Frank oder Franck (Sebastian), von Wörd, einer der besten Volksschriftsteller des 16. Jahrh. und mystischer Fideld geb. 1499 in Donauwörth, erhielt seine Ausbildung im Dominikanerkolleg Bethehem zu Heidelberg, wohnte Luthers Disputation 1518 bei und schloß sich bald der Reformation an. Obgleich vorher geweihter Priester im augsburger Sprengel, ward er bald nach 1525 evang. Prädikant im nürnbergischen Flecken Gustenfelden bei Schwabach. Hier schrieb F. den oft gedruckten Traktat „Von dem greulichen Laster der Trunkenheit » (1528). Schon hier zeigt sich sein Eifer für die sittliche Reform, welche ihm wichtiger erscheint als die Reinigung der Lehre, sein Dringen auf die innere Frömmigkeit des Herzens, welche nur zu häufig über dem Buchstaben der äußern Lehre vernachlässigt werde. Seit seiner Verheiratung mit Ottilie Beham (1528) in Nürnberg angesessen, gab er in deutscher Übersetzung heraus den «Klagbrief der armen Dürftigen in Englandy (1529), worin der König um Durchführung der Reformation gebeten wird, und die Chronik und Beschreibung der Türkei » (1530), wo er den Christen manche gute Sitte der Türken als beschämendes Beispiel vor Augen stellt. Vor allem aber wänttealse ihn die Weltkunde, welche er darstellen wollte als &Spiegel der wunderbaren göttlichen Weisheit und der menschlichen Thorheit, als große Bußpredigt für alle, die noch in sich gehen können und wollenv. In Nürnberg war die Censur zu streng, deshalb begab sich F. nach Straßburg. Hier erschien 1531 «Chronika. Zeitbuch und Geschichtsbibel, darin Gottes und der Welt Lauf ersehen wird, vormals in deutschen Zungen nie gehört noch gelesen o. Es war die erste deutsche Universalgeschichte, in der Benutzung der Quellen freilich durchaus unkritisch, aber für die Kenntnis jener Zeit noch jetzt wertvoll und wegen der echt volkstümlichen Sprache ein vielgelesenes Volksbuch. Aus Straßburg vertrieben, ging F. nach Frankfurt und ließ hier einzelne Teile seiner verbotenen «Chronikav, sowie die erste deutsche «Sprichwörtersammlung drucken; 1532 og er nach Eßlingen und nährte sich hier als Seifensieder; doch siedelte er schon 1533 nach Ulm über. Jetzt schrieb er sein «Weltbuch, Cosmographie, wahrhaftige Beschreibung aller Teile der Welt⸗ (Tüb. 1534), die erste deutsche allgemeine Weltbeschreibung. Darauf folgten mehrere theol. Schriften, deren wichtigste die Paradoxa, d. i. 280 Wunderredo (Ulm 1534). Hier entwickelt er besonders seine mystischen Ideen. Gegen dieselben trat der luth. Prediger Frecht in Ulm auf und forderte, F. als Ketzer der Stadt zu verweisen. Der Rat begnügte sich jedoch mit F.s Versprechen, nichts wider die ulmer Kirchenordnung und Prediger zu reden und zu schreiben. F. veröffentlichte jetzt noch: Die guldene Arch (Augsb. 1538), eine Zusammenstellung von Bibelsprüchen mit Aussprüchen heidnischer undechristl. Gelehrten; das &Chronicon Germaniaen (Augsb. 1539), ein Spottlied auf «den E Nothelfer und Weltheiland St. Geld und St. Pfennigy u. s. w. Weil er dabei die Censur umging, wurde er ausgewiesen, zog 1539 nach Basel und starb hier 1542. Vgl. Alfred Hase, «Sebastian F. von Wörd, der Schwarmgeisto (Lpz. 1869); Latendorf, Sebastian F.s erste Sprichwörtersamm0 (Pösneck 1876); Bischof, Sebastian F. und die deutsche Geschichtschreibunge (Tüb. 1857).