FeedFriedrich I.
GeschichteBrockhaus 1882

Friedrich I., der Rot bart (Barbarossa), zweiter König und erster Kaiser aus dem Hause der Hohenstaufen, einer der mächtigsten und einsichtsvollsten Herrscher Deutschlands (1152—90), geb. 1121, der Sohn Herzog Friedrichs II. des Einäugien von Schwaben, folgte als Friedrich III. seinem ter 1147 in der herzogl. Würde und erhielt nach dem Tode König Konrads III., seines Oheims, 1152 die Königskrone. Das tiefzerrüttete Reich beruhigte er durch die Aussöhnung mit seinem Vetter, Heinrich dem Löwen (s. d.), welchem er das von seinem Vorgänger ihm abgesprochene Herzogtum Bayern zurückgab; den Markgrafen von Osterreich, welchem es verliehen war, gelang es ihm nach vielen Anstrengungen 1156 durch Errichtung des Herzogtums SOsterreich zu befriedigen. Inzwischen hatte er schon 1154 in der Lombardei das Ansehen des Reichs hergestellt, 17. April 1155 in Pavia die lombard. Königskrone und 18. Juni in Rom die Kaiserkrone erhalten, bei welcher Gelegenheit er dem Andringen des Papstes den großen Neuerer Arnold von Brescia opferte. Rach einem siegreichen Feldzuge gegen Polen 1157 empfing er in Besangon die Huldigung der burgund. Großen und feierte das Weihnachtsfest mit großem Glanze. Von Anfang an war er allen päpstl. Eingriffen in die Angelegenheiten des Reichs mit großer Festigkeit entgegengetreten; jetzt kam eine beleidigende Botschaft des Papstes Hadrian, welche durch das herausfordernde Benehmen des Kardinals Roland noch verschärft wurde. F. schützte die Legaten mit Mühe vor Mißhandlung und sandte sie mit scharf abweisender Antwort heim. Dann zog er zu Felde gegen Mailand, welches alle kaiserl. Befehle verachtete und durch seine Gewaltthätigkeit viele Klagen veranlaßt hatte. In vier Wochen war Mailand überwältigt (1158) und unter dem Eindruck dieses Siegs wurde der Reichstag zu Roncaglia gehalten, wo neben den Bischöfen und weltlichen Vasallen je zwei Konsuln aus den Städten und die vier berühmtesten Rechtslehrer aus Bologna erschienen. Hier wurde dem Kaiser der Besitz aller Regalien und die Einsetzung aller Obrigkeiten als sein Recht zuerkannt. Als die Beschlüsse auch in Mailand zur Ausführung gebracht werden sollten, obgleich ihre Kapitulation günstigere Bedingungen enthielt, brach der Aufstand wieder aus, dem andere Städte sich anschlossen. Mit dem Papst wurde die Spannung namentlich wegen des Mathildischen Gutes immer größer, bis 1159 Hadrian IV. starb, nach dessen Tod eine Partei den schon genannten Roland wählte, der sich Alexander III. nannte Um zwischen ihm und seinem Gegner Octavian (Victor IV.) zu entscheiden, berief F. eine Kirchenversammlung, welcher sich aber Alexander III. nicht stellte, weil er durch einen geheimen Pakt sich mit dem König Wilhelm von Sicilien und den Lombarden verschworen hatte. Das Konzil von Pavia (1160) entschied daher für Victor, und für diesen führte nun F. mit aller Kraft den Kampf, dessen Seele sein Kanzler Rainald von Dassel war, welchen er zum Erzbischof von Köln erhob. Mailand wurde 1162 nach langer Belagerung bezwungen und nach dem Spruch der lombard. Städte zerstört. Aber 1164 schlossen Verona, Padua, Vicenza und Treviso einen Bund mit Venedig, und als F. 1167 nach einem glänzenden und siegreichen Feldzuge gegen Rom sein Heer durch eine Pest verloren hatte, an welcher auch Rainald starb, traten alle lombard. Städte bis auf Pavia, Cremona und Lodi dem Bunde bei. Mailand wurde wieder aufgebaut, und zu Ehren Alexanders III. eine neue Stadt Alessandria begründet, welche F. vergeblich bekämpfte. Mehrmals hatte F. Unterhandlungen versucht; seinen Papst konnte er nicht zur Anerkennung bringen, weil Frankreich von Anfang an Alexander annahm und auch Deutschland immer mehr auf dessen Seite trat. Heinrich II. von England schwankte, war aber nach der Ermordung des Thomas Becket (1171) zu fernerm Widerstande ohnmächtig. Als nun F. mit letzter Anstrengung die Lombarden zu überwältigen versuchte, ließ ihn Heinrich der Löwe im Stich. Die Folge war die Niederlage bei Legnand 29. Mai 1176 und der Friede zu Venedig 1177, in welchem F. Alexander als den rechtmäßigen Papst anerkannte. Er verzichtete damit