griechischer Baustil, m., frz. style m. grec, architecrure f. grecque, engl. grecian style. Ueber die kunsthistorische Stellung desselben s. d. Art. Baustil. Das für Handel und Ackerbau günstig gelegene, mit allen Reizen der Natur und mit Marmor in verschiedenen Härten und Farben, weichem und hartem Holz und Silber reich ausgestattete Hellas bot in der reichen Manchfaltigkeit seines coupirten Terrains Gelegenheit zu Entfaltung individuellen Sonderlebens, in der Milde seines Klimas Gelegenheit zu Entfaltung feiner Kultur, ohne Beengung durch gewaltsam entgegenstehende Naturkräfte. Erste, heroische Periode, bis um 1100 v. Chr. Das Land, ursprünglich von einem vermuthlich pelasgischen Volksstamm bewohnt, der eine halborientalische Kultur hatte, wurde durch phönikische, äghyptische und phrygische Einwanderer bevölkert, welche sich mit den Ureinwohnern verschmolzen. Die Bauwerke dieser Periode nennt man pelasgische oder auch kyklopische, wegen der riesenhaften Dimensionen ihrer Theile. Sie finden sich nicht blos in Hellas, sondern auch in Kleinassen, in den lykischen, phrygischen etc. Landschaften, sowie auf der trojanischen Ebene, kurz in den Gegenden, von wo aus die Pelasger vermuthlich theils nach Griechenland, theils nach Etrurien (vergl. Etruskisch) auswanderten. Von diesen Werken, welche die Einleitung zum griechischen Baukunstleben bilden, erwähnen wir hier blos Folgendes: 1. Grabhügel, theils von Homer beschrieben, theils in Trümmern auf den trojanischen Ebenen, s. Fig. 2011 u. 2012, erhalten, auffallend ähnlich den in Fig. 1635 und 1636 dargestellten Grabhügeln von Cäre; nur die zahlreichen Thüren fehlen. Auch die Konstruktion der Grabkammern ist etwas sorgfältiger wie in Cäre, folgt aber denselben Prinzipien. Vgl. auch d. Art. Grabmal. — 2. Städtemauern, theils von ganzunregelmäßigen Bruchsteinen ohne Mörtel, aber äußerst genau und forgfältig zusammengearbeitet, theils schon zu — obgleich ungleichmäßigen u. unterbrochenen — Schichten durch parallele Bearbeitung der beiden Lagersiothek Heidelberg DFC flächen der Steine gebracht; vergl. Fig. 2035. Oft sindet man auch Mauern, bei denen 2—3 Schichten in Bruchsteinverband aufgesetzt sind, wwrauf eine Gleichschicht folgt, um dann wieder dem Bruchsteinverband Platz zu macher Solche Mauern sind oft bis 5 m. stark und an den be treffenden Punkten durch vorspringende eckige, halbrunde oder runde Thürme geschützt, ähnlich wie die Hafendämme und Leuchtthürme konstruirt. — 3. Die Thore waren zum Theil, ähnlich den ägyptischen, nach oben verengt und I mit wägrechtem Sturz geschlossen u. hatten darüber eine Entlastungsöffnung, die dann vielleicht mit einer verzierten Steinplatte ausgesetzt war, wie am Löwenthor zu Mykene, Fig. 2035. Die Gewände waren entweder ganz glatt oder nach Fig. 2037 gestaltet. Eine andere Weise de Thürüberdeckung zeigt Fig. 2036, Thüre in Thoriko Quellhäusern, Schatzhäusern, gewissermaßen trichterförmig, doch seltener mit geradlinigem als mitspitzbogigem Profil. Das besterhaltene Beispiel ist das sogenannte Schatzhaus des Atreus zu Mykene, Fig. 2039 u. 2040. — 5. Tempel waren vermuthlich meist von Holz auf kyklopischem Unterbau; erhalten ist davon fast nichts, wenn man nicht dahin das steinerne Haus auf dem Berg Ocha (Insel Euböa) rechnen will, welches von Ost nach West orientirt ist. Vielleicht hatten auch die Pelasger gar keine Tempel, sondern blos Altäre im Freien. — 6. Wohnungen der Herrscher. Diese kannten wir bis vor kurzem nur aus Homer, doch hat man neuerdings auf Ithaka Ruinen eines Hauses aufgefunden, welches man für das Königshaus des Odysseus hält, s. Fig. 2041. Durch ein Schatzhaus des Atreus zu Mykene. Fig. 2040. Thora in den hohen Umfassungsmauern, vor welchem vielleicht ein Propyläon Klag, gelangte man in den Vorhof siothek Heidelberg DFC (QAu¹ν) A, rechts u. lints mit Wirthschaftsgebäuden hinter Säulenhallen besetzt; gegenüber lag der Eingang e zum zweiten Hof B mit dem Altar des Zeus Herkeios d in der Mitte und einigen Fremdenzimmern etc. D D zur Seite. Im Hintergrund stand das eigentliche Wohngebäude (dedr oder 56h0s), durch dessen Hauptthüre, vor der die Aithusa (s. d.) oder