FeedLyttelton (George, Lord)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Lyttelton (George, Lord), engl. Dichter und Geschichtschreiber, ein Nachkomme des Oberrichters Lyttelton (gest. 1481), dessen Treatise on tenuresp eine der Hauptgrundlagen der engl. Rechtswissenschaft bildet, wurde 17. Jan. 1709 zu Hagley in der Grafschaft Worcester geboren, trat unter dem Ministerium Walpole ins Unterhaus und zeigte sich hier als heftiger Gegner der Regierung. Nachdem Prinz Friedrich von Wales ihn 1737 zu seinem Sekretär gewählt hatte, wurde er 1744 Lord der Schatzkammer und Geheimrat, mußte indes sein Amt bald niederlegen. Erst nach dem Tode Pelhams erhielt er 1755 das Amt eines Kanzlers der Schatzkammer, doch auch dieses verlor er schon 1757, wurde aber gleichzeitig als Lord L. von Frankley in den Peersstand erhoben. Er starb 22. Aug. 1773. Sein Hauptwerk: (IUistory of the life oft Henry II.v (5 Bde., Lond. 1755—71; deutsch von Weigel, Nürnb. 1791), ist zwar weitschweifig, beruht aber auf gründlicher Forschung. Großes Aufsehen machten seine in poetischer Form geschriebenen Dialogues of thedeady(Lond. 1767). Seine Poetical workso, die zugleich mit denen von Hammond (Glasg. 1787) erschienen, zeichnen sich durch korrekte metrische Form aus. Sein litterarischer Nachlaß erschien unter dem Titel Miscellanieso (3 Bde., Lond. 1776). Sein einziger Sohn, Thomas, zweiter Lord L., geb. 1744, ein berüchtigter Wüstling, dem man neuerdings, wiewohl ganz ohne Grund, die Verfasserschaft der Juniusbriefer zugeschrieben hat, starb kinderlos, wahrscheinlich durch Selbstmord, 1779. Auch die unter seinem Namen erschienenen „Letters of Thomas, Lord L.v (3 Bde., Lond. 1780 —82) sind unecht. Der jüngere Bruder George L.s, William Henry, war 1755—60 Gouverneur von Südcarolina, dann von Jamaica und 1766 Gesandter in Lissabon. Im Juli 1776 mit dem Titel Lord Westeote zum Peer von Irland erhoben, erhielt er im Aug. 1794 als Lord L. von Frankley auch die engl. Peerswürde und starb 14. Sept. 1808. Sein Enkel, George William Lord L., geb. 31. März 1817, studierte in Cambridge und wurde, nachdem er 1837 seinem Vater in der Peerswürde gefolgt, 1840 zum Lordlieutenant von Woreestershire ernannt. Er war 1846 im Ministerium Peel Unterstaatssekretär für die Kolonien und machte sich namentlich durch seine hochkirchlichen Bestrebungen bemerklich. Seiner Unterstützung verdankte besonders die theokratische Musterkolonie Canterbury auf Neuseeland ihr Entstehen, deren Hauptstadt ihm zu Ehren den Namen L. erhielt. Von L. erschienen unter anderm: KThoughts on national education (Lond. 1855), (New-ealand and the Canterbury colonys (Lond. 1859), Ephemera, series 1 and 29 (Lond. 1865 —72), gesammelte kleinere Schriften, besonders über kirchliche und Erziehungsfragen. Während seiner letzten Lebensjahre verfiel er in Melancholie und endete durch Selbstmord 18. April 1876. Vgl. Gladstone. (Brief memorials of Lord L., with a biographical sketcho (Lond. 1876). In der Peerswürde folgte ihm sein Sohn, Charles George, geb. 27. Okt. 1842; er war 1864—74 liberales Parlamentsmitglied für Worcestershire.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 11, S. 295Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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