auf das von seinen Vorfahren geübte Recht, als Kaiser über das Papsttum zu entscheiden, welches den veränderten Verhältnissen nicht mehr entsprach, blieb aber im thatsächlichen Besitze der zwischen ihm und dem Papste streitigen Landschaften und Güter. Dagegen verfiel Heinrich der Löwe, da er auf dreimalige Ladung nicht erschien, der Acht und verlor seine Herzogtümer; Bayern kam an Otto von Wittelsbach, Sachsen zum Teil an Bernhard von Askanien, zum Teil an Philipp von Köln. Mit den lombard. Städten wurde zu Venedig ein Waffenstillstand geschlossen und nach dessen Ablauf 1183 der Friede zu Konstanz, in welchem dem Kaiser ansehnliche Einkünfte und ein bedeutender Einfluß auf die Einsetzung der Obrigkeiten verblieben. Hierdurch wurde ein befriedigender Zustand so vollständig erreicht, daß F. 1184 ohne Heer nach Italien kommen konnte und freudige Aufnahme fand. Die Mailänder erbaten es sich als eine Gnade, daß die Krönung des jungen Königs Heinrich VI. und seine Vermählung mit Constantia, der Erbin Siciliens, 1186 bei ihnen gefeiert wurden. Diese Vermählung versprach in seiner Hand die Herrschaft über ganz Italien zu vereinigen und erregte dadurch den höchsten Zorn des Papstes Urban III., dem es jedoch nur gelang, den ehraeingen Erzbischof von Köln zu feindlicher Haltung zu verleiten. Weitere Feindseligkeiten verhinderte der tiefe Eindruck, welchen die Nachricht vom Fall Jerusalems (1187) machte, und Urbans Tod. Der alte Kaiser nahm selbst das Kreuz und zog, nachdem er die Regentschaft seinem Sohne Heinrich übergeben hatte, mit seinem Sohne Friedrich V. von Schwaben, mit Ludwig von Thüringen und andern Fürsten und einem Heere von 100000 Mann 1189 über Griechenland nach Kleinasien Schon war er mit seinem Heere glücklich den verräterischen Nachstellungen des griech. Kaisers Isaak Angelos entgangen, schon hatte er viele Kämpfe siegreich bestanden, Iconium erobert und die furchtbarsten Entbehrungen und Mühseligkeiten überstanden, als er im Flusse Selef oder Saleph (dem Kalykadnos der Alten), unweit von Tarsus 10. Juni 1190 seinen Tod fand. Daß er in der Kathedrale zu Tyrus begraben sei, wie man lange Zeit annahm, ist zweifelhaft; wahrscheinlicher ist, daß er in der Peterskirche in Antiochia liegt. (S. unter Tyrus.) F. war ein edler, tapferer, freigebiger, im Glück und Unglück gleich standhafter Fürst, fest auf dem beharrend, was er für sein Recht und seine Pflicht hielt, wobei er wiederholt in Gegensatz zu den geschichtlich gewordenen Verhältnissen kam, schließlich aber auch in diese sich zu fügen und aus ihnen Nutzen zu ziehen verstand. Von mittlerer Größe und wohlgebaut, von blondem Haar, weißer Haut und rötlichem Bart, daher von den Italienern Barbarossa genannt, hatte er ein bewundernswürdiges Gedächtnis und 22 für seine Zeit ungewöhnliche Kenntnisse. Er schützte die Gelehrten, besonders die Geschichtschreiber. Seinen Vetter, den Bischof Otto (. d.) von Freising, forderte er auf, die Geschichte seiner Thaten zu schreiben, und versah ihn mit den dazu nötigen Mitteilungen. Seine Liebe zur Baukunst bezeugen noch gegenwärtig die merkwürdigen Ruinen von Gelnhausen in der Wetterau. Sein stetes Vorbild war Karl d. Gr. Wie dieser, hatte er eine hohe Idee vom Kaisertum, die er durch seine Regierung zu verwirklichen strebte, und ebenso war er auch ein aufrichtiger Anhänger der Religion und ein Freund der Geistlichen und der Kirche, deren stolzen Anmaßungen er jedoch sich kräftig entgegensetzte. Lange lebte er im Andenken des Volks fort; daß jedoch die Sage vom Kyffhäuser nicht, wie man geglaubt hat, auf ihn, sondern auf den Kaiser Friedrich II. zu beziehen sei, haben G. Voigt und S. Riezler in der «Historischen Zeitschrifto (Bd. 26 u. 32) nachgewiesen. Vgl. H. Prutz, Kaiser F. I.v (3 Bde., Danz. 1871 —73); P. Scheffer-Boichorst, F.s letzter Streit mit der Kuried (Berl. 1866); K. Fischer, Der Kreuzzug F.s I. (Lpz. 1870); F. von Raumer, «Geschichte der Hohenstaufen und ihrer Zeite (Bd. 2, Lpz. 1823; 5. Aufl. 1878).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 315Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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