Glasmalerei, k., frz. peinture sur verre, engl. painting on glass, glass-painting, lat. pictura vitrea. So kann man zwar jede Malerei auf Glas nennen, versteht aber darunter meist die eingebrannte G., frz. peinture f. Napprét, en apprét, engl. glass-staining. Aus der Geschichte dieses Kunstzweiges sei hier nur Folgendes angeführt: Ihr Vorläufer war einerseits die Bemalung des Glases mit Harzfarben, die schon in Pompeji uns begegnet, anderseits die Verwendung bunter Scheiben, die in St. Paul bei Rom schon um 400 vorkommen und als Glasmosaikin Nachahmung der bis dahin zum Verhängen der Fenster gebrauchten bunten Teppiche erscheinen. Bunte Fensterscheiben ewähnen schon Johannes Chrysostomus, Hieronymus, Prudentius etc. — Um 480 erwähnt Bischof Sidonius Apollinaris in Clermont bunte Figuren zwischen grünem Glas (vergl. d. Art. Fenster). Auch die Sophienkirche Justinians hatte mehrfarbige Fenster und auch Fortunat von Poitiers erwähnt bunte Scheiben bei Beschrei-SLIOTHEK bung der Kirchen von Paris, Tours u. Bordeaux. Wenn man hier und bei den bunten Fenstern Leo's III. noch an Glasmosaik denken kann, so wird das Bemalen der Fensterflächen direkt bezeichnet 853 betreffs des Frauenmünsters zu Zürich, 856 betreffs S. Maria in Trastevere zu Rom. Neben der alten Harzmalerei (mit Kopal, Bernsteinlack, Gummi etc.) wendete man damals schon Zinksilikate zu Ankittung der Farbe an, oder auch Oelfarbe, resp. Harzfarbe zwischen zwei Scheiben, ja selbst Borax als Flußmittel. Nach Deutschland kam die G. erst durch missionirende Briten, welche schon sehr früh Emailarbeiten fertigten, bes. aber durch die Schottenklöster. Otto I. hatte aus Byzanz bunte Glasgefäße erhalten. Adalbero, ein Deutscher, stiftete 980 Fenster mit historischen Darstellungen in Rheims. Das erste Dokument über gemalte Fenster in Deutschland betrifft die 989 gestifteten Fenster in Tegernsee; 1022—1039 wurde in Hildesheim auf Glas gemalt von einem gewissen Buno unter Bischof Gotthard, welcher vorher in Tegernsee gewesen war. Aus dieser Zeit (1002 bis 1024) stammen die 5 Fenster in Augsburg. 1052 erwähnt der Chronist von St. Benigne bereits „staunenswerth gut erhaltene alte“ Glen. Ja, ums Jahr 1100 schrieb Mönch Theophilus schon eine Anweisung zu Herstellung bunten Glases, zum Zusammenfügen der Fenster, zu Befreitung und Anwendung des Schwarzlots, zu Herstellung der Lichter, zum Einschmelzen etc. In der Mitte des 12. Jahrh. war die G. über das ganze katholische Europa verbreitet, wurde aber in französischen u. englischen Ateliers nur von deutschen Arbeitern ausgeübt. In dieser ersten Periode ist das Malerglas nur Fritte, durch und durch in der Masse gefärbt (Hüttenglas ohne Ueberfang). Zu Herstellung der Innenkonturen und der Schraffirung diente das Schwarzlot, eine Farbe aus Kupferasche, Braunstein und Bleiglas grüner und blauer Färbung; durch theilweises Wegradiren des Schwarzlots konnte man braune Lasirungen, durch dünnes Auftragen desselben dunkelbraune Tönungen erzeugen, wie bei den Teppichfenstern in Heiligenkreuz bei Wien (Anfang des 13. Jahrh.). Noch älter sind die zu Neuweiler im Elsaß, die dem 12. Jahrh. angehören, s. Fig. 1920. Sämtliche Gemälde wurden mosaikartig aus sehr kleinen Stückchen zusammengesetzt. Färbende Grundstoffe sind beim Roth Kupfer, selten Eisen, bei Blau Eisen oder Kobalt, bei Gelb Kohle, bei Grün Kupfer. An Stelle der Fleischfarbe diente weißes Glas, seit Beginn des 13. Jahrh. Rosenroth. Wo Figuren vorkamen, sind sie streng statuarisch gehalten, selten von Architektur umrahmt, meist aber von reichemOrnamentumgeben. Ornament wie Architektur ist nicht plastisch, sondern als Flachornament behandelt, s. Fig. 1921. Die einzelnen Stücke sind durch Bleiruthen (s. Fensterblei) zusammengehalten. Einfachere Fenster (simplices fenestrae) waren meist blos aus schmutzigweißem Glas gefertigt und mit Schwarzlot schraffirt, hießen deshalb Grauwerk, frz. grisailles, die Verfertiger derselben Grauwerker oder Griesinger. — Erst die 1248 gefertigten Fenster vonSt. Kunibert in Köln, mit denen die zweite Periode beginnt, zeigen im Typus der Figuren den Beginn des gothischen Stils; die 1280 datirten in Marburg beginnen