Gravirung, f. frz. gravure, engl.engraving. 1. Heliographische, auf Marmor und lithographischen Stein. Der hierzu brauchbare Marmor muß hart sein, dabei sehr feines Korn u. nur einerlei Farbe, weder Adern noch Flecke haben. Demnach sind der feine schwarze Marmor sowie der weiße Marmor von Carrara, ebenso auch die gelben u. blauen lithographischen Kalksteine ausgeschlossen. LIOTHEK Der weiße Marmor ist zwar sehr hart, aber dabei zu grobkörnig; jedoch ist er noch für Mosaik zu verwenden, indem man darauf Verzierungen mit groben Strichen u. flachen Tinten graviren kann. Der heliographische Firniß wird aus demjenigen Erdharz (s. d.) bereitet, auf welches Luft und Licht am langsamsten einwirken. Man löst 4 g. Erdharz in 30 g. Benzin u. 10 g. Citronenöl auf. Dieser Firniß hat den Bortheil, alle Halbtinten zu geben; er würde aber der Wirkung des Scheidewassers nicht widerstehen, wenn man ihn nicht vor seiner Anwendung /, % Stunde der Einwirkung des Lichts aussetzt, was ihm Widerstand und zugleich ein wenig Empfindlichkeit ertheilt. Man polirt den Stein vollkommen, reinigt ihn zuerst mit Benzin und zuletzt mit Alkohol, überzieht ihn dann mit einer Schicht heliographischen Firnisses, und wenn diese trocken ist, legi man auf selbige entweder ein Verzierungsdessin oder ein positives Lichtbild, das auf einem Glas mit Eiweißüberzug od. auf Papier dargestellt wurde. Die Verzierungsdessins müssen auf chinesisches Papier gedruckt sein oder auf sehr dünnes Papier, wie es die Photographen anwenden. Das Auftragen des Lösungsmittels und das Waschen geschehen wie beim Verfahren auf Metall. Beim Aetzen des Marmors säuert man Wasser schwach mit Salpetersäure und läßt lieber dasselbe längere Zeit wirken, als daß man einen stärkeren Zusatz von Salpetersäure nimmt. Gravirt man ein Verzierungsdessin, welches nur flache Tinten hat, so ätzt man tiefer, damit die vertieften Theile die fremden Körper (Vergoldung od. fette Tinten von verschiedenen Farben) gehörig zurückhalten können, welche man später hineinbringt, um das Dessin hervorzuheben. Um tief zu ätzen, kann man den Stein ein zweites Mal mit der Walze firnissen und das Aetzen wiederholen. Bringt man eine kleine Platte von Marmor od. lithographischem Stein in die camera-obscura, so erhält man eine Zeichnung nach der Natur, u. wenn man in dieser Weise eine flache Arbeit od. ein Medaillon kopirt, so erhält man einen auffallenden Reliefeffekt, besonders bei nur schwacher Aetzung. — 2. Galvanoplastische Gravirung. Man überzieht eine Glasplatte mit dem Firnißgrund der Kupferstecher, welcher jedoch ein wenig leitend gemacht wurde. Der Gegenstand wird dann mit einer Radirnadel darauf gezeichnet, indem man den Grund bis auf die Oberfläche des Glases wegnimmt. Die so präparirte Platte stellt man in das galvanoplastische Bad, u. das Kupfer, welches sich in den Strichen absetzt, liefert das Dessin als Relief. Manerhält so unmittelbar eine Platte, welche in der Buchdruckpresse abgedruckt werden kann.