Hatzfeldt, ein aus Oberhessen entsprossenes und nach seiner Stammburg an der Edder benanntes Dynastengeschlecht, welches mit Anfang des 13. Jahrh. in die Geschichte eintritt, erlangte bald eine solche Bedeutung, daß es im 14. Jahrh. den Landgrafen ie Famitte Widerstand leisten konnte. Nachdem die Familie ihr Besitztum durch Erwerbung der Herrschaft Wildenburg beträchtlich erweitert, teilte sie sich in der Mitte des 15. Jahrh. in *%7 Linien, die Wildenburg-Wildenburgische und ie (1783 erloschene) Wildenburg-Hessische. Dieser letztern gehörte Melchior von H. (geb. 10. Okt. 1593, gest.9. Jan. 1658) an, welcher sich als kaiserl. Heerführer im Dreißigjährigen Kriege auszeichnete und durch Glück und Verdienst den eigentlichen Grund zu dem Glanze des Hauses legte. Er erhielt durch seinen Bruder die fränk. Herrschaften der erloschenen Rosenbergischen Linie, von dem Erzstift Mainz die erzbischöfl. Lehne der erledigten Grafschaft Gleichen, vom Kaiser aber, der ihn 1635 in den Reichsgrafenstand erhob, die schles. Herrschaft Trachenberg (360 aEm). Diese letztere wurde 6. Nov. 1741 von König Friedrich II. von Preußen zu einem Fürstentum und ihre Besitzer zu Fürsten erhoben, die bald darauf, 1748, auch die Reichsfürstenwürde erhielten. Beim Absterben dieser fürstl. Hauptlinie wurden die mainzer und würzburger Lehne derselben eingezogen; nur die Stammherrschaft Auninke. Itaa an die Vettern von der andern Hauptlinie. Trachenberg und andere Güter kamen damals an den Grafen Schönborn-Wiesentheid, und erst — langen Streitigkeiten gelangte 10. Juli 1803 Franz Ludwig von H., Inhaber des Familienfideikommisses Wildenburg-Schönstein (165 akm) in Besitz der Standesherrschaft und somit der dem Baurde. Die Majoratsherrn gebührenden Fürstenwürde. ieser Franz Ludwig von H., geb. 23. Nov. 1756, welcher früher in kurmainzischen und dann in preuß. Diensten stand und als Generallieutenant 1807 seinen Abschied nahm, wurde besonders durch einen Akt Napoleons I. bekannt. Als nämlich Berlin 1806 von den preuß. Truppen geräumt war, übertrug der Gouverneur und Staatsminister Graf von Schulenburg-Kehnert dem Fürsten von H., seinem Schwiegersohne, die Leitung der öffentlichen Anelegeuheiten und damit die Verpflichtung, jeden Morgen, solange es die Verhältnisse gestatteten, einen Bericht an den König einzusenden. Am 24 Okt., morgens 5 Uhr, sieben Stunden vorher, ehe die franz. Avantgarde Berlin erreichte, schrieb H. an den Major von Knesebeck vom Generalstabe: daß er von der franz. Armee nichts Offizielles wisse, als daß er eine an den Magistrat zu Potsdam gerichtete Ausschreibung gesehen. Die Franzosen sagen, ihr Korps sei 80000 Mann stark; andere versichern, es seien nicht 50000 Mann; auch sollen die Pferde der Kavallerie äußerst ermüdet sein.v Dieses Schreiben kam in Napoleons Hand, und 28. Okt. wurde H. verhaftet, aber auf die Bitten seiner Gemahlin vom Kaiser wieder in Freiheit gesetzt. Später wurde H. zu mehrern diplomatischen Sendungen gebraucht; unter anderm brachte er auch zu Anfang des J. 1813 das Entschuldigungsschreiben des Königs von Preußen während Vorks Kapitulation nach Paris. In der Folge bekleidete er den Gesandtschaftsposten am niederländ. Hofe und seit 1822 am kaiserl. Hofe zu Wien, wo er 3. Febr. 1827 starb. Die fürstl. Würde ging auf seinen Sohn über, den Fürsten Friedrich Hermann Anton von H., geb. 2. Okt. 1808, welchem nach dessen 20. Juli 1874 erfolgtem Tode sein Sohn Hermann (geb. 4. Febr. 1848) succedierte. Der Oheim des letztern, Graf Maximilian von H., geb. 7. Juni 1813, betrat die diplomatische Laufbahn und ging im Mai 1849 als preuß. Gesandter nach Paris, wo er 19. Jan. 1859 starb. Eine Schwester desselben war die Gräfin Sophie von Hatzfeldt (s. d.). Der älteste Sohn der vorigen, Alfred, geb. 9. April 1825, wurde 10. Mai 1870 in den preuß. Fürstenstand erhoben und damit Begründer des fürstl. Hauses 5.⸗Wildenburg. Die Besitzungen dieser Linie sind: die Standesherrschaft Wildenburg-Schönstein im Regierungsbezirk Koblenz und die Rittergüter Calcum, Caldenberg, Morp u. s. w. im Regierungsbezirk Düsseldor. Ein Bruder des Paut v Alfred ist der preuß. Staatsminister Graf aul von Hatzfeldt (s. d.). 896 Hatzfeldt (Paul Melchior Hube