Fresenius (Karl Remigius), namhafter Chemiker, geb. 28. Dez. 1818 zu Frankfurt a. M., erhielt seine Vorbildung auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt, trat 1836 in die Steinsche Apotheke daselbst als Lehrling ein, hörte zugleich am Senkenbergschen Institut Vorlesungen über Chemie und Physik und bezog w1840 die Universität zu Bonn. Im F. 1841 ging er nach Gießen, wo er Assistent im Liebigschen Laboratorium wurde und sich 1843 für das Fach der Chemie habilitierte. F. erhielt dann 1845 einen Ruf als ord. Professor der Chemie, Physik und Technologie an das Landwirtschaftliche Institut zu Wiesbaden und begründete dort 1848 ein chem. Laboratorium, welches 1862 mit einer pharmaceutischen Lehranstalt und 1868 mit einer agrikulturchemischen, insbesondere auch önologischen Versuchsstation verbunden wurde. Infolge der veränderten staatlichen Verhältnisse wurde 1876 das Landwirtschaftliche Institut aufgehoben und durch eine in Weilburg neu errichtete Landwirtschaftsschule ersetzt, und mußte 1877 die pharmaceutische Lehranstalt wieder aufgegeben werden; auch ging 1881 die Leitung der agrikulturchemischen Versuchsstation an F.' ältesten Sohn, Heinrich F., über. Das 1876 wesentlich erweiterte F.'sche Laboratorium wird hauptsächlich von solchen Studierenden besucht, welche sich der industriellen Chemiezuwenden. Von F.'wissenschaftl. Arbeiten sindzu nennen: «Anleitung zur qualitativen chem. Analyser (Bonn 1841; 15. Aufl., Braunschw. 1883), «Anleitung zur quantitativen chem. Analysed (Braunschw. 1846; 6. Aufl. 1875—83), welche Werke in fast alle lebenden Sprachen übersetzt sind; Lehrbuch der Chemie für Landwirte, Forstmänner und Kameralisteno (Braunschw. 1847), «Chem. Untersuchung der wichtigsten Mineralwässer des Herzogtums Nassauv» (Heft 1—9, Wiesb. 1850—61), sowie viele andere Untersuchungen von Mineralwässern in Monographien (Wiesb. 1859 —83); ferner „Geschichte des chem. Laboratoriums zu Wiesbaden» (Wiesb. 1873) und «Zeitschrift für analytischeChemien (Jahrg. 1—22, Wiesb. 1862—83), auch zusammen mit Will RNeue Verfahrungsweisen zur Prüfung der Pottasche und Soda, des Braunsteins u. s. w.y (Heidelb. 1843). F. Untersuchungen erstrecken sich auf alle Teile der Chemie, insbesondere auf die analytische Chemie der anorganischen Körper. Von 1848 -51 war F. Mitglied der nassauischen Ständeversammlung. 5. auf der noch oder Malerei al fresco, d. h. auf der noch nassen (frischen) Mauer, nennt man im Gegensatz zu der enkaustischen, zur Temperamalerei, Olmalerei u. s. w. diejenige Art Malerei, welche mit Wasserfarben auf einer noch frischen Unterlage von Kalk, mit Sand vermischt, an Wandflächen ausgeführt wird, ferner aber auch im Gegensatz zu jener Wandmalerei, die auf trockenem Grunde bewerkstelligt wird, der Malerei al secco. Schon im griech. Altertum neben der Enkaustik im Gebrauche, ging die F. nie völlig verloren. Das bis zur Erfindung der Stereochromie (1846), des Wasserglases und ähnlicher moderner Techniken und auch noch heute neben ihnen gebräuchliche Verfahren besteht darin, daß der Mauer mit einem Mörtel aus feinem Sand und altem Kalk 2—4 mm stark ein Malgrund (Intonaco) gegeben wird, der, solange er noch feucht ist, die Eigenschaft besitzt, die darauf getragenen Farben ohne Zusatz von Leim oder eines andern Bindemittels dergestalt festzuhalten, daß sie weder trocken noch mit Hilfe des Wassers sich auslöschen lassen, sondern mit der Zeit nur desto inniger mit der Wandfläche sich chemisch verbinden. Denn der im nassen Mörtel aufgelöste Kalk hat die Eigenschaft, sich während des Austrocknens an die Oberfläche zu ziehen und dort durch Absorption von Kohlensäure aus der atmosphärischen Luft zu einem feinen, Pamitn Bz Email zu krystallisieren, welches die damit in Berührung stehenden Farbenpartikel durchdringt oder einhüllt und somit fixiert. Die mikroskopisch kleinen Flächen dieser Krystalle verleihen dann dem Ganzen den zarten Glanz, der dem guten alten 1½. besonders dem der Italiener, eigen ist. Dieser krystallinische Uberzug, im Wasser schwer löslich, wird von den übrigen atmosphärischen Einwirkungen nicht zerstört, sondern geht bei fortgesetzter Anziehung von Kohlensäure und Wasserdämpfen nur vorwärts in der Steinbildung. Wegen der notwendigen Verbindung mit dem Kalk sind sämtliche vegetabilische und animalische Farben dabei nicht anwendbar, auch diejenigen mineralischen nicht, welche mit dem Kalk verwandt sind und eine neue Verbindung mit ihm eingehen würden, z. B. Bleiweiß. Vgl. Wiegmann. „Die Malerei der Alten » (Hann. 1836). Da nur mit einem feuchten Grunde die Farben zu einem Ganzen verschmelzen, so kann auch das Antragen des Bewurfs und das Auftragen der Farben selbst nur stückweise geschehen und nie mehr aufgelegt werden, als der Maler in einem Tage zu vollenden vermag, was auf die Größe und