auch ein Vorhaus (οομοεν) lag, man in den Männersal (5½ον) gelangte, der vermuthlich in drei Schiffe getheilt war (durch zwei Säulenreihen). Die Seitenthüren dieses Säles führten in die Waffenkammer, den Garten etc. Den hinteren Theil des Hauses oder einen das gemeinsame Schlaf-Ordnung. Fig. 2045. h. eine Schatzkammer G, Thürhüterhäuschen J. — 7. Aus-Ueber dieselbe wissen wir bestanden aus Balken mit einer denen ein flacher Aestrich zweiflügelig, von Erz od. Stein, den Wänden mit Erz verkleidet. Man hat in Ruinen Spuren von Halbsäulen und Verzierungen aus grünem, rothem und weißem Marmor sowie Zickzack- und Netzwerk gefunden, Alles Zeichen von ägyptischem und asiatischem Einfluß. Ein Beispiel davon ist Fig. 2042, eine der beiden Säulen, die bei dem Schatzhaus des Atreus gefunden worden sind. Zweite Periode. 1100 bis ca. 500 v. Chr. Zeit des dorischen Uebergewichts. Die Dorier drangen vom Norden her im Peloponnes ein, während sie früher im rauhen Gebirgsland zwischen Oeta u. Parnaß gewohnt hatten, u. verdrängten die Achäer und Jonier, welche nach Kleinasien auswanderten. Die Dorier nun begründeten den griechi-Auffassung. Ihre Gebäude Stein, theils aus Holz Wallfahrtstempel der Aegypter fassen mußte und zu diesem Zweck eine Reihe großer Vorräume enthielt, fanden sich in Griechenland anderweit Herbergen für die Wallfahrer, u. der Tempel war nur eine Wohnung Gottes und als solche (in Gestalt einer Cella ohne Fenster) streng abgeschlossen von der Außenwelt, mit derselben aber doch durch Vorhallen für die nahenden Gläubigen in Verbindung gesetzt (Säulenhallen ringsum). Als Haus Gottes erhielterein sichtbares Dach (Giebel), dessen Herstellung durch das schöne Bauholz ermöglicht war und welche die Griechen jedenfalls von den Lykiern etc. gelernt hatten. Die Erhabenheit der Bestimmung wurde durch den Stufenunterbau angedeutet. Das demokratische Element gab sich durch die Gleichheit sämtlicher Säulen und die gleichmäßige Durchführung aller Verzierungen kund; eines der besterhaltenen Beispiele frühdorischer Tempel ist der Poseidontempel zu Pästum, s. Fig. 2043. Die einzelnen Arten der Tempel s. unter d. Art. Tempel. Die Detailbildung s. unter d. Art. Dorisch. — 2. Oeffentliche Gebäude. Schon fing die sich noch in dieser Periode nach Sizilien und Kalabrien (Girgenti, Pästum), und die dort erhaltenen De u lehren uns nicht nur die Entwickelung der dorischen Bau⸗ 10 weise kennen, sondern gestatten auch einen freilich nur sick 15 darüber die Art. Dorisch und Welnedns Noch in si dieser Periode entwickelt sich, an persische und kleinasiatische Vorstufen anlehnend, in Kleinasien die ionische Säulen-fi ordnung und dringt i in den Peloponnes und nach Si-3 zilien; s. Jonisch. höher stieg die feine und feiner gestalteten ionische Säulenordnung verdrängen und in mehreren glänzen (vgl. d. Art. Attisch und Jonisch). Die schönsten Tempel, unter ihnen das Parthenon, Fig. 2046, sowie auch ganze Geere Anlagen, z. B. die Akropolis zu Athen etc., sind Denkmale dieser Glanzperiode griech. Kunst; Fig. 2047. 1. Tempel wurden mit dem höchsten Glanz ausgestattet u. in manchfachster Modifikation der Grundform ausgebildet. Ein bes. bekanntes Beispiel solcher gruppirten Anlage ist das Erechtheion, Fig. 2048. Näheres s. im Art. Tempel. — 2. Theater u. Odeen erhoben sich allerwärts u. wurden mit Schirmdächern u. sonstigem Komfortreichlich versehen. Stadien und Hypodrome reihten sich ihnen würdig an. — 3.Burgen. Auf Felsen und Burgen erhoben sich die Akropolen der Städte mit großartigen Freitreppenanlagen, Propyläen u. s. w. Die Befestigungsmauern waren akkurat und sauber in Quadern ausgeführt; s. Fig. 2047. — 4. Häfen, Straßen etc. wurden mit großem Kostenaufwand angelegt. — 5. Grabmäler in den manchfachsten Formen, öffentliche Ehrendenkmäler, Statuen re. zierten die men der Thüren und Fenster zeigen ebenso, wi der Säulen, manchfache Modifikationen; man uscheidet meist dorische, ionischeu. korinthische (s.d. betr.L die attischen können füglich als Unterabtheilung der schen angesehen werden. Ueberhaupt ist ja die Trenr der griechischen Bauform in den drei Gruppen Dor Jonisch und Korinthisch