Fourier (Charles), franz. Sozialist und Begründer des nach ihm benannten sozialen Systems, geb. 7. April 1772 zu Besangon, besuchte das Collge seiner Vaterstadt, konnte aber seinem wissenschaftlichen Triebe nicht nach Wunsch genügen, da ihn sein Vater, ein Tuchhändler zu Besangon, schon früh zum Handel bestimmte. Der dauernde Unmut über einen verfehlten bürgerlichen Beruf legte, wie es scheint, mit den Grund zu seiner spätern Richtung zu seinem Kampfe gegen den Zwang der gesellschaftlichen Verhältnisse. Zu Rouen, dann zu Marseille und Lyon bekleidete er untergeordnete Stellen im Handelsfache. Durch Eifer in Erfüllung seiner Berufspflicht erwarb er sich die Achtung seiner Prinzipale und führte noch kurz vor seinem Tode die Korrespondenz eines mit Amerika in Verbindung stehenden Hauses. F. starb 10. Okt. 1837. Nach seinem Tode erschienen seine Oeuvres complèteso (6 Bde., Par. 1840—46; neuer Abdruck 1870). Am ausführlichsten ist das Fouriersche System entwickelt im Traité de P'association domestique-agricoles (Par. 1822), einem höchst wunderlichen Werke, welches in schwerfälliger, oft dunkler Sprache und in neugeschaffener Terminologie neben einer Menge von Thorheiten und Sonderbarkeiten doch auch höchst geistvolle Partien umfaßt. F. ist nicht Kommunist; er will weder das Grundeigentum noch das Kapitaleigentum aufheben, aber er Lient die Vereinigung der besitzenden und besitzlosen Mitglieder der Gesellschaft zu eigentümlichen Gruppen, den sog. Phalangen, in denen sowohl die Produktion wie die Konsumtion nach dem von ihm vorausgesetzten System der natürlichen Harmonie geordnet werden soll. Eine solche Phalanx bildet eine Vereinigung von 12—1800 Personen jedes Alters und Geschlechts, die ein Stück Land von ausreichender Größe gemeinschaftlich bewirtschaften und in einem palastartigen Gebäude, dem Phalanstere, zusammen wohnen. Die Waboungenm können sich in demselben bessere Wohnungen mieten, und sie erhalten für ihre Kapitaleinlagen einen besondern Anteil an dem gesamten Arbeitsertrag. Doch ist auch den gänzlich besitzlosen Arbeitern ein Minimum an Lebensgenüssen zugesichert, das nach den phantastischen Ausmalungen F.s weit über das gegenwärtig den Reichen zugangliche Maß hinausgeht. Dem größern Talent wird noch eine besondere Vergütung zuteil. Die Arbeit soll nach F. durch einen täglich mehrfach wiederholten Wechsel der Beschäftigung und Berücksichtigung der natürlichen Neigungen eines jeden anziehend und unterhaltend gemacht werden. Die ökonomischen Vorteile des im Großen betriebenen gemeinschaftlichen Haushalts wie überhaupt des Systems der Association weiß F. teilweise treffend zu schildern, doch verliert er sich bei der bis ins einzelne gehenden Schilderung des Einrichtung des Phalanstere und des herrlichen Lebens der Insassen desselben in kindische Phantastik. Die Re daß den natürlichen Trieben (Passions) des Menschen volle Freiheit der Entfaltung gegeben werden müsse, weil aus ihnen von selbst die natürliche Harmonie hervorgehen werde, führte ihn begreiflicherweise auch zu sehr bedenklichen moralischen Theorien. Seine kosmologischen Träumereien, namentlich in seiner ersten Schrift: „Theéorie des quatre mouvementsv, sind auch von seinen Anhängern meistens mit Stillschweigen übergangen worden. 0 un Foes Schüler hat F. nie gefunden, wenn auch in Frankreich und Amerika einige Versuche gemacht worden sind, Phalansteres nach seinem Plane zu gründen. Der bedeutendste seiner Anhänger it V. Considérant (s. d.), von den übrigen sind noch etwa Gust. Muiron, Pompery, Cantagrel, Pellarin, Borrier zu nennen. Jüngerer Nachwuchs der Fourieristen, die während der Februarrepublik sich noch etwas geltend machten, ist in Frankreich kaum noch zu finden. Vgl. Pellarin, Vie de F.v (5. Aufl., Par. 1871).