FeedFreundschaft (Georg von)
TierreichBrockhaus 1882

Freundschaft (Georg von), s. Frundsberg. reundschaft ist ein Verhältnis gegenseitiger Zuneigung verschiedener Menschen. Je nach dem psychol. Grunde dieser Zuneigung kann man drei Arten der F. unterscheiden: die praktische F., welche durch Gemeinsamkeit der Interessen und Lebensbedürfnisse, bit h gegenseitige Förderung in der Berufsthätigkeit hervorgerufen wird; die ästhetische F., welche auf einem unmittelbaren Wohlgefallen der Menschen aneinander beruht und besonders in den Formen des geselligen Verkehrs sich äußert; endlich die moralische F., welche in der klar erkannten Gleichheit des sittlichen Strebens, in der gegenseitigen Billigung der Charaktere wurzelt und einen innigen und rückhaltlosen Austausch der höchsten Interessen voraussetzt. In allen drei Formen ist jedoch wieder eine doppelte Art der Anziehung der Persönlichkeiten zu bemerken, indem dieselbe entweder aus der Gleichheit oder aus der sich gegenseitig ergänzenden Ausgleichung von Verschiedenheiten, resp. Gegensätzen hervorgeht. Es ist keine Herhel daß der letztere Fall stets eine größere Sicherheit für die Dauer der F. gewährt. Die Gleichheit der praktischen Interessen führt weit eher zu einer die F. gefährdenden Kollision als das Ineinanderarbeiten verschiedener Beschäftigung. Die Ähnlichkeit der Verkehrsweise verliert viel leichter an Reiz und Anziehung als der stets neu zündende Kontakt verschiedenen Wesens; je weiter endlich die Charaktere auseinandergehen, um so mehr können sie unter der Voraussetzung einer gemeinsamen sittlichen Lebensarbeit voneinander lernen, während sie im umgekehrten Falle der Gefahr ausgesetzt sind, sich durch stetige übereinstimmung einander zu ermüden. über den Wert jener drei Grundformen der F. kann ebenfalls kein Zweifel sein: der praktischen F. bietet der Wechsel der Lebensschicksale, die Unbeständigkeit der äußern Verhältnisse die größten Gefahren dar, sodaß hier die alte Klage, daß in der Not die Freunde des Glücks ausbleiben, die meiste Bestätigung findet. Die ästhetische F., auf dem äußerlichen Eindrucke beruhend, ist den Täuschungen desselben in hohem Grade ausgesetzt, wie man es an unzähligen Jünglings⸗ und Mädchenfreundschaften bestätigt findet; nur die moralische F. trägt in sich so weit die Gewähr der Dauer, als die Stetigkeit der Charaktere und des sittlichen Bewußtseins reicht; nur auf sie kann deshalb mit Sicherheit durch alle Wechselfälle des Lebens gezählt werden. Man wird deshalb sehr häufig finden, daß die moralische F. gerade zwischen solchen Menschen eintritt, welche für die praktische keine Veranlassung, deshalb aber auch keinen Anlaß zu Störungen derselben durch Kollisionen des Eigennutzes haben, bei Leuten ganz verschiedenen Berufs u. s. w. Freilich bleibt der glücklichste und schönste Fall der F. immer der, in welchem alle drei Formen zusammenfallen, sodaß die Gemeinschaft der praktischen Interessen und des geselligen Bedürfnisses veredelt wird durch die sittliche Gemeinschaft der Charaktere und die F. dadurch in einen Bund der Treue auf Leben und Tod übergeht. In diesem Sinne ehrten besonders die alten Völker die F., indem sie eine Anzahl bewährter Freundespaare im Gedächtnis und zur Nachahmung feierten, und es galt ihnen teilweise die F. als ein gleich der Ehe geheiligtes Institut. Denn eine solche wahre und volle F. ist nur zwischen je zwei Menschen denkbar, während praktische und ästhetische F. sich einem größern Kreise mitteilen können. In diesem Sinne bildet die wahre F. auch einen notwendigen Bestandteil in dem edelsten der menschlichen Verhältnisse, demjenigen zwischen Mann und Weib. Einen Teil der Gedanken der antiken Moralphilosophie über die F. hat Cicero in seiner Schrift KDe amicitia » entwickelt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 298Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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