auch in dem Ornament sich vom romanischen Stil loszusagen, aber die um 1300 gefertigten von St. Thomas zu Straßburg halten immer noch am Teppichmuster fest. Um 1340 mit den Fenstern der Marienburg war die Wandlung vollbracht. Die architektonische Umrahmung der Figuren hatte die Teppichmuster fast ganz verdrängt (s. Fig. 1922). Die Stücke werden größer; auch zeigen sich schon in St. Kunibert die ersten Spuren von Ueberfangglas und Ausschleifen der Lichter, sowie von blauer, gelber, rosenfarbener u. grüner Glasmalerfarbe, seltener von gelber, noch aber wurden nie auf ein Stück zwei verschiedene Farben aufgetragen, so daß die Glasbilder dieser Periode im allgemeinen immer noch kolorirten Zeichnungen gleichen und wegen der wenigen ibliothek Heidelberg COFC Schatten sehr klar und durchsichtig sind so stark wie vorher die vielen Bleinähte selbst waren mehr ornamental gehalt hingestellt und ordneten sich der Archite dritten Periode (ca. 1400 —-1550) Scheiben angewendet, besser verbleit, sich verschiedenfarbiger Ueberfanggläser apprét. Der Stil wurde freier, die Wi d, wobei nicht mehr Das Ersterben stören. Die Bilder tektonischen Pr ten als selbständig ektur unter. In der vurden noch größere auch bediente man 12. Jahrhundert. ahrhundert. Zu Art. Glasmalerei. T, frz. peinture en immer zahlreie irkung malerischer. wurde nicht meh profaner Gebäude erhielten bunten Schmu letzten Zeit dieser ihrer Glanzperiode theilte Kirchenglasmalerei und Kabinetsmalerei. Periode noch stand Deutschland an der Sp gesprochene Glasmaler Jakobus Alemannt gest. 1491 in Bologna, war ein Ulmer Grie Kriegsknecht nach Italien gekommen; selb nische Glasindustrie verdankte alle wesentlich deutschen Meistern. In der vierten Per bis 1650, erhält sich die G. anfangs noch zie errungenen Höhe. Doch waren es nur die Frankreich, Spanien und Italien, welche sonders pflegten. In Deutschland und der namentlich Kabinetsmalerei, Wappen⸗ ur malerei getrieben. Allmählich sank dann die der Religionskämpfe von ihrer Höhe, aus an Aufträgen, theils an guten Arbeitern. sogar vielfach die Glen in den Kirchen. In Periode, etwa 1630— 1800, wurden die flauer, die Zeichnung der Technik so una möglich. Nur England und die Schweiz hi germaßen am alten Geist, während derselbe Spanien gänzlich, in Deutschland fast ganz So machte die G. nicht nur bedeutende Rückf ging sogar fast gänzlich zu Grunde, so daß Baseler Mammaretsch gesagt wird, er sei der letzte Glasmaler gestorben, nachdem sei 1560 aus Eßlingen nach Basel gezogen w sechsten Periode, d. h. in unserem Jah sich wieder gehoben, woran Sigmund Fra seit 1800 in Nürnberg, dann in Wallerstei Benediktbeuern und seit 1845 in München Antheil hatte, der namentlich auch die Ka d. i. mit mehreren Farben auf eine Platte zu malen, sozusagen wieder erfand und zur tung brachte. Wesentlich begünstigtwird dief durch die vervollkommnete Darstellung bu allen Farben u. Nuancen, wesentlich gehen einen übel angebrachten Stolz vieler Malet sie mit dem Entwurf zu einer G. beauftragt daß sie es nicht nöthig haben, sich um die Eintheilung des Fensters durch Pfosten kümmern; die Folge davon ist dann, daß Pfosten eine Figur mitten durchschneidet od.! Malern fehlt Berücksichtigung oder Kenntu so daß sie Sachen liefern, welche sich nicht au ohne daß durch die unentbehrliche Verbleiut lerische Wirkung des Bildes gestört wird. überwunden ward, wo der zeichnende od Künstler entweder selbst Techniker ist oder mit Technikern in Berathung setzt, wird nach gewissen Prinzipien der Zeichnung möglichst die Konturen dieser bildend. Eb bei Anfertigung von Glasbildern stets dara die Haupteigenschaften der G., Farbengl sivischen Charakter, aufrecht zu erha tiefsten Schatten müssen noch durchsichtig se muß in allen seinen Theilen, wenn auch vermanchfacht, Licht nach innen durchlasser auf, Fenster zu sein. Dies ist namentlich zu Nun kann aber bei der Art der G., woen auf eine Platte aufgetragen werden, der Fa zur Geltung kommen, da alle aufgetragene und glanzlos wirken, nach Jahren oxydirer sich ganz ablösen oder eine schmutzige Färb wie dies schon bei verschiedenen Fenstern eingetreten ist. Man sollte deshalb für Kin in der Fritte