erst von späterer Zeit erfun In der That sind die Formen höchst manchfach und immer so streng von einander geschieden, wie man gew lich annimmt. Es findensich ionischeKapitäleunter Triglyphengebälken, so- wie auf Säulen ohne Fuß, dorische Kapitäle auf Säulen mit attischem Fuß, dorische Kapitäle unter Gebälken ohne Triglyphen etc. Alexander dem Großen bis zur Römerherrschaft, 333—146 v. Chr. Die Selbständigkeit der Griechen war verloren gegangen. Als Motiv zu Errichtung vonKunstwerken trat an die Stelle des Patriotismus, der Religiosität u. des Kunstsinns das Geheiß des Herrschers u. die gesteigerte Prunksucht. Hier und da gefiel man sichineiner geflissentlichen alterthümelnden Nachahmung des Stils der zweiten Periode (ar⸗⸗ chaistischer Stil), ähnlich wie wir jetzt in Stilen früherer Zeiten bauen. In den vielen inneren Zerwürfnissen u. dadurch herbeigeführten häufigen Veränderungen begrürndete sich etwas Hastiges, Unruhiges. Durch die Theilnahme der Griechen an den Zügen Alexanders ward griechische Kultur weit verbreitet, durch die Rückkehr der Kämpfer in ihre Heimat manches orientalisch-phantastisch üppige Element nach Griechenland gebracht. Wo noch dorisch gebaut ward, wurde diese Säulenordnung schwächlich, nüchtern und unverstanden angewendet, auch die ionische Säulenordnung wurde weichlicher und N reicher gestaltet; die koöor rinthische aber stand in voller Blüte, an ihr konnte man viel Pracht entf ihre Formen gestatten mehr noch als die der an Variationen und bieten sogar einer ziemlich weitgr den Willkür Raum. Sie ist sehr schlank und man s damals nach Kolossalität, bes. nach Höhe, ein Str mit welchem sich nun freilich der wägrechte Sturz vertrug, eben so wenig, als die ewig gleichförmige W kehr der Säulen wirkliche Manchfaltigkeit gestattet ie die man daher nur im einzelnen erreichen konnte, hier aber inter-auch möglichst zu erreichen suchte. Zeichen von diesen Be-Art.), strebungen sind die manchfachen Variationen in der Kaioni⸗ pitäldekoration. Wir geben hier nur wenige. Fig. 2049, nung das an das ionische sich anlehnende Kapitäl aus dem Tempel risch, des Apollo zu Milet, Fig. 2050, Kapitäl vom Thurm der nden. Winde zu Athen, Fig. 2051, Antenkapitäl aus dem Denicht metertempel zu Athen. 1. Tempelbauten und andere zöhn-öffentliche Gebäude aus dieser Periode sind selten, die falten‚ wenigen zeigen riesige Verhältnisse und Ueberladung mi nderen Ornamenten bei fast unzureichender Technik und ziemlic reifen⸗ nachlässiger Ausführung; die Disposition der Tempel abe strebte blieb dieselbe. Häufig waren alle drei Säulenordnunger reben, an demselben Gebäude vertreten. — 2. Privatgebäud z nicht wurden mit größerer Pracht als jemals ausgestattet. Z zieder⸗ den früheren Räumen kam noch ein Hof, rings von Säulen te, die hallen umgeben, von denen oft eine bedeutend höher wa versitätsbibliothek Heidelberg als die drei anderen (rhodisches Peristyl). Hinter diesen Hallen lagen die Festsäle (9540), welche manchfach, zum Theil sehr reich disponirt und dekorirt waren und danach auch besondere Namen führten; ferner Pinakotheken, Bibliotheken, Exedren etc. Diese Festräume waren nur für Männer bestimmt u. hießen deshalb Androna. Oft kamen dazu noch besondere Häuserchen für die Fremden, Gärten etc. — 3. Grabdenkmale, choragische Monumente etc. zeigen einen hohen Grad von Zierlichkeit, ohne aber die frühere Großartigkeit zu erreichen. So war die griechische Kunst zwar nicht mehr so kräftig und elastisch wie früher, immerhin aber stand sie noch auf hoher Stufe, denn die fremden Herrscher hatten alle schonend verfahren und das Zissenschafts⸗ und Kunstleben der Griechen unangetastet gelassen. Erst die Römer zerstörten die schön entfaltete Pflanze, indem sie versuchten, sie nach Rom zu verpflanzen, als wenn die Kunst sich beliebig verpflanzen ließe! Wie der griechischen Kunst diese Behandlungsweise bekam, das f. unter d. Art. römischer Stil. Auch neuerdings wiederum hat Schinkel eine Verpflanzung des griechischen Stils in unsern Norden versucht (s. dar. d. Art. Baustil etc.). griechishe Fenster undéhüren waren meist oben enger als unten; s. Attisch, Dorisch, Jonisch, Korinthisch.