gewaltigere Kraft des Stils nicht ohne bedeutenden Einfluß ist. Auch kann der Maler bei der eiligen und stückweisen Ausführung nicht frei nach der Skizze arbeiten, sondern muß mittels einer Bause nach seinem in gleicher Größe entworfenen Karton die Umrisse und Schattierungen auf den Kalk übertragen, während eine Farbenskizze ihm die Farben angibt. Da diese aber vor dem Austrocknen mehr oder weniger dunkler erscheinen als nachher, so gehört ein geübtes, berechnendes Auge zu dieser Arbeit, zumal alles wesentliche Nachbessern nur durch Abkratzung des alten und Auflegen eines neuen Kalkbewurfs möglich ist. Minder Wichtiges, Härten in Ton, Zeichnung und Modellierung, wird jedoch durch Retouchierung mit Temperafarben verbessert. Es ist einleuchtend, daß in dieser Malerei eine so feingefühlte Harmonie in Licht und Schatten und Farbe unerreichbar bleibt, wie sie bei einer Technik möglich ist, bei welcher der Künstler das bereits Vollendete in seiner wahren Wirkung stets vor Augen hat, das er auch nach Erfordern wieder übergehen und umstimmen kann, bis er durch übermalen und Lasieren die gewünschte Harmonie erreicht. Eine noch weit folgenreichere Eigentümlichkeit besitzt die F. in dem Mangel aller durchsichtigen und saftigen Farben, sodaß die Schatten bei nur mäßiger Tiefe trüb und trocken erscheinen. Ihre große Dauerhaftigkeit befähigt die F. vorzugsweise zu monumentalen Kunstwerken, wie sie denn auch zu einem Stile genötigt wird, der, auf großartige Ausbildung der Zeichnung und Komposition beschränkt, sich für die höhere Historienmalerei vorzüglich eignet. Des Lyrischen im Gebiete der Kunst, nämlich der Farbenglut, entbehrend, hat sie als Trägerin des epischen Elements seit Jahrhunderten den Reigen der größten Kunstwerke angeführt. Durch die Erfindung der Stereochromie (s. d.) sind in neuerer Zeit die empfindlichsten Übelstände der F. beseitigt worden. Die ältesten Freskogemälde sind ägyptische, etruskische und pompejanische. Die urchristl. Zeit hat in den Katakomben von Rom und Neapel derartige Denkmale hinterlassen. Vom Mittelalter finden sich Reste von Fresken im Dom zu Bamberg, in St. Gereon, St. Ursula und St. Kunibert zu Köln, Salzburg und Gurk in Kärnten; in Italien Werke der Florentiner und Sienesen. Giottos Schule lieferte viele Wandgemälde. In Deutschland veranlaßte die Sitte, die Fagaden der Häuser mit Historien zu bemalen, viele? andmalereien, womit auch die Kreuzgänge der Kirchen geschmückt wurden, wobei an die Totentänze (s. d.) zu erinnern ist. Alles übertraf an Masse und Wert die italienische F. des 16. Jahrh. vorzüglich in den Schulen von Rom, Ruchel und Mailand, weniger in der von Venedig. Michel Angelos einseitige, aber in seinem Wesen tiefbegründete Vorliebe für die F. ist bekannt. Nach dieser Glanzzeit trat die Zeit der Entartung ein. Correggio brachte die perspektivischen Künsteleien der Deckengemälde auf, welche im 18. Jahrh. allgemeine Anwendung fanden und bis auf die Spitze etrieben wurden. Dennoch wäre es ungerecht, die Barockmeister der F. zu unterschätzen. Namentlich in der Technik verfügten sie noch über große alte Traditionen, die den modernen Freskomalern abgehen. Der erste Aufschwung tritt erst wieder zu Anfang des 19. Jahrh. ein, wo eine Anzahl deutscher Künstler von Talent, durch würdige Aufgaben angeregt, der F. in Rom eine Pflegestätte bereiteten. In der Wohnung des preuß. Konsuls Bartholdy malten Cornelius, Overbeck, Ph. Veit und W. Schadow die Geschichte Josephs in sieben Bildern, in der Villa Massimi, außer Overbeck und Veit, noch Schnorr, Führich und Koch Darstellungen aus Dante, Tasso und Ariost. Das erste bedeutende Kirchengemälde dieser neuen Richtung war Overbecks Indulgenz des heil. Franziskus in der Kirche Madonna degli Angeli bei Asisi. Nach diesen Anfängen wurde München der Sitz der neuen F. Noch als Kronprinz berief König Ludwig Cornelius dahin und übertrug ihm die Wandgemälde der Glyptothek. Zugleich geschah die Ausmalung der Arkaden. Darauf erfolgte die Ausschmückung des neuen Königsbaues, der Allerheiligenkapelle, dann die Herstellung der Fresken zu dem Gedichte der Nibelungen von Schnorr im Erdgeschoß der königl. Residenz, endlich die Ausmalung der Bonifaciuskirche durch Heß, Koch und Schraudolph und die der Ludwigskirche durch Cornelius mit seinen Schülern. Piloty, Schwind und die Schüler von Foltz zierten 1865 das Maximilianeum mit Fresken. Die Fresken außerhalb Bayerns sind zum großen Teil ebenfalls von Künstlern der münchener Schule gefertigt. So malte Stürmer im Schlosse des Grafen von Spee zu Heltorf unweit Düsseldorf mehrere Bilder aus der Geschichte Kaiser Heinrichs II., an denen jedoch auch Mücke, der der Düsseldorfer Schule angehört, bedeutenden Teil hatte. In der Aula zu Bonn wurden die Darstellungen der vier Fakultäten von münchener Künstlern in