gefärbte Gläser in musivisch stellung verwenden und lediglich mit Schn ist ja auch die Glasfabrikation so weit ge jede Nuanee von in der Fritte gefärbten ich, und in der kann, um den Glasgemälder e sich die G. in welcher denen unserer Vorf Auch in dieser wirken ja nur dadurch so hitze; der heilig beit und Fleiß auf die Töne mus, geb. 1407, zum Malen selbst verwende esinger und als stellung dieser Gläser bst die venetia⸗ von so kleinen Stücken hen Fortschritte mit glücklich gewählten iode, ca. 1550Farben den Glanz heriemlich auf der vorbrachte. Wenn wir ie Niederlande, heute bei Anfertigung diese Kunst be⸗ von Kirchenfenstern Schweiz wurde weniger malen u. mehr nd Emblemen-Fleiß auf eine gute Zuie Kunst infolge sammenstellung der in Mangel theils der Fritte gefärbten Man zerstörte Gläser verwenden würn der fünften den, ohne natürlich die Farben immer gute u. zeitgemäße Bilangemessen wie dung der Zeichnung ingen noch eini⸗ hintenan zu stellen, e in Italien u. könnten wir mit den zvergessen war. Mitteln, die uns die schritte, sondern Glasfabrikation jetzt 1765 von dem bietet, die Kunst unserer i um 1735 als Vorfahren erreichen, ine Familie um wenn man natürlich var, erst in der nicht verlangt, daß wir hrh., hat die G. auch das Alter der Fenank, geb. 1770, ster gleich mit bewerk in, seit 1818 in stelligen sollen. Innithätig, großen ges Anschließen an Stil abinetsmalerei‚ u. Form des Fensters weißen Glases u. an seine architektonir größeren Gel⸗ schen Abtheilungen ist ser Aufschwung dabei eine Hauptsache. unter Gläser in Alle Hauptfarben u. mmt aber durch Lokaltöne müssen dem , welche, wenn Glas während des t sind, glauben, Flusses einverleibt werarchitektonische den; s. d. Art. Hütten- oder dergl. zu glas u. Glas. Bei rein 3 oft ein solcher ornamentaler oder auch dergl. Anderen bei musivischer Anordnis der Technik, nung wende man die usführen lassen, lebhaftesten Farben ing etc. die künst⸗ nur an den Hauptthei-Wo dieser Stolz len an, z. B.auf Blumen der entwerfende in der Mitte von Mewenigstens sich daillons, auf die, die die Verbleiung Felder eintheilenden folgen können, Streifen etc. Man hüte henso muß man sich aber sehr vor Farauf bedacht sein, benüberladung: dem lanz und mu-Grund des Fensters alten; selbst die gebe man eine neutrale sein, das Fenster Farbe. Dielebhafteren ) modifizirt und Farben müssen im n, sonst hört es Gleichgewicht zu einu berücksichtigen. ander stehen. Auch auf mehrere Farben die Stellung der Fenarbenglanznicht ster nehme man bei der en Farben matt Wahl der Farben Rückin und entweder sicht; z. B. ein nach Süzung annehmen, den gerichtetes Fenster unserer Periode erhalte im Hauptgrund rchenfenster nur eine kalte, graue Färbung, her Zusammen⸗ Grün, Blau u. Purpur ve varz malen. Es erhalte rehbraunen Grund ediehen, daß sie herrsche vor. Gelb, von P Gläsern schaffen reich; zu Lila steht Schwo O Universitätsbibliothek Heidelberg dunkel sein, ebenso Blau. Bei Fenstern, die zum Hinaussehen bestimmt sind, beschränke man die G. nur auf einzelne Theile, wie denn überhaupt auf Größe u. Farbe, auf Zweck und Charakter des durch ein gemaltes Fenster erhellten Raumes bei der Bemalung dieses Fensters sorgfältig Rücksicht zu nehmen ist. In neuerer Zeit trägt man auch Kupferstiche u. Lithographien auf Glas über (Glasdruch), od. ätzt auf Glas u. reibt in die Vertiefungen Farbe ein, die man dann einbrennt (Glasätzung); auf ähnliche Art kann man die auf mit Firniß überzogenem Glas erhaltenen sogenannten negativen Photographien zu positiven Glasbildern machen, indem man das Glas rothglühend macht; treibt man diese Erhitzung so weit, daß das Glas auf seiner Oberfläche in Fluß kommt, so wird das Bild ganz unauslöschbar, verliert aber etwas an seiner Kraft. Die Malerei mit Oelfarbe, besser Lackfarbe, auf mattgeschliffenem Glas bekommt selten viel Dauer; doch ist zu Belegung von Wänden und Decken die Anwendung von Glasplatten zu empfehlen, deren Rückseite mit Oelfarben bemalt ist, s. d. Art. Glasdecke. Auch die Erfindung des Kathedralglases hat den neueren Aufschwung der G. sehr gefördert. Ueber andere ornamentale Verwendung des Glases, Darstellung bunter Gläser etc. s. d. Art. Glas.