Feedgewölbe genannt
BaukunstBau-Lexikon 1881

gewölbe genannt, engl. Welsh vault. c) Kuppeln, ebenfalls mit solchen Kappen, s. Fig. 1902, häufig fälschlich Sterngewölbe genannt. d) Helmgewölbe mitniedrigen Kappen. Hierbei können die das Helmgewölbe bildenden Walmstücke entweder nach Fig. 1903 von der Seite des Polygons aufsteigen und es ziehen sich dann also eingehende Winkel von den Eckpunkten auf, od. die Wangenstücke sind unten spitz und steigen, nach Fig. 1904, von den Ecken des Grundrisses auf, so daß die einspringenden Winkel von dem Kappenscheitel nach dem Hauptscheitel aufsteigen, eine bei goth. Chorschlüssen ziemlich häufige Form. e) Stern⸗ (gewölbe auf vierseitigem Grundriß; bei länglichem Viereck tragen dann meist zwei kurze Seiten der Grundfigur gewöhnliche Kreuzkappen, die beiden anderen Seiten je zwei schmälere, deren Achse also in schiefer Richtung gegen die Stirnmauer liegt, Fig. 1905; dies G. hieß dann auch wohl ungenau sechstheiliges Kreuzgewölbe oder, geradezu falsch, Muschelgewölbe. Mankönnte leicht noch sehr pviete Arten zusammengesetzter G. aufzählen. — 10. Verzierte Gewölbe, frz. voüte ornée. Zu diesen gehört zwar auch das schon erwähntes cheinbare Fachwerksgewölbe mit vertieften Kassetten, ferner das Gratgewölbe, frz. voüte en créte; engl. groined vaulting, bei welchem meist blos durch den Putz die Grate und oft selbst die Reihungen der einspringenden Winkel mit einer kleinen, schneppenartig vorspringenden Kante versehen sind, wie dies zum Theil im romanischen Stil, besonders aber im Barock⸗ u. Zopfstil vorkommt. Vor allem aber gehören hierher die Rippengewölbe oder Gurtgewölbe, frz. voüte à nervures, voüte ogivale, engl. rib-vaulting. a) Die einfachsten Arten derselben haben die Rippen, frz. nervures, ogives, k. engl. ribs, span. cadena, blos auf den charakteristischen Theilen, z. B. bei einem Kreuzgewölbe blos an den Gratbogen G in Fig. 1906. Dieser Gratbogen, auch Kreuzgurt, Kreuzbogen genannt, frz. are arétier, oroisée, aro diagonal, engl. cross-springer, diagonal arch, wird dann zur Kreuzrippe, Gratrippe, Diagonalrippe, frz. nervure aretière, croisée d'ogive, ogive f. de croisée, engl. groinrib, diagonalrrib. Ein so verziertes Kreuzgewölbe wird dann geripptes Kreuzgewölbe, auch Diagonalrippengewölbe genannt (I Fig. 1906); b) mit Diagonal⸗ und Scheitelrippen D (in III Fig. 1906), frz. grande lierne, ogive de sommet, engl. ridge-ribs, wodurch 5. B. ein Kreuzgewölbe (II, III Fig. 1906) in 8 Felder getheilt u. diese einzeln ausgewölbt werden, gewöhnlich normal auf die Diagonalrippen; e) mit obigen u. außerdem noch mit Streberippen, frz. tiercerons, engl. intermediate ribs, von dem Kämpfer nach der Mitte der Scheitelrippen zu (E in IV Fig. 1906); d) mit obigen und dazu noch mit Zwischenrippen, frz.liernes, engl. lierne-rib (EFFig. 1906), von den Diagonalrippen nach den Streberippen zu; e) mit nochmaligen Liernen, engl. jack-ribs, zwischen die obigen gesetzt, u. weiteren, blos zur Verzierung dienenden Rippen. f) Netzgewölbe, spätere Ausartung mit geschwungenen Rippen (im Grundriß krummlinig geführt); g) Rautengewölbe sind meist Tonnengewölbe mit Kappen; die Gratrippen der Kappen sind fortgesetzt, durchkreuzen sich u. bilden somit rautenförmige Fache, so daß ein scheinbares Fachwerksgewölbe entsteht. Bei einem so komplizirten System von sich gegenseitig versprengenden Rippen ist eigentlich eine Auswölbung der dazwischen liegenden Fache oder Schalen, frz. pan, engl. civary severey, shell of Lat n nicht nöthig, und dieselben werden daher mit ganz s anwirchen flachen Kuppelgewölben, frz. calotten, engl. en oder auch nach Art der böhmischen G. ausgesüllt, indem an die Rippen Widerlager für diese Auswölbung eingearbeitet sind. Auch die Fache zwischen den Rippen wurden noch vielfach durch Mäßwerk verziert. — 11. Muschelgewölbe, Halbkuppel, frz. voüte en IBLIOTHEK conque, en hémicycle, demi-dme, engl. semicircular niche-vaulting, half-dome, ist ein Nischengewölbe mit viertelkreisförmigem Querschnitt, selten etwas zugespitzt, also etwa das Viertheil einer Kugel darstellend. Man kann bei der Halbkuppel eigentlich alle die Variationen anwenden, die bei der Kuppel erwähnt wurden. — 12. Fächer⸗

Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 2, S. 451Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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