 8fachen Menge von Wasser gleichmäßig umgerührt. Nach vollständiger Zertheilung kommt diese Flüssigkeit, Desinfektiousmilch genannt, in nachstehender Weise zur Anwendung. Vor Reinigung einer noch nicht desinfizirten Abtrittsgrube übergießt man mittels einer Gießkanne oder eines ähnlichen Gefäßes (Eimer etc.) die ganze Oberfläche der Grube, um damit zugleich die über der Grube befindlichen schädlichen Gährungsstoffechemisch zu binden. Entsteht während des Räumens von neuem Geruch, so wiederholt man das Uebergießen der Grube. Nach der Räumung werden die Wände u. der Boden der Grube mit dickerer Desinfektionsmilch (aus 1 Th. Brei u. 2—3 Th. Wasser) mittels eines Reisbesens etc. bestrichen, beziehentlich übergossen. Nunmehr wird durch die Abtrittssitze der einzelnen Etagen die oben beschriebene dünnere Desinfektionsmilch, am besten des Morgens, hineingegossen, um auch die in den Abfallröhren haftenden Stoffe unschädlich zu machen. Dieses Eingießen ist täglich zu wiederholen u. so lange fortzusetzen, bis der Geruch völlig beseitigt ist; auch bei Waterelosets. — Um vollständige D. der gewöhnlichen Aborte herbeizuführen, ist an dem Abfallrohr in der Düngergrube selbst ein Luftverschluß herzustellen, welcher das Aufsteigen der Gase u. den so schüdlichen Luftzug verhindert. Dieser Verschluß kann überall HEIDELBERG leicht angebracht werden und ertheilen die Inhaber der Süvernschen Patente die dazu erforderliche Information. — In die Gußsteine gießt man täglich, je nach Bedürfnis, ein Quantum der dünnern Desinfektionsmilch. — Behufs der D. von Pissoiren, Tagerinnen u. Kellern bestreicht man die Wandungen, beziehentlich Fußboden u. Decke, mit dickflüssiger Desinfektionsmilch u. erneuert den Anstrich nach Bedürfnis, bei Pissoiren täglich. dh) Die D. nach dem Verfahren von Mar Friedrich, Leipzig-Plagwitz, ist sehr zu empfehlen. — A. Desinfektionsmittel. Die Desinfektionsmittel werden, wie erwähnt, in sauer und alkalisch wirkende getheilt. Beide Arten dürfen in Gebäudekomplexen oder in ganzen Städten nicht gleichzeitig zur Verwendung zugelassen werden. Die sauren Desinfektionsmittel werden nur noch in ganz vereinzelten Fällen verwendet. Dieselben wirken desinfizirend, aber nicht klärend, u. reagiren sauer, s. oben sub a. Diealkalischen Desinfektionsmittel dagegen werden jetzt allgemein verwendet, u. unter ihnen zeichnet sich das Friedrichsche, unter dem Namen Reichs⸗

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 152Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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