FeedTschernajew (Michael Grigorjewitsch)
GeschichteBrockhaus 1882

Tschernajew (Michael Grigorjewitsch), russ. General und panslawistischer Agitator, aus altadeliger Familie 1828 geboren, besuchte die Militärschule zu Nikolajew, trat in die Armee, nahm am türk. Kriege in der Krim und an den Kämpfen im Kaukasus teil und wurde dann im diplomatischen Dienste verwendet. Im J. 1864 kam er als Generalmajor nach Turkestan und eroberte Taschkent, wurde 1867 verabschiedet, trat in Moskau als Rechtsanwalt auf, wurde aber bald wieder im Heere angestellt, ohne indessen ein Kommando zu erhalten, und nahm 1875 den Abschied. T. gründete hierauf in Petersburg die Zeitung Ruskij Miro und übernahm im Juli 1876 den Befehl über das serb. Heer an der Morawa, bewies indessen kein Feldherrntalent und wurde 29. Okt. bei Alexinatz von den Türken entscheidend geschlagen. Im Russisch-Türkischen Kriege wurde T. nicht verwendet, unternahm 1877 eine Agitationsreise nach Osterreich, wurde zu Prag ausgewiesen, lebte dann geraume Zeit in Frankreich und beteiligte sich dort an deutschfeindlichen Demonstrationen. Zu Beginn des J. 1879 kam T. nach Rumelien und versuchte, einen Aufstand der Bulgaren zu organisieren, wurde im März zu Adrianopel verhaftet und mit Zwangspaß nach Rußland gesendet „ dort aber im Juni 1882 zum Generalgouverneur des turkestan. Militärbezirks in Taschkent ernannt. Seine eigenmächtige Politik, durch welche Rußland beinahe in ernste Verwickelungen mit Bokhara und Großbritannien geraten wäre, veranlaßte schon im Febr. 1884 seine Zurückberufung nach Petersburg, wo er als Mitglied des Kriegsrats ohne sonstige Kommandostellung blieb. Im April 1886 wurde T. dieser Ehrenstellung enthoben, weil er eine Reihe taktloser Artikel über die centralasiat. Militärbahn in Zeitungen veröffentlicht und sich an Intriguen gegen den mit der Herstellung dieser Bahn betrauten General Annenkow beteiligt hatte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 15, S. 880Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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