FeedFriesen (Karl Friedr.)
BaukunstBrockhaus 1882

Friesen (Karl Friedr.), bekannt durch seine Teilnahme an den Freiheitskriegen im Lützowschen Freikorps und als Mitbegründer der deutschen Turnkunst, geb. 27. Sept. 1785 zu Magdeburg, widmete sich seit 1806 an der Bauakademie zu Berlin den architektonischen Fächern; er wurde von A. von Humboldt, der ihm sehr gewogen war, veranlaßt, an der Bearbeitung des großen mexik. Atlas teilzunehmen, und wirkte seit 1810 neben Jahn an der nach Pestalozzischen Prinzipien eingerichteten Erziehungsanstalt Plamanns. Eine außerordentliche Thätigkeit entwickelte F. im Verein mit Jahn (s. d.) bei der Begründung der Turnkunst in Deutschland 1810 —12. Im J. 1813, als der Major von Lützow seine Freischar bildete, war F. einer der ersten, der ihn hierin unterstützte und der auch dann als Adiutant ihm zur Seite stand. Als solcher machte er alle Streifzüge der Lützower mit und wurde, als Napoleon 13. März 1814 das russ.⸗preuß. Korps unter Priest bei Rheims überfiel, auf einer Streifpartie 15. März versprengt und von einer Abteilung des franz. Landsturms bei dem Dorfe La Lobbe 15 km von Rethel im Handgemenge erschossen. Seine Uberreste wurden 15. März 1843 auf dem Invalidenkirchhofe zu Berlin beigesetzt. Dichterisch wurde sein Leben sowie sein Tod verherrlicht von Arndt, Schenkendorf, Immermann und Elfriede von Mühlenfels. Am 27. Sept. 1876 wurde an F.s Geburtshaus zu Magdeburg eine Gedenktafel angebracht. Vgl. Schiele, Frieor/ F. Eine Lebensbeschreibunge (Berl. 1875). riesen (Richard, Freiherr von), königl. sächs. Staatsminister, der ältern, ehemals Cottaischen Linie des Hauses angehörig, geb. 9. Aug. 1808 zu Thürmsdorf bei Königstein, erhielt seine Bildung erst im elterlichen Hause, 1821—25 auf der Fürstenschule zu Meißen und besuchte dann 1825—29 die Bergakademie zu Freiberg. Nachdem er hierauf 1829— 32 noch in Göttingen und Leipzig studiert, trat F. 1834 in die ehemalige Landesdirektion zu Dresden. Im Juli 1835 ward er zur Kreisdirektion nach Leipzig versetzt, wo er zum Regierungsrat aufrückte. Im Nov. 1846 wurde er zum vortragenden Rat im Ministerium des Innern und 6. Mai 1849 zum Minister des Innern ernannt, nahm jedoch schon im Okt. 1852 seine Entlassung. Nachdem F. den Winter in Italien, umeist in Rom, zugebracht hatte, ward er im Juni 1853 Kreisdirektor in Zwickau und Ende 1858 wiederum ins Ministerium berufen, um das Portefeuille der Finanzen zu übernehmen. Bei Ausbruch des Kriegs von 1866 trat F. als Mitglied in die Landeskommission, welche in abeeundin des Königs die Regierung zu führen hatte, und unterzeichnete 23. Okt. 1866 den Friedensvertrag mit Preußen. Nach der im Nov. 1866 erfolgten Rückkehr des Königs Johann nach Dresden übertrug derselbe F. auch noch das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten. In letzterer Eigenschaft nahm F. 1867 an den Verhandlungen über die Gründung des Norddeutschen Bundes und die Verfassung desselben Anteil und vertrat dann auch bei allen Sitzungen des Bundesrats und des Reichstags das Königreich Sachsen als Kommissar. Als im Okt. 1870 in Versailles die Verhandlungen zwischen dem Norddeutschen Bunde und den süddeutschen Staaten über die Bildung des Deutschen Reichs begannen, wurde F. von dem Bundespräsidium in Gemeinschaft mit dem Staatsminister Delbrück zum Kommissar für die Verhandlungen ernannt und schloß als solcher teils in Versailles, teils zu Berlin die Verträge mit Württemberg, Baden und Hessen mit ab. Seit 1869 war F. auch Generaldirektor der Sammlungen für Kunst und Wissenschaft zu Dresden und führte seit dem Abgange des Ministers von Falkenstein (1871) den Vorsitz im Gesamtministerium, bis er 1. Nov. 1876 aus dem Staatsdienste schied. Er veröffentlichte «Erinnerungen aus meinem Leben » (2 Bde., Dresd. 1880; 2. Aufl. 1881), gegen welche des Grafen Beust „Erinnerungen zu Erinnerungen» (Wien 1881) und ein Aufsatz des Historikers Flathe (in Sybels Hisdor. Zeitschrifto, 1881) gerichtet sind.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 361Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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