FeedFriedrich August II.
GeschichteBrockhaus 1882

Friedrich August II., König von Sachsen, geb. 18. Mai 1797, war der älteste Sohn des Prinzen Maximilian, eines Bruders der Könige Friedrich August I. und Anton. Seine Mutter, Karoline Marie Therese von Parma, verlor er schon 8. März 1804. Gemeinschaftlich mit seinen Brüdern, den Prinzen Clemens 227 zu Pisa 4. Jan. 1822) und Johann, genoß er einen vielseitigen Unterricht. Er ging 1809 während des Kriegs mit Osterreich nach Frankfurt a. M., 1813 nach Regensburg und Prag, 1815 nach Preßburg und n Aonsbor unter der Leitung des Generals von Watzdorf, mit seinem Bruder Clemens in das österr. Hauptquartier nach Dijon; im Okt. 1815 kehrte er nach Dresden zurück. In Dresden ausgebrochene Unruhen veranlaßten 13. Sept. 1830 seine Ernennung zum Mitregenten des Königs Anton. Dem in ihn gesetzten Vertrauen entsprach der Prinz durch Vereinbarung einer konstitutionellen Verfassung mit den alten Ständen des Landes und durch die Veranlassung einer wichtigen Reihe von Neugestaltungen, unter denen die Städteordnung, die Befreiung des Landbaues von Fronen und beschwerlichen Servituten, die Einrichtung einer Landrentenbank zur Vermittelung des Grundentlastungsgeschäfts und die Reorganisation der Justiz und Verwaltung die wichtigsten waren. Seine besondere Vorliebe war der Botanik gewidmet, deren Kenntnis er in der von Heidler herausgegebenen «Flora Marienbadensis oder Pflanzen und Gebirgsarten, Püreen und beschrieben von dem Prinzen F., Mitregenten von Sachsen, und von J. W. von Goethey (Prag 1837) bewies. Nach dem Tode König Antons (6. Juni 1836) führte F. als Thronerbe die Regierung in gemäßigt liberalem Geiste. Dennoch vermochten die persönlichen Eigenschaften des Königs auch Sachsen nicht vor den Stürmen zu bewahren, welche mit dem März 1848 über Deutschland hereinbrachen. Der dresdener Maiaufstand des folgenden Jahres bestimmte den König zum Verlassen der Hauptstadt und wurde erst mit preuß. Hilfe durch Waffengewalt unterdrückt. (S. Sachsen.) Zudem beeinträchtigte die reaktionäre Bewegung, welche seitdem unter Beusts Leitung und Einfluß auch in den innern Verhältnissen Sachsens entschieden hervortrat, das Verhältnis zwischen dem Könige und dem Volke. F. starb plötzlich auf einer Reise in Tirol 9. Aug. 1854, infolge eines Sturzes aus dem Wagen bei Brennbüchl zwischen Imst und Wens. An der Unglücksstätte wurde 1855 eine Kapelle errichtet. F. war seit 1819 mit der Erzherzogin Karoline von Esterreich (gest. 22. Mai 1832) und seit 24. April 1833 mit der Prinzessin Maria von Bayern (geb. 27. Jan. 1805, gest. 13. Sept. 1877) vermählt; beide Ehen blieben kinderlos. Vgl. Schladebach, «Friedrich August II. von Sachseny (Dresd. 1854).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 340Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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