Fortlage (Arnold Rudolf Karl), deutscher Philosoph, geb. 12. Juni 1806 zu Osnabrück, wo sein Vater Gymnasialdirektor war, studierte seit 1825 erst Theologie zu Göttingen und Berlin, wandte sich dann aber, durch Hegels Vorträge bewogen, philos. Studien zu, die er 1828 — 29 in München unter Schelling fortsetzte. Während dieser Zeit erregten die Iuthter Manne Zweige der Fichteschen Schule in ihrer Mannigfaltigkeit sein besonderes Interesse, und so trat er mit Krause in Göttingen, Wagner in in Bonn Schelver in Heidelberg, Windischmann in Bonn, G. H. von Schubert, Oken, Görres und Baader in München in mehr oder weniger nahe Beziehungen. Seit 1829 Privatdocent zu Heidelberg, war F. bestrebt, durch ein Zurückgehen auf die Kantschen Kritiken einen festen Gesichtspunkt zur Orientierung unter den verschiedenen Philosophenschulen älterer und neuerer Zeit zu gewinnen, welches Streben er in den Schriften «über die Denkweise der ältesten Philosopheno (Münch. 1829), «Die Lücken des Hegelschen Systemsy (Heidelb. 1832), «Philos. Meditationen über Platos Symposion (Heidelb. 1835), «Aurelii Augustini doctrina de tempore „ (Heidelb. 1836) und „Darstellung und Kritik der Beweise für das Dasein Gottes» (Heidelb. 1840) bekundete. Daneben gingen aus seinen litterarhistor. Studien die „Vorlesungen über die Geschichte der Poesie v (Stuttg. 1838) hervor. Da F. von Schellings Auftreten in Berlin eine fruchtbare philos. Bewegung erhoffte, siedelte er dorthin über, wo er bis 1845 als Privatdocent an der Universität unter dem anregenden Umgange mit Trendelenburg und Beneke vorzüglich psychol. Studien oblag. Als Resultat dieser Studien veröffentlichte er Hundert Thesen zur Psychologies (Berl. 1843). Seit 1846 Professor der Philosophie zu Jena, hielt F. Vorträge über Psychologie, Geschichte der Philosophie, Logik, Moral und Religionsphilosophie; er starb 8. Nov. 1881 zu Jena. F.s Ideen zur Orientierung in den Richtungen der Systeme aus der Kantschen Schule legte er nieder in der 4Genetischen Geschichte der Philosophie seit Kantz (Lpz. 1852), während er die Ergebnisse seiner psychol. Forschungen in dem »System der Psychologie als empirischer Wissenschaft aus der Beobachtung des innern Sinnesy (2 Bde., Lpz. 1855) entwickelte. Außer diesen Arbeiten auf philos. Gebiete lieferte er in der Schrift «Gesänge. christl. Vorzeitv (Berl. 1844) übertragungen einer Auswahl griech. und lat. Kirchenhymnen, und in dem Werke «Das musikalische System der Griechen v (Lpz. 1847), das in seinem Artikel über „Griech. Musiko in der «Allgemeinen Encyklopädien (1. Sektion, Bd. 81, H 1864) im Auszuge enthalten ist, einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der Musik. Zu diesen ältern Schriften kamen später hinzu: «Friedrich Rückert und seine Werkey (Frankf. a. M. 1867), «Acht psychol. Vorträged (Jena 1869; 2. Aufl. 1872), 4«Sechs philos. Vorträge» (Jena 1870), Vier psychol. Vorträge v (Jena 1874) und „Beiträge zur Psychologie als Wissenschaft aus Spekulation und Erfahrung v (Lpz. 1875). Aus seinem Nachlasse erschien ein Bruchstück zur Religionsphilosophie,«Das Menschheitsideal der Moralität nach dem Christentumv, in den Jahrbüchern für prot. Theologiev.